Im Konvoi nach Samarra
Wenige Kilometer vor der Jordanisch / Irakischen Grenze treffen wir auf die MANOCO-Reisegruppe. Da wir ohnehin mit dieser Gruppe zusammen im Konvoi durch den Irak fahren würden, schliessen wir uns der Gruppe für die Einreise in den Irak an.
Grenzübertritt
Die Ausreise aus Jordanine ist einfach und dauert mur eine halbe Stunde. Über die Einreise nach Irak hört man viele Horrorgeschichten. Nachdem wir bereits vom Iran in den Irak eingereist sind, wissen wir inetwa, was auf uns zukommt. An sich ist das Prozeder mit anderen Grenzen durchaus zu vergleichen. Anders hingegen ist, dass ein ausgestelltes und unterzeichnetes Papier in der Regel von weiteren Amtsstellen gestempelt oder unterzeichnet werden muss, was bedeutet, dass man dauernd über den Zollhof hin- und her gehen muss.
Um 11 Uhr erreichen wir die Irakische Grenze, um 17 Uhr ist das einreiseprocedere abgeschlossen, inklusive Gate Pass. Das sind 6 Stunden für die Einreise. Zieht man davon die 2 Std. Computerprobleme noch ab, die Wartezeiten verursachen, ergibt das den Rekordwert von 4 Stunden. Dank den Bemühungen der Zollbehörde und dem Know How von MANTOCO möglich gemacht.








Im Militär Konvoi
Die ersten 200 km dürfen wir ohne Konvoi zurücklegen und kommen dabei gut voran. Danach beginnt die militärische Schirmherrschaft. Das heisst, ab jetzt geht’s nach deren Vorgaben. Mal schneller, mal langsamer. Bei jeder Militärkontrolle wird unsere Begleitung gewechselt und das bedeutet Warten.
Im späteren Nachmittag kommt ein Staubsturm auf. Der Himmel verdunkelt sich dramatisch. Als er so stark wird, dass wir nichts mehr sehen, fahren wir zur Seite. Und obschon Handbremse und Fussbremse aktiviert sind, meinen wir immer noch zu fahren. So irritierend ist dieser Sturm.
Als es bereits dunkel wird, versuchen wir, die Soldaten umzustimmen und uns zu erlauben, auf einem Parkplatz zu übernachten, um morgen weiter zu fahren. Doch alle Begründungen und alles Diskutieren nützt nichts, wir müssen weiter. Wahrscheinlich wollen sie uns möglichst bald los haben und damit auch ihre Verantwortung.
Die Strasse ist nun elend schmal und Kolonnen von schweren Lastwagen kommen uns entgegen und blenden uns, so dass wir manchmal kaum etwas sehen können. Weit nach Mitternacht erreichen wir Samarra und werden dort auf einen völlig vermüllten Platz geführt. Auf diesem Busparkplatz bleiben wir für die Nacht. Nach insgesamt 17 Stunden Lastwagen fahren und nach 564 zurückgelegten Kilometern essen wir noch ein Nudelgericht und sinken dann müde in die Federn.




Samarra
Malwiya Mosque
Die 52 m hohe Malwiya steht in Samarra und erhebt sich 27 m über die Freitags-Moschee, die der abbasidische Kalif al-Mutawakkil im Jahr 852 erbauen liess.
Die Grosse Moschee von Samarra wurde 1258 von einer mongolischen Armee fast vollständig zerstört . Die Armee, angeführt von einem Enkel Dschingis Khans, hatte einige Monate zuvor Bagdad belagert. Vor ihrer Zerstörung galt die Grosse Moschee von Samarra als die grösste Moschee der Welt.
Die im 13. Jahrhundert zerstörte Moschee hatte einen rechteckigen Grundriss von 240 × 160 m. Der Hof war allseitig von Liwanen (Säulengängen) umschlossen. Heute sind von der Moschee neben dem Minarett nur noch die Außenmauern erhalten.
Der Tigris Fluss
Wie der Euphrat, so entspringt der Tigris Fluss ebenfalls in der Türkei und durchfliesst dann mehr oder weniger Parallel zum Euphrat die mesopotamische Tiefeben. Im Süden des Irak vereinen sich die beiden Flüsse zum „Schatt-al-Arab“ und fliessen in den Golf von Persien.
Samarra liegt am Tigris und so mächtig, wie er hiet erscheint, haben wir uns diesen Fluss nicht vorstellen können.
Abu Dulaf Moschee
Etwa 20 Kilometer nördlich von Samarra besichtigen wir die Ruinen der Abu Dulaf Moschee. Erbaut bzw. fertig gestellt wurde sie unter Mutawakkil ca. 859 n.Chr., um seinen Herrschaftsanspruch zu untermauern. Bereits um 861 nach Christus wurde mit dem Ableben Mutawakkils die Stadt und damit auch die Moschee wieder verlassen. Die einstige Moschee hatte eine Grundfläche von 214 x 135 m, das umgebende Mauerwerk, das heute noch steht, 358 x 347 m. Das Spiralminarett ist 34 m hoch und noch gut erhalten.




