I R A N

Einreise & Tabriz

Mesopotamien

Fotografie:

Im Garten Eden

Shiraz

Verena Schulthess

Hamadan & Visa Problem

Kaluts – Lut Desert

Kermanshah & Bisotun

Das Ziel erreicht

26. September 2019

Die Fahrt auf grosszügiger, vierspuriger Strasse der Iranischen Grenze entgegen zieht sich hin. Die Landschaft wird leerer – unsere Anspannung steigt. Wir haben sagen hören, dass Fahrzeuge mit Motoren ab 2,5 Liter nicht mehr in den Iran eingelassen werden. Andere Stimmen meinten, dass dies nur für PKW’s, aber nicht für LKW’s gelte.

An der Türkischen Seite der Grenze rätseln die Beamten tatsächlich, ob sie uns ausreisen lassen sollen. Offenbar sind auch sie unsicher. Schliesslich hebt sich die Schranke und unsere Ausreise wird freundlich und schnell abgewickelt. Durch ein Tor fahren wir ein paar Schritte hinüber auf die Iranische Seite der Grenze – und sind in einer anderen Welt!

Eine vierspurige, moderne Zufahrtsstrasse führt auf der türkischen Seite von Van an die Iranische Grenze. Auch der gesamte Grenz-Hof auf türkischer Seite (blaue Dächer) ist top modern. Auf der Iranischen Seite hingegen sind die Gebäude und Baracken ineinander verschachtelt und die Durchfahrt ist schmal.

Ein weiteres Tor öffnet sich und wir dürfen in den Grenzhof auf Iranischer Seite einfahren. Die bewachenden Soldaten und die Grenzbeamten sind sehr freundlich und wir werden unerwartet zügig „abgefertigt“. Da ruft einer der Grenzbeamten: „You have a Problem, it’s not your Visa, but your Car“. Der Puls steigt. Da verlangt ein anderer unser Carnet de Passage und nach Begutachtung meint er „You have no problem, you can pass through“. Leider können wir an der Grenze keine Fahrzeugversicherung kaufen. Wir kriegen mehrmals Tee angeboten, ein Techniker der Grenzstation will uns sogar zum Essen einladen. Nach dem Einstempeln des Carnet de Passage folgt eine kurze Fahrzeugkontrolle – ein kurzes sich Umsehen in der Wohnkabine – und der Weg ist auch ohne Fahrzeugversicherung frei.

Fahrt nach Khoy

Die etwa 70 Km bis nach Khoy, der ersten Stadt im Iran, schaffen wir noch gut vor Sonnenuntergang. Die Fahrt geht durch ein eindrückliches Gebirgstal. Am Park in Khoy soll man nächtigen dürfen, deshalb wollen wir da hin. Wir finden tatsächlich eine winzige Ecke, die das gefahrlose Parken während der Nacht erlaubt und stellen uns da hin. Polizisten der gegenüberliegenden Polizeistation schauen uns zu. Ich frage nach, ob wir an diesem Ort stehen dürften und sie bedeuten uns freundlich, dass das in Ordnung gehe.

Hilfe, wir werden gefilzt!

Kaum stehen wir an Ort und Stelle, kommen zwei Polizisten in grüner Uniform über die Strasse gerannt und verlangen resolut, dass ich die Führerkabine öffne – ich verstehe erst überhaupt nicht, was die wollen. Drinnen will er in alle Fächer und Stauräume sehen – ist damit zufrieden. Danach steigt er in die Wohnkabine ein und untersucht jedes Kästchen, auch unsere Wäscheschränke, einfach alles. Schliesslich scheinen sie zufrieden zu sein. Ein Zivilist – Mitglied der Geheimpolizei? – will unsere Pässe sehen. Diese werden gedreht und gewendet aber mangels Indizien uns wortlos wieder zurück gegeben. Immerhin dürfen wir unter den wachsamen Augen der Polizei über Nacht stehen bleiben.

Den ganzen Abend über stehen indes Männer in Zivil um unser Fahrzeug und diskutieren. Um 21 Uhr, es ist längst dunkel, klopft es laut an unsere Türe „open immediately“ – ich schreie nach draussen, dass ich komme, aber noch was anziehen müsste. Ich öffne die Türe. Diesmal steht ein Polizist in blauer Uniform draussen, umgeben von einigen Zivilisten. Er fragt uns freundlich, aus welchem Land wir kommen. Wir sagen „Switzerland“ – was sie nicht verstehen. Ich versuche es mit „SWISS“ aha, das scheint bekannt vorzukommen aber wahrscheinlich ist SWISS für sie Schweden… nun, was solls, hauptsache, wir können endlich schlafen. Ja richtig – das war alles. Mit SWISS war er und die Umstehenden zufrieden und schlossen unsere Türe wieder.

Ob der Erlebnisse des Vorabends fahren wir etwas unsicher nach Tabriz, unsere erste Station im Iran. Die schöne Landschaft ist kaum Sichtbar, so stark ist der Dunst. Die Strasse ist grösstenteils ausgefahren, so dass wir nur langsam vorwärts kommen. Und wir müssen uns auch noch an die Fahrweise der Iraner gewöhnen – doch kommt es noch ganz anders.

Mitten durch Tabriz hindurch

Leider habe ich die Navigation nicht überprüft und wie so oft führt uns das Navi mitten durch die Stadt Tabriz statt aussen herum, wie geplant….. Im dichten Verkehr finden wir uns allerdings relativ schnell zurecht, denn in Palermo geht’s noch quirliger zu und her. Und, da es Freitag ist, fahren auch keine LKW’s – oh nein: hier ist ja LKW Fahrverbot!

El Golie Park

Für die nächsten vier Tage ist der Parkplatz im El Golie Park unsere Heimat. Hier können wir unseren MAN sorglos stehen lassen und mit dem Taxi in die Stadt fahren. Jede Stadt im Iran verfügt über einen oder mehrere Parkanlagen, die von der Bevölkerung zum Fitnesstraining, zu Familien-pick-nicks, zum Campen und zur Erholung rege genutzt werden – ganz besonders am Abend bis tief in die Nacht hinein.

Der El Golie Park ist ein Musterbeispiel eines solchen Parks und da er zudem in einer „besseren Umgebung“ liegt, auch sehr sicher.

Erste Einladung

Kaum ist unser MAN parkiert, steht ein modern gekleidetes Paar mittleren Alters mit herzigem vierjährigem Töchterchen neben unserem Fahrzeug und fragt uns „woher und wohin“. Die beiden erzählen, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch gerne reisen würden. Sie verabschieden sich – kommen aber bald mit einer Einladung zum Tee wieder zurück. Wir zieren uns, wie die Sitte das erfordert, sagen aber nach dem dritten Mal insistieren endlich zu.

Als Gastgeschenk bringen wir eine grosse Tafel unserer geliebten Cailler-Schokolade der Atelier Serie mit. Die Tee Runde mit heimischen Süssigkeiten ist lebhaft. Wir verstehen uns sofort und beide sprechen gut englisch, was die Unterhaltung wesentlich erleichtert. Er und sie haben studiert und verfügen über den Master-Grad. Ihr Appartement in einem neueren Appartementhaus ist hochwertig verarbeitet und etwa doppelt so gross wie unsere Wohnung in der Schweiz. Im Wohnzimmer kann wohl ein ganzer Familien-Clan zusammen kommen. Der Boden ist mit schönen Teppichen mit dem Muster von Tabriz ausgelegt. Wir fühlen uns rundum wohl.

Nach der Tee Einladung bleiben wir elektronisch verbunden und werden danach zum Nachtessen eingeladen. Wir sprechen indessen ebenfalls eine Einladung für ein Nachtessen in einem Restaurant ihrer Wahl aus. Daraus wird aber nichts und wir landen nochmals in der Wohnung. Sie hat indessen ein regionales Nachtessen hingezaubert, das mir noch heute das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Erneut ein schöner Abend.

Am nächsten Abend besucht Er uns zusammen mit seinem Schwiegervater auf dem Mountain bike. Folge: unsere nächste Einladung zu einem Nachtessen bei den Schwiegereltern auf dem Land.

(Aus Rücksicht auf die Sicherheit unserer neuen Freunde verzichten wir auf die Veröffentlichung eines Bildes und auf die Nennung von Namen)

Hilfsbereitschaft

Heute fahren wir ins Stadtzentrum von Tabriz. Drei Ziele haben wir: a) Geld wechseln, b) SIM-Karte und Internet-Daten kaufen und c) eine Autoversicherung abschliessen.
Die 300 Euro, die wir einsetzen, sind schnell gewechselt, aber nicht schnell gezählt. Ein Euro entspricht 125’000 Rial = 37,5 Mio Rial und das in Noten zu 100’000 Rial. Diese 375 Hunderttausender müssen erst mal nachgezählt werden und prompt, das Nachzählen hat sich gelohnt…..