Qasr Al Ashiq
Der Palast wurde unter dem 15. abbasidischen Kalifen Al-Mu’tawid in Auftrag gegeben und zwischen 877 und 882 erbaut.
Qasr al-‚Ashiq ist ein herausragend erhaltenes Beispiel für den abbasidischen Palastbaustil.
Wir parkieren mit Abstand zum Palast und umrunden diesen. Etwas weiter vorne befindet sich eine Polizeikontrolle, doch scheint uns dies kein Poblem zu sein.
Als wir das Gebäude zu dreivierteln umrundet haben kommt ein Polizist auf uns zu und klammert sich an meinem Handgelenk fest. Er will, dass wir zusammen mit dem Lastwagen zur Polizeistation kommen. Wir haben keine Ahnung, was der sich denkt. Wir haben ja nur eine Sehenswürdigkeit besichtigt und mit dem Smartphone fotografiert.
Als ich ihm zu erklären versuche, dass wir auf dem Weg an die türkische Grenze sind, überlegt er kurz, lässt mich dann los und lässt uns gehen.
Kirkuk
Kirkuk ist eine Universitätsstadt im Norden des Irak und die viertgrößte Stadt des Landes. Sie ist das Zentrum der irakischen Erdölindustrie. Die Stadt Kirkuk liegt in einer Ebene mit einem Hügel. Der Hügel enthält mit der Zitadelle den ältesten Teil der Stadt. Leider können wir die Zitadelle nicht besichtigen, weil wir dafür ein Ticket von der Behörde für Altertümer benötigen, die jedoch weit weg ist.
In Kirkuk leben etwa 1,5 Millionen Menschen. Die weitaus grösste ethnische Gruppe sind die Kurden, nebst Turkmenen und Arabern. Der Markt von Kirkuk ist bekannt für seine Ursprünglichkeit, weshalb wir diesen heute gegen Abend besuchen.












Dukan See
Fahrt zum See
Die Fahrt zum Dukansee führt uns auf einer Nebenstrasse über ein Gebirge, das romantischer kaum sein könnte. Hier herumzukurven ist schön und beschaulich und wir geniessen die Landschaft und die Ruhe in vollen Zügen.
















Am See
Das hinterlässt jedes mal ein ungutes Gefühl, denn wenn die wollen, können die immer etwas finden und beanstanden. Einmal hat uns ein Zöllner sogar vor meinen Augen eine Banane geklaut und sie genüsslich verspeist.
Erbil
Erbil, historisch Arbela, ist die Hauptstadt und zugleich auch der Sitz der Regierung der Autonomen Region Kurdistan im Irak. Zudem ist Erbil Wirtschafts- und Handelszentrum der Region.
Schon im dritten Jahrtausend vor Christus erwähnten die Sumerer die Stadt als Urbilum bzw. Urbelum.
In der Stadt treffen wir Peter und Regina auf einem Parkplatz, auf welchem wir gegen eine kleine Gebühr übernachten dürfen. Die Fahrt in die Stadt hinein war etwas abenteuerlich. Dies nicht wegen der Strassen oder Verkehrsverhältnisse, sondern wegen der weiss gewandeten energischen Verkehrspolizisten, die uns immer wieder von unserer Route wegbringen wollten, da sie den Unterschied zwischen einem Lastwagen mit Gütertransport und einem Lastwagen-Camper nicht kennen und sich deshalb telefonisch versichern mussten, dass wir durchfahren dürfen. Dies natürlich nur, weil ich hartnäckig blieb und mich von unserem Vorhaben nicht abbringen liess.
Schlussendlich fahren wir tatsächlich durch den Markt, durch das Zentrum des Zentrums und werden mit grossen Augen begleitet. Glücklich erreichen wir den Parkplatz und machen uns danach auf zu einer kurzen Stadtbesichtigung.
Unser Weg führt durch schmale Gassen zum grossen Bazar und zum gleich nebenan liegenden Shar Park mit seinem Springbrunnen und dem Blick auf die riesige Zutadelle. Die Zitadelle von Erbil gilt als eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Siedlungen der Welt; im Juni 2014 wurde ihr von der UNESCO der Status eines Weltkulturerbes verliehen.
Der grosse Bazar
Nur einen kleinen Teil des riesigen Bazars durchwandern wir. Er ist sehr gepflegt und die Menschen sind sehr freundlich. Niemand ist aufdringlich und man fühlt sich absolut sicher. Und nur so kann man das Erlebnis geniessen.