In einer Ladenzeile beim Basar mit verschiedenen Schuhgeschäften frage ich einen jungen Ladenbesitzer nach einem Ort, wo man eine SIM-Karte von IranCell bekommen kann. Ali schliesst kurzerhand sein Turnschuhgeschäft ab und begleitet uns. Schliesslich finden wir eine IranCell-Vertretung und erhalten innert etwa 30 Minuten unsere SIM-Karte, natürlich mit Hilfe von Ali, da er den in Farsi geschriebenen Fragebogen für uns ausfüllt.
Ob wir sonst noch etwas bräuchten? Ja, eine Autoversicherung. Schliesslich ruft Ali ein Taxi, das er offenbar online bezahlt hat, setzt uns trotzt Protest hinein und wir werden zur Iranischen Autoversicherung chauffiert, wo wir innerhalb von 45 Minuten eine Autoversicherung in Händen halten.

Tabriz

Heute fahren wir erneut mit dem Taxi in die Stadt. Für eine halbe Stunde Taxifahrt bezahlen wir zwischen 150’000 und 200’000 Rial. was umgerechnet Euro 1.20 bis 1.60 entspricht. Da können wir uns wahrhaftig nicht beklagen.

Unser Stadtbesuch gilt zwei Hauptsehenswürdigkeiten: dem Bazar und der blauen Moschee. Tabriz liegt auf 1300 müM und verfügt über ein gut ausgebautes Verkehrssystem. Aller Fortschritt kommt von Tabriz. Tabriz ist Fortschritts- Impulsgeber des Iran. Das heisst, dass neue Technologien zuerst in Tabriz ankommen und danach Raum im übrigen Iran gewinnen. Dessen sind sich die Tabrizer bewusst und auch stolz darauf. Hier ist die Maschinen- und Autoindustrie ansässig sowie eine der Raffinerien des Iran. Die Bevölkerung ist mehrheitlich Turk-Stämmig, die den Nord-Osten des Landes besiedeln. Wir tauchen nun also mit dem Taxi ein, in die mit 1,5 Mio. Einwohnern 3. grösste Stadt des Iran.

Bazar

Der Bazar von Tabriz gehört zu den grössten und stimmungsvollsten im Iran. Das Wort „Bazar“ kennen wir aus unserer Kindheit – doch was wir hier zu sehen, zu hören und zu riechen bekommen ist so ganz anders, als damals die Veranstaltung im Kirchgemeindehaus. Im Rückblick können wir bestätigen, dass auch aus unserer Sicht der Bazar von Tabriz einer der schönsten im Land sein muss. Dass der Bazar nicht touristisch ist erkennt man daran, dass man ihn völlig ohne Belästigung besuchen kann.

Blaue Moschee

Sie wurde im Jahr 1465 fertiggestellt und war zu jener Zeit wegen ihrer vollendet komponierten Fliesenverkleidung in Kobalt Blau weltberühmt. Vermutlich in einem Erdbeben 1779/1780 stürzte die Blaue Moschee ein. Der Wiederaufbau ab 1973 nahm 40 Jahre in Anspruch. Dabei wurden die fehlenden Kacheln nicht nachgebaut, weshalb heute das Mass der damaligen Zerstörung am Bau sichtbar ist.

Van-Life-er

Im El Golie Park lernen wir Hooman und Nermine kennen – ein iranisches Künstlerpaar. Die beiden leben im VW-Van und von ihrer Kunst. Hooman ist auch ein sensationeller Naturfotograf. Wir werden zum Tee eingeladen und Gespräche ergeben sich. Am Abreisetag möchte Hooman noch ein Bild für seinen Instagram Kanal schiessen…..

Weiterreise

Von Tabriz aus geht unsere Reise an den Orumiyeh See (Urmiasee). Unterwegs haben wir uns eine Schraube in einem Reifen eingehandelt, weshalb wir zum nächsten Reifenhändler fahren. Hier werden wir sehr freundlich empfangen. Die Schraube ist glücklicherweise nicht so lang, dass sie den Reifen hätte durchstechen können. Der Chef persönlich checkt aber noch den Luftdruck in den Reifen. Am Ende ist alles kostenlos und wir fahren weiter an den riesigen Salzsee.

Im Garten Eden

Eine sonderliche Stimmung liegt über dem Orumieh See.
Dichter Dunst schwebt über dem salzhaltigen Wasser – wie wenn der Dunst den hinter ihm liegenden Garten Eden vor uns verbergen möchte, aus dem der Mensch vor Ur-Zeiten ausgeschlossen wurde.

In der Tat befinden wir uns seit der Van-See Region in der Türkei in dem Gebiet, in dem laut dem britischen Ägyptologen David Rohl das alttestamentliche Paradies gelegen haben muss. Gemäss den alttestamentlichen Berichten wurde das Paradies von vier Flüssen umflossen. Der Euphrat und der Tigris entspringen nordwestlich und südwestlich des Van See in der Türkei und sind noch heute namentlich bekannt. Der Gihon und der Pischon fliessen östlich des Orumieh Sees im Iran, sind heute jedoch unter anderen Namen bekannt. Der Fluss Araks war in frühislamischer Zeit als Gaihun (Gihon) bekannt und fließt ins Kaspische Meer. David Rohl glaubt, dass der Qezel Uzun dem Pischon entspricht. Er entspringt östlich des Orumiyeh Sees und mündet schon nach wenigen Kilometern ins Kaspische Meer.

Die Berge Ararat, auf welchen die Arche Noah landete, liegen ebenfalls in dieser Grosslandschaft, gleich wie die Wiege des Ackerbaus um Haran, das im Süden des ehemaligen Garten Edens und im südosten der Türkei, an der Grenze zu Syrien liegt. Von hier (Haran) wanderte schliesslich Abraham ins Land Kanaan aus.

Welch geschichtsträchtiges Gebiet wir durchfahren und besuchen können. Spannend und grossartig.

Der Orumiyeh See – je nach Sprache auch „Urmia“ oder „Urmai“ genannt – ist mit 5500 Km2 etwa 10x grösser als der Bodensee. Im Durchschnitt ist er nur etwa 8m tief, an der tiefsten Stelle 15m. Im Winter 2018/19 haben ausgiebige Niederschläge den Wasserspiegel um 1,2m ansteigen lassen. Dennoch ist der See vom Austrocknen bedroht, da die Wasser der Zuflüsse zur Wasserentnahme abgezweigt werden. Das war nicht immer so. Vor der islamischen Revolution wurde um den See seit alten Zeiten hauptsächlich Weintrauben angebaut, die nicht bewässert werden mussten. Mit dem Verbot von Alkohol im Land schwand das Interesse am Weinanbau und viele Bauern wechselten zum Anbau von Früchten, deren Bäume Bewässerung verlangten.

Takht-e Soleyman

Nach Miandoab wird die Strasse schmaler, der Verkehr wird deutlich ruhiger und wir können die liebliche Landschaft mit bewässerten Gärten geniessen. Ab Shahindezh führt ins der Weg hinauf in die „Berge“ Diese erweisen sich allerdings eher wie eine hügelige Hochebene auf 2000 bis 2200 Höhenmetern. Hier oben wird immer noch Ackerbau betrieben und bringen Apfelplantagen ihren Ertrag. Erstaunlich, wenn wir bedenken, was wir in Europa auf 2000 Höhenmetern vorfinden.

Palastanlagen, ein Feuertempel und weitere Tempel um einen Quellsee bilden den Takht-e Soleyman, das „Thron Salomos“ genannte Heiligtum auf einer Höhe von 2200m, weit abgelegen von jeder Stadt. Nicht unbedingt die Überreste dieser archäologischen Städte, vielmehr deren Abgeschiedenheit und die damit verbundene Geschichte faszinieren.

Eine mächtige Mauer umgibt das Höhenheiligtum. Die Grabungen ergaben, dass Tacht-e Soleyman mit dem zoroastrischen Feuerheiligtum Atur Guschnasp identisch ist. In vorislamischer Zeit war der Zoroastrismus (Zarathustra) Hauptreligion in Persien. Die Persischen Könige des Partherreichs entboten dem Feuerheiligtum nach ihrer Krönung oder vor wichtigen Feldzügen ihre Ehre, indem sie zu Fuss zu diesem Heiligtum hochstiegen.