Shar Park
Direkt neben dem Bazar und vor der Zitadelle liegt der Shar-Park mit seinem schönen Springbrunnen. Der Park ist jetzt, vor Sonnenuntergang, dircht bevölkert.




Die Zitadelle
Die Zitadelle – eine ansehnliche Stadtmauer umgibt die Altstadt von Erbil – ist gegenwärtig wegen Bauarbeiten nicht zu besichtigen. Aber auch so ist die Anlage überaus beeindruckend und bietet einen Schönen Blick über die Stadt.




In einem kleinen Restaurant am Bazar treffen wir Peter und Regina wieder und halten zusammen ein schmackhaftes Abendmahl. Danach gehts zurück zu unseren Fahrzeugen durch die immer noch belebten kleinen Gassen.




Kloster Mor Mattai
Das Kloster des Heiligen Matthäus ist eines der ältesten existierenden christlichen Klöster der Welt. Zudem ist Mor Mattai für seine beträchtliche Sammlung von syrisch-christlichen Manuskripten bekannt.
Aufgrund seiner Bedeutung bildet das Kloster derzeit zusammen mit einigen umliegenden Dörfern eine der drei Erzeparchien der Syrisch-orthodoxen Kirche im Irak. Es wurde im Jahre 363 nach Christus von einem syrischen-christlichen Eremiten namens „Matti“, syrisch für „Matthäus“, gegründet, der vor der Verfolgung aus Amed, heute Diyarbakır, in das nahegelegene Ninive in Assuristan (Assyrien) floh.
Seit dem Ausbruch der Irakkrise 2014 bedrohte der Islamische Staat das Kloster. Nur wenige Kilometer vom Kloster entfernt verlief die Frontlinie, die von kurdischen Peschmerga gegen den IS gehalten wurde. Viele christliche Siedlungen der Region sind aufgrund des Krieges verlassen worden. Allein aus dem Ninivetal flohen 17.000 christliche Familien vor den IS-Kämpfern.
Die Fahrt von Erbil hierher ist für uns auch nicht ganz ohne. Obschon wir Mossul weiträumig umfahren, werden wir viermal in kurzen Abständen kontrolliert: Pässe abgeben, warten, Fahrzeug-Inspektion und dann weiter fahren. Oben, beim Kloster angekommen, fühlen wir uns erleichtert und – es ist einfach schön und friedlich, hier oben.