Die heiligen drei Könige

Die Zoroastrischen Priester verfügten über grossen Einfluss und grosse Macht im parthischen Reich. Sie konnten sogar Könige stürzen.
Forscher und Historiker nehmen an, dass die „Weisen aus dem Morgenland“, genauer die „Magier aus dem Morgenland“, welche dem Stern aus dem Morgenland bis nach Bethlehem, zum Geburtsort Jesu, gefolgt sind, hohe zoroastrische Priester aus dem Partherreich waren.

Polizei Kontrollen in Bijar

Auf einsamer Strecke fahren wir weiter nach Bijar. Im Park eingangs dieser Land-Stadt wollen wir nächtigen.
Wie so oft, sitzen iranische Familien auf einer Decke auf dem Rasen des Parks und trinken Tee. Wir werden zum Tee eingeladen und kommen in Kontakt mit einer kurdischen Familie. Die Kommunikation ist jedoch sehr schwierig und schliesslich nur mit Google-Übersetzer auf dem Smartphone möglich. Diese Stadt sei nicht gut zum Übernachten, wir sollten mit ihnen mitkommen. Doch neigt sich der Tag schon langsam und die Fahrt wäre mit unseren MAN viel zu weit gewesen. So bleiben wir also.

Nicht lange, da klopft es an die Türe: die „grüne“ Polizei steht mit Maschinenpistole draussen. Sie wollen wissen, woher und wohin, wollen auch unsere Pässe sehen – wir geben allerdings stets nur laminierte Passkopien ab. Schliesslich ist alles in Ordnung, welcome to Iran und gute Reise und Händeschütteln.

Nicht sehr lange, da klopft es erneut an unsere Türe. Zwei Zivilisten stehen draussen, entpuppen sich als Geheimpolizei. Zuerst ein bisschen Smalltalk, dann „ob wir verheiratet seien, bei welcher Grenze wir einreisten, wie Vater und Mutter hiessen, weshalb wir kein iranisches Nummernschild hätten, unsere Reiseroute, etc…“ Schliesslich wollen sie nebst unseren Pässen auch unser Visum sehen und meinen, es wäre abgelaufen! Ich zeige ihnen den Passus wo steht: „Nach Einreise 30 Tage gültig„. Wieder Händeschütteln, welcome to Iran und „gute Reise“.

Inzwischen ist es schon dunkel und es klopft wieder an die Türe. Diesmal ist es die Polizei mit der blauen Uniform. Ich muss aussteigen und mit dem Polizisten vor das Fahrzeug hinstehen. Jetzt haut’s mir aber den Nuggi raus und ich beklage mich bei dem Polizisten, dass die „Grünen“ und die „Geheimen“ schon hier gewesen seien und uns kontrolliert hätten. Wo ist denn da die Koordination – offenbar weiss die linke nicht, was die rechte Hand tut! Der Polizist hört sich das an, grüsst kurz, steigt in sein Fahrzeug und verschwindet wieder.

Die darauffolgende Nacht war nicht sehr erholsam, nicht nur wegen der vielen jugendlichen Rollerfahrer, die wie wild um unser Fahrzeug herumfahren, nein, die bohrende Frage raubt uns den Schlaf: Fahren wir wirklich mit abgelaufenem Visum durch den Iran? 

Mit einem Bein im Knast

Die Frage, „ist unser Visum abgelaufen oder nicht?“ treibt uns um. Den Visa-Text kann man tatsächlich verschieden auslegen. Wir lassen das Visum mit WhatsApp einem iranischen Freund zukommen. Er wiederum telefoniert umgehend mit der Zentrale in Teheran. Seine Antwort ist eindeutig: „Visa abgelaufen“ – wir sollen uns umgehend zur nächsten Polizeibehörde begeben, die Visa ausstellt!“
Die Fahrt nach Hamadan strahlt eine morgendliche Ruhe aus. Innerlich aber zittern wir. Ausgerechnet im Iran ohne gültiges Visum unterwegs? Stecken die uns jetzt in den Knast? Wir befürchten es und berichten unserem Freund deshalb per WhatsApp jeden Schritt, solange wir können, damit jemand weiss, wo wir sind.

Im Regierungsgebäude in Hamadan werden wir von einem Soldaten in ein Nebengebäude gebracht und hier hinunter in das Untergeschoss. Komisch? In einem grossen Raum haben zwei ältere Herren ihre Pulte aufgestellt. Diese bestätigen, dass unser Visum abgelaufen sei. Sie kritzeln etwas auf ein Papier und der Soldat bringt uns wieder hinaus, wobei er mich am Arm fest hält. Er organisiert für uns ein Taxi, das uns mitten durch die Altstadtgassen zu einem ummauerten und mit spitzen Eisenstäben bewehrten Gebäude bringt. Auch der Taxichauffeur führt mich am Arm, wie wenn man ihm eingebläut hätte, ja auf uns aufzupassen. Hier werden uns getrennt erst mal die Smartphones weggenommen und wir werden nach Waffen abgetastet. Niemand spricht englisch oder eine andere Sprache, die wir kennen. Das macht alles natürlich noch viel unheimlicher. Im ersten Geschoss heisst es erst warten. Wir müssen unsere Pässe abgeben und mit uns spricht ohnehin niemand sondern alle wenden sich an den Taxichauffeur mit dem polizeilichen Auftrag.
Irgendwann erhalten wir ein Formular zum Ausfüllen – es ist ein Visumsantrag. Wir fühlen uns etwas erleichtert und langsam bewegt sich der Prozess einem guten Ende zu. Der für die Ausstellung des Visums Verantwortliche spricht auch ein paar Brocken englisch. Die Bezahlung mit Kreditkarte übernimmt der Taxichauffeur, denn Barzahlung ist nicht möglich. Die Passkopien, die wir hätten mitbringen sollen, werden im Haus angefertigt und weil unsere Passfotos noch im anderswo geparkten MAN liegen, wird unkompliziert und kurzerhand ein Verlängerungsstempel auf die Original Visa gestempelt und ausgefüllt.
Vom Abstellen des MAN vor dem Regierungsgebäude in Hamadan bis zur Rückkehr mit gültigem, verlängertem Visum sind nicht mehr als 2,5 Stunden vergangen.  Unsere Angst war völlig vergeblich und der Ausgang mit Erfolg gekrönt: Immerhin wurde unser Visum um 50 Tage verlängert!

Wie wäre diese Sache wohl ausgegangen, wenn wir als Ausländer in der Schweiz mit abgelaufenem Visum erwischt worden wären? Unserem helfenden Freund und den Iranischen Behörden von Teheran und Hamadan sprechen wir nochmals unseren  herzlichen Dank aus. So viel Freundlichkeit, Korrektheit und Grosszügigkeit!

Hamadan

Diese aufgeräumte Stadt liegt auf etwa 1800m Höhe, am Fusse des Almand Massivs (3500m). Hamadan wurde von den Medern gegründet und hiess damals Hagmatana bzw. auf Griechisch Ekbatana.

Baba Taher

Wir besuchen zuerst das Grabmal des mystischen Dichters Baba Taher, der hier verehrt wird. Geboren um das Jahr 1000 war er wahrscheinlich ein Zeitgenosse anderer mystischer Dichter, wie zB. Celaleddin Rumi  in Konya. Er war ein dem Diesseitigen so stark abgewandter Derwisch, dass er den Beinamen „Uryan“, „der Nackte“ erhielt. Überlebt haben seine vierzeiligen Gedichte, welche noch heute vorgetragen werden.

Ibn Sina 
Genialer Arzt – Wissenschaftler – Philosoph – Dichter

Unterhalb des markanten Grabturms aus dem Jahr 1952 befindet sich die Grabkammer und ein kleines Museum. Die heute unfassbare Fülle seiner Talente kommt in seinem Ehrentitel zum Ausdruck: Sheikh ar-ra’is – Arzt aller Ärzte oder der Vorzüglichste aller Vorzüglichen.

Meydan-e Imam Khomeini

Auf dem zentralen Hauptplatz machen wir Mittagsrast und in der unscheinbaren Gaststätte „Shamshiri“ gönnen wir uns ein Kebab, der ausgezeichnet schmeckt, aber mit 1 Mio Rial nicht ganz billig ist.

Grab der Königin Esther

Esther bedeutet in Farsi „Stern“. Sie war jüdischer Abstammung und die Gattin des persischen Königs Xerxes I, unter welchem sich das persische Reich zur grössten Blüte entfaltete (Siehe auch weiter unten). Ein Teil Ihrer Geschichte ist im Buch Esther des Alten Testaments festgehalten. Hamadan war die Frühlingsresidenz der persischen Könige, während die Sommerresidenz in der Burg Susa in der mesopotamischen Ebene lag. Die Königin Esther förderte in Hamadan die Ansiedlung von Juden und ihnen ist es zu verdanken, dass ihr Grab noch heute erhalten ist und besucht werden kann. Es ist aus unserer Sicht das würdevollste Grab, das wir besichtigt haben und die um Esther rankende Geschichte wurde für uns lebendig. Im Grabraum sind zwei Sarkophage aufgestellt, links der Sarkophag der Königin Ester, rechts derjenige Ihres Pflegevaters Mordechai, der ein hoher königlicher Beamter war.

Gandnjameh

Gandnjameh liegt in einem Gebirgstal, unweit von Hamadan. Das Naherholungsziel von Hamadan bietet einen Wasserfall, der auch jetzt, im Herbst, noch Wasser führt. Nicht nur deswegen sind wir hier hochgefahren. Nein, uns interessieren die Felsinschriften von Darius I und seinem Thronfolger Xerxes I, der mit der Königin Esther verheiratet war. Nun, wir erwarten eigentlich nicht viel als eben nur eine Felsinschrift. Doch da die Inschrift übersetzt wurde, zieht sie uns in ihren Bann.
Die Inschriften, links diejenige von Darius, rechts diejenige von Xerxes, sind mit Stammbaum versehen und in Babylonisch, Altpersisch und Elamisch  eingemeisselt. Sie sind weit über 2000 Jahre alt und vorzüglich erhalten. Unglaublich.

Rasten und Tanken

Rasten

Im Iran gibt es so gut wie keine Campingplätze. Wo aber kann man dann übernachten? Die meisten grösseren Städte verfügen über Parks an welchen man übernachten darf. Wenn man Glück hat, befindet sich der Parkplatz im Park drin und ist dann in der Regel angenehmer. Hat man Pech, kann man dem Park entlang am Strassenrand stehen und die Autos fahren Tag und Nacht an einem vorüber. In öffentlichen Parks muss man mit Polizeikontrollen rechnen, oft auch mitten in der Nacht. Auch Parkplätze von Sehenswürdigkeiten, Hotels etc. kommen für die Übernachtung in Frage. Manchmal bietet sich auch die Möglichkeit, in freier Natur zu nächtigen. Von Nebenstrassen biegt man auf eine Piste oder in einen Feldweg ab, sofern es solche in der Region überhaupt gibt. Alles in Allem ist die Übernachtungsfrage nicht ganz so einfach, wie dies oft erzählt wird. Wer wissen will, wo wir überall übernachtet haben, der konsultiere unsere „Reiseroute“ oder unsere Einträge bei „iOverlander“.

Tanken

Für das Tanken von Diesel würde man im Iran eine „Dieselkarte“ benötigen. Die ist jedoch für Touristen nicht erhältlich. Wie tankt man also Diesel?
Im Vorfeld der Reise durch den Iran hörten wir Stimmen, dass man nur noch 50 Liter pro Tankvorgang bekäme, dass man auf den Goodwill von iranischen LKW-Fahrern angewiesen sei und dass man „südlich von Yazd“ keinen Diesel mehr erhalten könne und schon gar nicht in der Verschiffungsstadt Bandar Abbas.

Unsere Taktik bestand darin, dass wir jeweils nach einem Verbrauch von mindestens 100 Litern wieder konsequent nachgetankt haben. Während 6 Wochen Iran-Aufenthalt standen wir 9x an der Zapfsäule und haben insgesamt gut 1000 Liter Diesel getankt. 7x 100 Liter und 2x konnten wir den Tank ganz füllen (je ca. 160 Liter). Ein drittes Mal hat man uns 200 bis 300 Liter Diesel angeboten – wir haben aber nur 100 Liter benötigt und das war nur 100 Km von Bandar Abbas entfernt. Südlich von Kerman haben wir ohne Umstände 2x tanken können. Von den 9 aufgesuchten Tankstellen verfügte nur eine nicht über eine Dieselkarte, der Tankwart organisierte uns jedoch einen LKW, auf dessen Tankkarte wir tanken konnten.

Darius Relief Bisotun

Von Hamadan fahren wir auf der alten Königsstrasse, die von Babylon nach Ekbatana führte über Bisotun nach Kermanshah. Dieser alte Königsweg führte in Bisotun am Fusse einer mächtigen Felswand vorbei, die im Altertum „Berg der Götter“ genannt wurde. An dieser Felswand befindet sich ein grosses Relief von König Darius I. Darius liess dieses Relief errichten, nach dem er den Kambyses von Gaumata, und weitere Könige in 19 Schlachten geschlagen hatte. Die Schlacht gegen den Meder-König soll in Bisotun stattgefunden haben.

Das Relief ist etwa 5.5m breit und 3m hoch. Die Geschehnisse aus Sicht des Darius sind in drei Sprachen in den Fels gemeisselt, nämlich in Babylonisch, Elamisch und Altpersisch. Friedrich Georg Grotefend, einem Deutscher Schullehrer, gelang es 1802 Teile der altpersischen Inschrift zu entziffern. Diese Vorarbeit erlaubte es sodann dem britischen Konsul, Sir Henry Rawlinson, die babylonische Keilschrift zu entziffern, was für die Erforschung der Keilschrift einen Durchbruch bedeutete.

Darius I. war jener König, der den Juden nach deren Exil in Babylonien die Fertigstellung des zweiten Tempels ermöglichte und sie darin auch finanziell unterstützte. Während seiner Regierungszeit konnte der zweite Tempel in Jerusalem eingeweiht werden.

Kermanshah

Wir schon in Hamadan, reisen wir gegenwärtig im Gebiet der iranischen Kurden.
In Kermanshah stehen wir auf dem Parkplatz des Shahed Parks. Die Sekretärin des nebenan liegenden Instituts kommt strammen Schrittes auf mich zu und bitte mich freundlich, mit unserem MAN noch etwas vorzufahren, damit niemand über unser Fahrzeug und deren Zaun klettern kann. Ich spüre eine starke, selbstbewusste Persönlich, trotz dunkler, islamischer Kleidung und Kopftuch. Das freut mich. Später schenkt sie uns ein Buch über die Provinz und eine Schachtel Süchtigmacher: mehliges aber unheimlich gut schmeckendes Gebäck. Wir revanchieren uns mit einer Schockolade aus der Schweiz.

Noch mehr Reliefs

Im Park „Taq-e Bostan“ sind weitere Reliefs zu sehen. Wie schon in Bisotun liegen diese an einer Felswand mit Quellteich. Das Quellwasser entspringt direkt am Fuss der Felswand.
Das amweitesten rechts gelegene Relief zeigt die Amtseinführung des Sasanidischen Königs Ardeshir II. (379-383), über den es eigentlich nichts bedeutendes zu berichten gibt.
In der Grotte daneben befindet sich das Relief der Könige Shahpur II. und Shahpur III.
Die wichtigste Grotte ganz links zeigt die Investitur Khosrovs II., der letzte bedeutende Sasanidische Herrscher des Persischen Reichs. Nun, wir bewundern die alten Fels-Bildhauereien, doch für uns sind es momentan genügend Könige und wir wenden uns anderen Dingen zu.

Und noch eine Einladung

Die kurdische Familie, die wir im Park von Bijar kennen gelernt haben, drängt uns per WhatsApp, sie zu besuchen. Obschon wir eigentlich müde sind, sagen wir zu. Wir treffen uns an einer Kreuzung. Zuerst werden wir zu einem Spaziergang im städtischen Park eingeladen. Anschliessend gehts zum Essen zu ihnen nach Hause. Was auffällt: Kurden benötigen keine grosse Aussteuer. Gross ist nur das Wohnzimmer. Gelebt und geschlafen wird hauptsächlich auf dem Boden. Jetzt verstehen wir, weshalb die geknüpften Teppiche so wichtig sind.
Vor dem Abendessen „melden sich die Männer ab“ und stehen in eine Ecke des Wohnzimmers zum Gebet, ganz entspannt. Das Nachtessen wird auf dem Boden serviert. Wir erhalten ein Salon Tischchen zugeteilt. Das Essen ist wiederum sehr schmackhaft. Wir geniessen es. Damit wir uns unterhalten können, wurde ein Englischsprechender kurzerhand ebenfalls zum Nachtessen eingeladen. Er erklärt uns alles. Nach dem Nachtessen tauchen immer mehr Familienmitglieder auf. Jetzt kommen auch noch die Schwiegersöhne zu Besuch. Wir sind das Objekt der Begierde. Uns wollen sie sehen. Am nächsten Morgen müssen wir auch noch das Frühstück einnehmen. Nur noch ein Mann, ein Schwiegersohn ist anwesend, zusammen mit den Frauen, die es vorbereiten. Wir sollen noch bleiben, noch Ausflüge mit der Familie zusammen machen. Herzensgute Menschen, diese Kurden und alle Iraner (bis auf einige Wenige). Nur im Strassenverkehr, da gibt es keine bzw. selten Gastfreundschaft – aber davon weiter unten mehr.