Hier, beim Kloster, treffen wir auch auf Irakische Christen. Einerseits Christen, die aktuell noch im Irak leben, dann aber auch Christen, die aus dem Irak ausgewandert sind und nun ihre alte Heimat besuchen. Es ist bewegend, ihnen zuzuhören und ich denke, dass wir uns keine Vorstellung davon machen können, was es bedeutet, in einer vom Islam überrannten Gegend leben zu müssen. Jedenfalls sind die Gläubigen sehr freundlich und freuen sich über den Kontakt.
Zeugen des assyrischen Reichs
Vom Kloster Mor Mattai fahren wir durch eine malerische und sehr fruchtbare Landschaft. Kühe weiden auf saftigen Wiesen und das ganze, weite Tal ist Grün. Das haben wir hier nicht erwartet und wir freuen uns an dieser Fruchtbarkeit.
Kein Wunder, führt doch der „Nahr al Khazir“ Fluss durch diese Gegend, ein Nebenfluss des grossen „Zab“ Flusses.
Jerwan Damm
Der Aquädukt ist Teil des größeren Atrush-Kanals, der zwischen 703 und 690 vor Christus vom assyrischen König Sanherib gebaut wurde, um die weitläufigen Gärten von Ninive zu bewässern, wobei das Wasser aus der 50 km nördlich gelegenen Khenis-Schlucht umgeleitet wurde.
Eine Inschrift auf dem Aquädukt lautet:
„Sennacherib, König der Welt, König von Assyrien. Über eine große Entfernung hinweg ließ ich einen Wasserlauf in die Umgebung von Ninive leiten, um die Gewässer miteinander zu verbinden … Über steile Täler hinweg spannte ich ein Aquädukt aus weißen Kalksteinblöcken, über das ich diese Gewässer fließen ließ.“
Assyrische Reliefs von Khinnis
Auf einem Landsträsschen fahren wir durch eine wenig besiedelte, herrliche Landschaft und erreichen schliesslich Khinnis.
Khinnis ist eine assyrische Ausgrabungsstätte in der Region Kurdistan im Irak. Sie ist bekannt für ihre Felsreliefs, die um 690 vor Christus von König Sanherib erbaut wurden. Später wurde sie als Einsiedelei genutzt, die in der Antike von Mönchen der Kirche des Ostens genutzt wurde.
Während der Herrschaft von Sennacherib (705–681 vor Christus) wurde Khinnis erbaut, um „die Errichtung eines komplexen Kanalsystems zu feiern, dessen Ziel es war, die Hauptstadt des Reiches, Ninive, und ihr Hinterland mit Wasser zu versorgen”. Die Reliefs sind dem Fluss Gomel zugewandt, und eine Inschrift berichtet vom Bau eines von Sennacherib errichteten Wassersystems. Der Bau des Denkmals diente somit propagandistischen Zwecken für den assyrischen König.




Besuch bei den Jesiden
Heute Freitag fahren wir nach Lalish, dem Zentrum des Jesidischen Glaubens. Touristen dürfen die kleine Ortschaft mit dem Tempel der Jesiden besuchen und werden häufig zum Mittagessen eingeladen.
Die Jesiden sind eine ethnisch-religiöse Minderheit im Nordirak, deren Heimat die Sindschar-Region ist. Seit dem Völkermord durch den IS ab 2014 leben viele Jesiden in Flüchtlingslagern, ihre Heimatdörfer sind zerstört, und sie sehen sich weiterhin Diskriminierung und Unsicherheit ausgesetzt. Internationale Bemühungen konzentrieren sich auf den Wiederaufbau und die Unterstützung der Rückkehr, während der Fokus auf der Anerkennung der Verbrechen und der Suche nach Vermissten liegt.
Das Jesidentum ist eine monotheistische Religion, die vor über 4.000 Jahren in Mesopotamien entstand. Die Gesellschaft der Jesiden ist in drei Kasten unterteilt, und Ehen sind nur innerhalb der eigenen Kaste oder der Religionsgemeinschaft erlaubt.
Der IS überfiel ab 2014 die Region Sindschar, ermordete Tausende jesidische Männer, verschleppte Frauen und Mädchen als Sexsklavinnen und zwang Jungen, als Kindersoldaten zu kämpfen.
Die Heimatregion wurde größtenteils zerstört; viele Jesiden leben bis heute in Flüchtlingslagern, oft unter sehr schwierigen Bedingungen. Die Region ist instabil, mit der Präsenz verschiedener Milizen, was die Rückkehr erschwert. Es wird weiterhin von Alltagsdiskriminierung und der Benennung als „Teufelsanbeter“ berichtet.















































































































































2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Hallo ihr beiden, tolle Bilder und sehr interessante Erzählungen! Danke fürs mitnehmen. Wir haben unsere Pläne geändert und werden jetzt die westroute Richtung Südafrika fahren, denn auf die Kriesen Region mit Israel haben wir keine Lust.
Euch eine gute Heimreise!
LG Pius und Rita
sehr eindrücklich und abwechslungsreich
Und sehr schöne Fotos
vielen herzlichen Dank
Liebe Grüsse
Katrin und Faik