Mesopotamien

Ein Ausläufer der mesopotamischen Tiefebene gehört zum Staatsgebiet des Iran. Dank genügend Wasser aus dem angrenzenden Zagros Gebirge und einem Bewässerungssystem ist die Ebene sehr fruchtbar.

Doch zuerst müssen wir viele Km durch das Zagros Gebirge fahren um dorthin zu gelangen. Endlich haben wir das unerträgliche Verkehrsaufkommen hinter uns gelassen. Kaum vorstellbare Kolonnen von Personenwagen befanden sich auf der Ost – West Route zum Grab des Imam Hussein in Kerbela, Irak. Unglücklicherweise waren wir gerade zu den 40-tägigen Trauerfeierlichkeiten um Imam Hussein unterwegs, was uns über viele Kilometer einen nervösen, dichten Personenwagen Verkehr und manche unruhige Nacht beschert hat.

Jetzt finden wir wieder mehr Musse und Ruhe und freuen uns an der Fahrt durchs Gebirge. Wir finden auch wieder einmal einen ruhigen Übernachtungsplatz in der Natur – wie gut das tut. Die alte Karawanserei und die alte Brücke von Mahi Dasht liegen ebenfalls am Weg, wie auch einsame Gebirgstäler in zum Teil skurriler Gebirgswelt.

Shush

Rechtzeitig vor Sonnenuntergang erreichen wir unser Ziel: Shush der Ort mit zwei legendären Sehenswürdigkeite, dem Palast von SUSA und dem Grab des Propheten Daniel.

Da wir bei der Burg Susa nicht übernachten können, lotst uns einer der Susa Wächter durch die schmale Innenstadt zu einem bewachten Parkplatz direkt neben Daniels Grab. Um uns herum kleine Einkaufsläden und wir hinter einem Drahtzaun. Wir staunen immer wieder, wo überall wir mit unserem MAN durchkommen, auch wenn es oft unmöglich erscheint. Hier erleben wir eine der heissesten Nächte unserer Reise, da die umliegenden Häuser die Wärme gespeichert haben und zudem kaum ein kühlendes Lüftchen zu uns durchkommen lassen.

Daniels Grab

Ob der Prophet Daniel wirklich genau hier begraben ist scheint uns unwichtig, aber das Grab ist zumindest ein Indiz,  dass er eine historische Persönlichkeit gewesen ist. Ihm haben wir das Buch Daniel im Alten Testament zu verdanken, das übrigens spannend zu lesen ist. Daniel war aus jüdischem Geschlecht und gehörte zu den von Nebukadnezar ins Babylonische Exil verfrachteten Juden. Er lebte somit vor etwa 2500 bis 2600 Jahren. Durch seine Weisheit und Treue gelangte er zu Ansehen, zuerst bei den Babylonischen Königen, danach auch noch bei Kyros I, dem  Persischen König, der bei den Iranern so verehrt wird.

Moslems verehren den Propheten Daniel ebenfalls. Wenn sie nach Kerbela zum Grab des Imam Hussein pilgern, ist auch Daniels Grab eine ihrer Stationen.

Die Kuppel über der Grabstätte ist verspiegelt, deshalb diese unwirkliche Lichtstimmung.

Burg Susa

Die Burg Susa liegt etwa 500m entfern von Daniels Grab. Daniel lebte teilweise in der Burg Susa. Auch die Königin Esther, von der in Hamadan schon die Rede war, residierte mit ihrem Gemahl Xerxes hier. Die Könige zogen je nach Jahreszeit in eine andere Burg. Susa zum Beispiel war die Winterresidenz.

In dem riesigen Ausgrabungsgelände sind meist nur noch die Grundstrukturen der Anlage vorhanden. Es braucht also schon viel Vorstellungskraft, um daraus eine „Burg“ entstehen zu lassen. Sie muss aber monumentale Ausmasse gehabt haben, wie zum Beispiel der Palast des Darius mit 100 Säulen beweist. Auch die kunstvollen Verzierungen erstaunen immer wieder. Es ist drückend feucht-heiss. Einer der Aufseher hängt sich uns an die Fersen. Eigentlich würden wir die Anlage gerne alleine erkunden. Doch daraus wird leider nichts.

Turm zu Babel

Natürlich befinden wir uns nicht in Babel. Doch in Chogha Zanbil steht die besterhaltene Ziggurat, ein Stufentempel, wie der „Turm zu Babel“. Erbaut wurde er (und die Stadt darum herum) durch den Elamitischen König Untasch-Napirischa ungefähr um 1250 v.Chr. Seine ursprüngliche Höhe betrug wahrscheinlich etwa 50m – heute sind es noch etwa 25m. Seine Basis beträgt gut 100x100m.

Shushtar

Auf dem Weg nach Shushtar fahren wir über viele Kilometer durch die Pflanzungen der hiesigen Zuckerrohr Plantage. Die Menschen hier, in dieser Region, sind aufdringlicher als im übrigen Iran, wir schliessen daraus, dass es sich um einen etwas anderen Menschenschlag handeln muss. So auch in Shushtar, wo wir uns belagert fühlen. Dennoch wollen wir die alten Wassermühlen sehen. Das Wasser wird dem Karun Fluss entnommen und unterirdisch abgeleitet. Mit der enormen Wasserkraft wurden die tiefer gelegenen Wassermühlen betrieben. Noch heute kann man sehen, mit welcher Kraft das Wasser am Ende in ein grosses Becken herausschiess. Obschon ein Teil der Anlage wegen Einsturzgefahr geschlossen ist, müssen wir den vollen Eintrittspreis berappen.

Auch alte Brücken gehören zum Kulturgut von Shushtar, wie etwa die Band-e Kaisar, die Keiser-Brücke. Sie war eine Mischung aus Damm und Brücke. Mit ihr konnte der Wasserspiegel des Karun angehoben und in die Bewässerungslanäle abgeleitet werden. Damit wurden schon 600 n.Chr. Zuckerrorfelder bewässert.

Durch das Zagros Gebirge

Die zweitägige Fahrt von der mesopotamischen Tiefebene durch das Zagrosgebirge ist anspruchsvoll. Es geht hoch hinauf und tief hinunter, um bald darauf erneut anzusteigen.

Der Herbst ist eingezogen!

Persepolis

Eine der grossartigsten historischen Stätten des Iran sind die Ruinen von Persepolis, etwa 60 Km nordöstlich von Shiraz. Persepolis (Griechisch) bzw. Parsa (Persisch) war Residenzstadt im Alt-Persischen Reich. Darius der Grosse, Schwiegervater der biblischen Königin Esther, liess diese Palastanlage nach 515 v.Chr. erbauen. Es handelt sich um den gleichen König Darius, von dem wir bereits in Hamadan und Bisotun gehört haben. Der Darius, der dafür sorgte, dass der israelische Tempel in Jerusalem endlich fertig gebaut und eingeweiht werden konnte. Uns faszinieren diese geschichtlichen Zusammenhänge, sie verleihen toten Ruinen ein gewisses Leben.

Viele Iraner sind stolz auf ihr geschichtliches Vermächtnis, sie sind stolz auf die Könige ihres altpersischen Reichs und wissen auch oft erstaunlich viel Bescheid über ihre Geschichte. Deshalb äussern viele auch ihr Bedauern darüber, dass islamische Kreise versuchen, alle vorislamische Geschichte auszulöschen. Doch ist gerade die vorislamische Geschichte ein wichtiger Grund für das völkische Selbstverständnis der Iraner.

Persepolis ist grossartig. Im Besonderen sind es auch die feinen und häufigen Verzierungen an Säulen, Toren und Treppenaufgängen.

Naqsh-e Rostam

Lasst uns ein letztes Mal „unserem“ König Darius folgen, nämlich zu seinem Grab. In der Totenstadt von Naqsh-e Rostam. Nur das Grab des Darius I dem Grossen kann identifiziert werden, da es mit seinem Namen und Stammbaum versehen ist.

Die übrigen Gräber werden dem Sohn des Darius, Xerxes, dem Gatten der Königin Esther und Artaxerxes II zugeschrieben. Die Felsreliefs an der gleichen Felswand stammen aus einer viel späteren Epoche und werden auf etwa 600 n.Chr. datiert.

Shiraz

Der Name Shiraz ist vielen Weinliebhabern bekannt. Diese Traubensorte trägt den Namen dieser Stadt und wurde hier um Shiraz vor der Islamischen Revolution auch intensiv angebaut.

Obschon wir der vielen „Sehenswürdigkeiten“ langsam müde werden – wir sind eigentlich mehr die Naturliebhaber – wollen wir Shiraz noch „mitnehmen. Wir merken aber bald, dass diese Stadt viel touristischer ist als die zuvor besuchten Städte, da das Preisniveau für Parkplätze, Taxis, Eintritte etc. wesentlich höher ist. Mussten wir – wenn überhaupt – in anderen Städten vielleicht 150’000 Rial für mehrere Tage Parkplatz in einem Park bezahlen, sind es hier schon 700’000 Rial für nur eine Nacht. Das sind zwar auch nur 5.5 Euro, aber gemessen am allgemeinen Preisniveau ist es doch viel Geld. Noch besser wird’s im Hinterhof des Touristenhotels ITTC, wo pro Nacht 2 Mio Rial = 16 Euro anfallen.

Zitadelle

Unsere Besichtigungstour starten wir bei der Zitadelle, wo wir auch die Büste des Eroberers Karim Khan Zand finden. Ihm hat die Stadt viele schöne Bauwerke zu verdanken, obschon seine Dynastie nur von 1750 bis 1794 dauerte.

Pars Museum

Das Parsmuseum ist ein von Karim Khan Zand gebauter achteckiger Gartenpalast, in dem er seinerzeit beigesetz, jedoch von einem späteren Herrscher wieder ausgesiedelt worden war. Sehenswert ist nicht nur der Garten, sondern auch die Kacheln mit Gartenmotiven und natürlich die Innenraumgestaltung.

Shiraz trägt ja auch den Beinahmen „Gartenstadt“, was ziemlich zutreffend ist. Unser Shiraz Besuch fällt allerdings in das Ende der Blütezeit, was etwas schade ist und Grund für einen erneuten Besuch wäre.

Vakil Moschee

Sie wurde 1772 errichtet und gleicht einer Arabischen Hofmoschee, entspricht also nicht den sonst im Iran üblichen Moscheen. Der Innenhof ist riesig und gegenüber dem Eingang zum mit massiven Säulen ausgestatteten Gebetsraum befindet sich eine „Iwan“ genannte Innenkuppel.

Vakil Bazar

Neben der Vakil Moschee verläuft die Hauptgasse des Vakil Bazaar, die uns zur ebenfalls von Karim Kahn Zand erbauten Koranschule und weiter zum Gartenpalast Baq-e Narestenjan führt.

Baq-e Narenjestan

Hinter einer unscheinbaren Mauer aus Ziegelsteinen liegt der faszinirende Gartenpalast der Familie Qavam ol-Molk. Besichtigt werden kann nur der „Buruni“, der Teil des Palastes, der früher zum Empfang von Gästen diente. Er gehört heute zur Kunstabteilung der Universität. Sowohl Garten und Palast sind sehr schön. Der Palast im Zusammenhang mit der verspiegelten Decke faszinierend. Doch eine Horde von Schülerinnen belagert uns zusehends. Nichts von weiblicher Zurückhaltung; sie sind versessen darauf, dass wir sie in immer neuen Zusammensetzungen filmen und fotografieren. „Wehe, wenn sie losgelassen….“ am Ende sind wir froh, als die Lehrerinnen die Mädchen zum Aufbruch auffordern.

Masdjed-e Nasir ol Molk

Die von der Qavam ol-Molk Familie gestiftete ol-Molk Moschee trägt auch die Bezeichnung „Pink Mosque“ auf Grund ihrer rosaroten Kachel-Ornamente. Wir besuchen sie am frühen Morgen, da dann das Licht schön in den Gebetssaal mit seinen farbenen Glasscheiben einfällt. Da haben wir die Rechnung aber ohne die Touristenbusse gemacht ….

Baq-e Eram

Einen der bekannten Gärten wollen wir noch sehen, den botanischen Garten. Der Eintrittspreis ist mit 500’000 Rial sehr hoch und scheint uns persönlich nicht gerechtfertigt, denn wir haben schon manchen sehenswerteren botanischen Garten gesehen. Etwas salopp ausgedrückt hätten wir wegen der paar Bäume nicht herkommen müssen. Wahrscheinlich sind wir einfach ärgerlich, weil der Preis absolut nicht gerechtfertigt ist. Auch die Cafeteria mit ihrem unfreundlichen Service und dem minimalen Angebot entpuppt sich als ein Flopp. Der Wassergarten ist trocken und die Rosen bereits grösstenteils verblüht. Versuchen fotografisch das Maximum heraus zu holen, ziehen aber dennoch enttäuscht ab.

Camps in Shiraz

Zuerst stehen wir einige Tage auf dem engen Parkplatz des Azadi Parks. Damit wir einfahren können muss das Parkhäuschen zur Seite geschoben werden. Der Parkplatz liegt direkt neben einem Kindervergnügungspark und irgendwann sind wir es müde, die immer gleichen Kinderlieder nach Disney-Stil anhören zu müssen, wir wechseln deshalb zum ruhigen und sicheren Hinterhof des Hotels ITTIC und nutzen die dortige (teuer bezahlte) Ruhe um endlich wieder mal alle unsere Kleider zu waschen, bevor wir zur nächsten Etappe aufbrechen.

Fahrt in die Wüste Lut

Nach den vielen ermüdenden Besichtigungen sehnen wir uns danach, endlich wieder einmal in der Natur zu sein. Die 700 Km über Sirjan, wo wir beim Spital übernachten dürfen, über Kerman nach Shahdad schaffen wir gut in zwei Tagen. Noch nie zuvor im Iran hatten wir Strassen in so gutem Zustand wie auf dieser Strecke. Die Strasse steigt mehrfach auf Höhen um 2600m, manchmal ohne dass man es merken würde – nur das Navigationsgerät gibt Auskunft.

Kaluts

Die Kaluts sind verwitterte Formationen aus gepresstem Lehm. Sie liegen ab etwa 50 Km nach Shahdad am westlichen Rande der Lut-Wüste. Zuerst wollen wir eine einsame Strecke durch die Kaluts befahren, müssen jedoch wieder umdrehen, da wir auf eine nicht ganz trockene Salzpfanne stossen. Etwa fünfzig bis 60 Kilometer weiter in nordöstlicher Richtung finden wir denn eine Einfahrt in die Kaluts. Offiziell darf man hier nur maximal 2 Km hineinfahren, da das Gebiet unter UNESCO-Schutz steht. Doch führen die Fahrspuren viel tiefer hinein, was natürlich lockt. Wir verbringen mehrere Nächte in den Kaluts. Tagsüber ist es äusserst ruhig und einsam, zu unserem Leidwesen lieben es jedoch die Iraner, einem in der Nacht die Stimmung mit dauerndem herumfahren mit vollen Scheinwerfern zu verderben.

Wir sind auch hergekommen, um endlich wieder einmal einen Sternenzeitraffer aufzunehmen. Doch leider zeigt sich die Milchstrasse leider nicht von ihrer schönsten Seite und zudem liegt immer noch viel Staub in der Luft. Dennoch gelingen zwei Zeitraffer.

Die Tage in den Kaluts geniessen wir in vollen Zügen. Wie tut es gut – wenigstens tagsüber – wieder einmal alleine zu sein inmitten dieses gewaltigen Naturraums. Hier würden wir es noch länger aushalten, würden gerne weitere Kalut-Täler auskundschaften, doch beabsichtigen wir noch vor Mitte November aus dem Iran auszureisen, denn unser eigentliches Ziel liegt ja in Afrika.

Auf den Strassen des Iran

Verkehr

Das Fahren über Land ist in der Regel ohne Besonderheiten, mit Ausnahme der Tatsache, dass jederzeit ein rechts am Fahrbahnrand parkiertes Fahrzeug losfahren und langsam in flachem Winkel auf die Fahrbahn einschwenkt und so auch ein einfacher Personenwagen einen LKW abdrängen kann. Andererseits kann auch ein gerade links überholendes Fahrzeug kurz vor dir abbremsen und rechts am Strassenrand anhalten. Keine Seltenheit. Werden wir von einem Personenwagen überholt, sind wir meistens froh, einen Frontlenker zu haben, da er dermassen knapp vor uns wieder einbiegt, dass wir schon mal die Füsse einziehen. Auch aus kleinen Nebenstrassen heraus wird der hier allseits geltende Rechtsvortritt in Anspruch genommen. Leider zeigen die vielen Personenwagenfahrer nur wenig Respekt gegenüber LKWs – also Vorsicht. Nicht selten kommt es vor, dass ein Fahrzeug uns auf unserer korrekten Spur entgegenkommt. Ist aber nicht weiter schlimm, er findet immer irgendwie einen Weg an uns vorüber, solange wir ausweichen. Im Stadtverkehr können dann zwei Spuren von drei, drei Spuren von fünf Fahrzeugkolonnen genutzt werden. Da wird’s ein bisschen eng natürlich, aber wir haben’s ja im Griff. Oft fehlen nur wenige Zentimeter von unserer Stossstange zum seitlichen Personenwagen…. Obschon die Fussgänger im Stadtverkehr gar nicht berücksichtigt werden, erlauben sie es sich, irgendwie noch zwischen den dicht an dicht fahrenden Fahrzeugkollonnen durchzuwischen.
Das Befahren der Kreisel ist besonders lustig. Hier gelten folgende Regeln: a) eindeutiger Rechtsvortritt, also die von rechts Einfahrenden haben Vortritt, b) der (Reaktions-) Schnellere hat vor dem langsameren Vortritt c) der Grössere hat vor dem Schwächeren Vortritt…. Es ist gar keine Ausnahme, dass wir den Blinker stellen, da vorne rechts abbiegen wollen und einer überholt uns rechts, um vor uns links abzubiegen – oder er überholt uns im Kreisel auf der Innenseite, obschon er eigentlich über die nächste Ausfahrt rechts ausfahren will. Wie schon gesagt, ist das alles lustig und mit der Zeit freut man sich am Verkehr, denn hier dürfen nun endlich auch wir Dinge tun, die in der westlichen Welt nicht erlaubt sind und streng geahndet würden. Also Leute, kommt in den Iran und freut euch am Strassenverkehr! N.B. Ich wollte immer mal aus Spass einen Kreisel links herum anfahren, habe es aber nicht geschafft, muss ich auf das nächste Mal verschieben.

Es lebe der „U-Turn“

Die Verkehrsführung ist im Iran – auch schon teilweise in der Türkei – genial. Natürlich nicht immer. Hier herrscht nämlich die U-Turn-Mentalität. Kreuzungen nach europäischem Verständnis sind eher selten. Viele Strassen sind in jede Richtung zwei- oder mehrspurig, abgetrennt mit hohen Inseln. Ich biege nun in eine solche Strasse ein, meine Fahrtrichtung geht links weiter. Das kann ich aber nicht, denn da ist weder Rotlicht, noch ein Durchgang. Ich bin also gezwungen nach rechts in die für mich falsche Richtung einzubiegen und mir dann eine Stelle suchen, wo ich wenden kann. Dies kann an einer Ampel sein, wo ich «U-Turne», meistens aber ist es ein Durchlass in den Richtungstrennenden Inseln. Wenn gut gebaut, ist die Insel an dieser Stelle so verbreitert, dass mein Heck nicht mehr hinten auf die Fahrbahn hinausragt, so oder so, muss ich nun beim U-Turn-Vorgang dem entgegenkommenden Verkehr klar und deutlich verständlich machen, dass ich da rein will. Das heisst, ich drücke mich bei der nächsten nur schon kleinen Lücke in den entgegenkommenden Verkehr hinein, die Fahrzeuge der Überholspur halten nun hoffentlich an. Nun muss ich noch die andere Spur vor meinem Vorhaben überzeugen und wenn geschafft, kann ich endlich in meine gewünschte Richtung weiterfahren.

LKW Verbot

Eigentlich ist in den meisten Städten LKW Verbot. Wir ignorieren diese meistens, denn wir sind ja nicht «Commercial», ja und wir haben auch nicht die Ortskenntnis um zu wissen, wo in der Stadt man denn als LKW überhaupt durchfahren darf. Eine LKW Route ist nur ganz selten ausgeschildert. Ja und schliesslich müssen wir auch zu einem Park fahren können, um dort zu übernachten oder zu einem Supermarkt um einzukaufen. Wer nun denkt, wir hätten deshalb bestimmt verschiedene Bussen in unser Budget einrechnen müssen, irrt. Wir sind von der Polizei nicht einmal am Befahren des LKW Verbots gehindert worden. 

Polizei Kontrolle in Kerman

In Kerman stehen wir am Bahonar Forest Park. Einer der schöneren und ruhigeren Stadt-Standplätze im Iran. Irgendwie ist es zu idyllisch, um hier ungestört stehen zu können. Abends um 20 Uhr, es ist schon dunkel, klopft es an die Türe. Die Polizei steht draussen und will die Ausweise sehen. Sie bitten uns, etwas weiter vor zu fahren, dahin, wo die ganze Nacht über eine Lampe Licht gibt. Da sei es sicherer. Wir folgen der Bitte und parken etwas weiter vorne, gehen nun davon aus, dass wir hier ruhig schlafen können.

Um Morgens um 1 Uhr, also tief in der Nacht und mitten im Tiefschlaf klopft es heftig an die Türe. Ich hatte mir für einen solchen Fall vorgenommen, inskünftig im Pyjama die Türe zu öffnen. Der Polizist springt gleich etwas zur Seite und bedeutet mir, ich müsse heraus kommen. Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich zuerst etwas anziehen müsse, was nicht lange dauert. Als ich angezogen bin, die Türe öffne und hinuntersteigen will, fährt er gerade davon. Na schön, was war denn daaas wieder?

Auf dem Weg nach Bandar Abbas

Grab des Nureddin Nematollah

Nureddin Nematollah war ein Sufimeister, der in Mahab, 40 Km ausserhalb von Kerman verehrt wird. Noch heute vereinigt er die meisten Sufi-Anhänger des Iran in seinem Orden. Sufis sind mystische Moslems, die sich der Einfachheit verschrieben haben. Wir besuchen sein Grab stellvertretend für die unendlich vielen islamischen Heiligen-Schreine im Iran, die wir nicht besucht haben. Die gesamte Grabanlage ist sehr gepflegt und architektonisch ansprechend angelegt. Dennoch, uns zieht es weiter.

Rayen

Rayen liegt auf etwa 2200m Höhe und liegt an unserer Route nach Bandar Abbas. Auf dem Friedhofparkplatz, gleich neben der Zitadelle aus Lehm, verbringen wir eine ruhige Nacht. Noch zwei Tage fahrt und wir treffen mit beinahe vollem Tank in Bandar Abbas ein. 100 Km vor Bandar Abbas konnten wir – trotzt aller Unkenrufe – problemlos nochmals volltanken.

Bilder an der Wand

Viele Ortschaften ehren ihre Märtyrer / Helden mit grossen Bildern, wie hier am Friedhof von Rayen. Was diese auch immer getan haben, damit sie zu dieser Ehre kamen wissen wir nicht. Wir gehen aber davon aus, dass deren Familien sie lieber lebend in ihren Reihen hätten als an die Wand gemalt.

Die Reise geht weiter

Von Rayen steigt die Strasse sukzessive auf über 2900m an. Auch auf 2900m leben noch Menschen, allerdings in grosser Einfachheit, um nicht zu sagen Armut. Immerhin ist die Erde auch auf dieser Höhe noch fruchtbar. Doch müssen die Winter hart sein. Der Herbst ist eingekehrt und laut Wetterbericht haben wir die letzten warmen Tage erwischt. Auf über 3000m Höhe liegt schon der erste Schnee. Das ermutigt uns in wärmere Regionen umzusiedeln.

Bandar Abbas

Bis zur Verschiffung haben wir einige Tage Zeit. Bald treffen Alex und Sabine aus Bayern zu uns und zudem das Duo der Trail Punkz – alias Janina und Peter, die zusammen mit dem Amerika-Ungarn Stephen reisen.

Hier besorgen wir nochmals Wechselgeld für das Bezahlen der Fähre, kaufen ein letztes Mal ein und dürfen unsere Wassertanks bei Privatpersonen auftanken, da wir keine andere Möglichkeit finden. Ein weiteres Mal erleben wir die Hilfe und Freundlichkeit der Iraner, die wir so sehr schätzen gelernt haben.

Skulpturen am Strand

Haben die Iraner bewusst oder unbewusst diese Seil ziehenden Skulpturen an den Rand des Persischen Golfs gestellt? Wir wissen es nicht. Wir kennen die Absicht nicht. Uns scheinen die Skulpturen allerdings symbolisch für das seit vielen Jahren anhaltende Seilziehen mit anderen Nationen. Wir würden uns freuen, wenn dieses Seilziehen innerhalb der Völkergemeinschaft ein Ende finden und Frieden einkehren könnte. Wir würden gerne wieder kommen, nächstes Mal vielleicht sogar länger. So tragt bitte Sorge zu euch, liebe Iraner.

Verschiffung nach Sharjah

Der Sorouh Beach Park, an dem wir die letzten Tage gestanden sind, liegt nur etwa einen Kilometer weg von der staatlichen Verschiffungsgesellschaft Valfajr Shipping. Wir werden sofort bedient und erhalten unsere Tickets für Samstag, 9. November 2019 innerhalb etwa einer halben Stunde. Blosser Hacken: bezahlen können wir hier nicht, erst am Hafen. Man kann uns auch den Preis für die Verschiffung nicht nennen. Das wüsste auch nur Mr. X am Hafen.

Am Samstag sind wir zusammen mit Stephen rechtzeitig am Hafen. Dort erwartet uns unser „Fixer“ – also der, der alles für uns fixt. In der Tat können wir völlig entspannt sitzen und warten und am Ende ist der ganze Prozess völlig entspannt für uns drei abgeschlossen. Wir haben sogar Zeit, uns in der schönen Kantine im oberen Geschoss des Hafengebäudes zu verpflegen. Das Mittagessen ist sogar sehr gut.

Obschon alle unsere Papiere inzwischen vorhanden sind können wir die Verschiffung noch immer nicht bezahlen, da der ermächtigte Herr noch nicht anwesend ist. Erst kurz vor der Ausreise wird uns dann der Preis genannt und wir können teils in Iranischen Rial, teils in US-Dollare zahlen. Bei der „Ausreise“ aus dem Iran und vor der Besteigung des Schiffes  folgen wiederum lange und sinnlos erscheinende Wartezeiten. Dann müssen alle aufs Schiff und es gibt Nachtessen.  Ein komisches Gefühl, denn die Fahrzeuge stehen noch an Land.

Die haben nun die Verladung der Fahrzeuge so lange hinausgezögert, bis wir dann beim übelsten Gewitter, das man sich vorstellen kann, endlich rückwärts aufs Schiff fahren können, natürlich mit stark eingeschränkter Sicht! Die haben ja keine Ahnung von Fähren und dem Verladen von Fahrzeug, wenn wir da mit den Fähren nach Marokko und Griechenland denken, wo alles Ruck-Ruck-Zack-Zack gehen muss…. Für die Fähre von Ancona nach Igoumenitsa haben wir inklusive einer grosszügigen Aussenkabine gut 700 Euro für 10 Stunden Fahrt bezahlt. Die Fähre Bandar Abbas – Sharjah kostet über 1000 Euro für etwa 10 bis 12 Stunden Fahrt.

A pro pos Schiff: Die Fähre nach Bandar Abbas ist für uns kein Schiff, eher ein Schiffchen. Lächerlich. Dadurch natürlich auch keine Dienstleistungen an Bord. Das Beste ist dann noch, dass wir in diesen schmuddeligen Sesseln die ganze Nacht verbringen sollen. Es riecht unangenehm und modderig. In den Polstern tummeln sich Kakerlaken…. In einer günstigen Minute – alle sind mit dem Ablegen des Bootes beschäftigt – schleichen wir uns hinunter in unseren MAN und schlafen herrlich trotz Schaukelei in unseren eigenen Betten. Auch Stephen hat sich heimlich in sein Fahrzeug geschlichen. Entdeckt werden wir erst am nächsten Morgen, als nur zwei von vier Fahrern anwesend sind. Macht nichts, wir sind ja drüben.

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16 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Besten Dank! Ein toller Reisebericht! Das motiviert zum aufbrechen.
    ich wünsche weiterhin noch eine gute und sichere Reise:
    Gruss Rolf

    Antworten
  • hORs‘SANtiers
    28. Dezember 2019 4:17

    Super schöni Fotos – Freue mich uf de nächsti Länder – uf Kalifornische Küste haben wir Markus & Ruth Altherr mit ihren MB Autark – grau wie dein ex – hab gedacht es sei deine !!! Alles Gute zum neuen Jahr! Tschüssli

    Antworten
  • Erstmal herzlichen Dank, dass ihr so tolle Berichte schreibt. Ich muss gestehen ich bin etwas neidisch auf euch. Ich bin Iraner und lebe schon sehr lange in Deutschland. Aber es ist schon immer mein Traum einige Wochen mit dem Wohnmobil durch mein Ursprungsland zu reisen und die Geschichte meines Landes tiefer zu erleben. Ich bin erstaunt, wieviel ihr euch mit der Geschichte auseinander gesetzt habt. Gerne würde ich weitere Erfahrungswerte von euch (insbesondere die Anreise bis zur Grenze „Bazargan“).

    Antworten
  • Bösch Hermann
    27. Dezember 2019 23:22

    Super,
    vielen Dank für die wunderschönen Bilder und die guten Berichte.
    Gruss Hermann

    Antworten
  • pegasus-unterwegs.ch
    22. Dezember 2019 21:53

    Schön hast du das alles gemacht, gefällt mir sehr. Freue mich auf euren Bericht aus Saudiarabien. Wie ist es euch vor Afrika ergangen.
    Grüsse aus Patagonien
    Gabi&Peter

    Antworten
  • Herzlichen Dank für die wundervollen Berichte und Bilder.
    Wir wünschen Euch frohe Weihnachten und ein glückliches, erlebnisreiches Neues Jahr.
    Viele Grüße aus Heidelberg
    Horst & Sabine

    Antworten
  • Hello,
    i have recently joined your email list, i really like what you guys are doing. i hope that everything goes well for you.
    kind regards Kevin

    Antworten
  • Danke für diesen sehr sehr schönen Reisebericht. Liebe Grüße und weiter gute und sichere Reise.

    Antworten
  • Ulrich Faust
    2. Dezember 2019 15:02

    Es ist ein solcher Genuss euren Geschichten nachzuspüren, so herzlichen Dank das man ein Stück weit dabei sein darf. Großartig auch die vielen wirklich schönen Bilder und kurzen Video-Impressionen. Bei den Bildern gefällt mir besonders, dass du oft im Panorama-Format zuschneidest (oder fotografierst? Ich weiß es nicht) Auf jeden Fall ist es eine Augenweide! Freue mich schon jetzt auf die weiteren Ausführungen. (Witzig, dass ich euch schon „getroffen habe“ bei Peter Schoppe und Janina alias TrailPunks im Landrover unterwegs). Euch beiden alles erdenklich Gute!

    Antworten
  • erich und ursina krebs
    1. Dezember 2019 23:25

    Einfach märchenhaft! Herzlichen Dank dass wir die Reise miterleben dürfen!

    Antworten
  • Liebe vrenie, lieber erni – einfach nur eindrücklich und schön eure bilder kommentare und auch die video-clips bringen uns eurer reise näher. Der Iran muss wunderschön sein! Hoffentlich gehts auch weiterhin so weiter. Mutig seit ihr beide schon….
    Bei uns liegt der erste schnee bei ca null grad. Alles gute und ganz härzlich flurin und barbara

    Antworten
  • Herzlichen Dank ihr Beiden fürs Teilhaben und die inspirierenden Beschreibungen und Kommentare

    Antworten
  • Herzlichen Dank für ein sehr spannender und unterhaltsamer Bericht! Weiterhin gute Reise! Ich freue mich schon auf eure nächsten Abenteuer!
    Snowy greetings from Switzerland!

    Antworten
  • Christel & Harald
    29. November 2019 20:21

    Hallo ihr beiden Weltenbummler,

    aus dem sonnigen Spanien verfolgen wir eure Reise auf dem Tablet und freuen uns, daß ihr uns durch Schrift und Bild an euren Erlebnissen teilhaben lasst.

    Es tut gut zu hören, daß ihr von Land zu Land freundlichen Menschen begegnet, die mit offener Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft den Kontakt zu euch suchen, um ihr Interesse an fremden Kulturen zu zeigen.

    Genießt die Eindrücke von Land und Leuten. Bleibt gesund und munter und habt immer das Quäntchen Glück auf eurer Seite, daß man auf einer solchen Tour braucht.

    Sonnige Grüße aus z.Zt. La Marina

    Christel & Harald

    Antworten
  • Servus!
    War wie immer sehr informativ. Freut mich sehr, dass Ihr Euer Visum verlängern konntet.
    Weiterhin eine schöne Reise.
    Liebe Grüße Toni PETER

    Antworten

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