K E N I A

Im gelobten Land

Vereint in Kenia

Marsabit

Lake Turkana

Im „gelobten“ Land

Am 31. Oktober 2020 können wir endlich aus Äthiopien aus- und in Kenia einreisen. Die Abfertigung bei der Einreisebehörde in neuem und gepflegtem Gebäude verläuft professionell und freundlich. Die Zöllner zeigen sich sehr hilfsbereit bei der Abfertigung des Fahrzeugs. Wir können den Betrag für die Strassengebühr einem Mitarbeitenden bezahlen, der bereit ist, diese für uns über sein Mobilphone an den Zoll weiter zu leiten. Alles geht mit rechten Dingen zu und her und wir erhalten auch eine korrekte Quittung.

Inzwischen ist es Abend geworden und die Sonne wird bald untergehen. Wenige hundert Meter vom Zoll entfernt verfügt die Anglikanische Kirche über ein Gästehaus. Hier dürfen wir für die Nacht im Vorgarten stehen. Natürlich nicht kostenlos und es gilt den Preis zu verhandeln. Ein wunderschöner Samstag Abend.
Sichtlich erleichtert atmen wir auf – wir fühlen uns wieder frei. Kenia ist für uns wie das gelobte Land, wo man hin will – und jetzt sind wir da.
(Ob das so bleibt, muss sich natürlich noch beweisen)

Heute ist Sonntag und die Geschäfte sind grösstenteils geschlossen. Zudem stellt sich Regen ein und der Himmel ist bedeckt. Da wir über noch genügend Diesel verfügen, entschliessen wir uns, gleich nach Marsabit weiter zu fahren. Unterwegs nach Marsabit passieren wir viele Militärkontrollen, werden aber nicht behelligt. „Woher“ und „Wohin“ genügt meistens. Weder am Zoll, noch hier unterwegs wird unser Lastwagen durchsucht. So legen wir trotz defekter Feder und vorsichtigem Fahren die 250 Km nach Marsabit leicht zurück.

In Marsabit fahren wir zum „Camp Henry“. Henry ist (auch schon) ein älteres Semester. Er kam mit einem Hilfswerk vor Jahrzehnten nach Marsabit, verliebte sich da in eine Kenianerin und heiratete und blieb. Henry’s Dialekt verrät ihn sofort – er stammt aus Basel. Zusammen mit seiner Frau Rosanna hat er ein kleines Baugeschäft aufgebaut und betreibt nebenbei ein kleines Camp, das unter durchreisenden Overlandern bekannt ist. Wir erleben wieder einen schönen, sonnigen Abend und geniessen seit Langem wieder einmal ein kühles Bier zum Nachtessen.

In Marsabit weht ein heftiger Wind. Das wäre auszuhalten, aber Nebel und Regen machen uns zu schaffen. Und da Marsabit offenbar „Sperrzone“ ist, können wir hier auch keine SIM-Karte kaufen. Wir entschliessen uns deshalb, früher als geplant, aufzubrechen und die 500 Km nach Nairobi unter die Räder zu nehmen. Je weiter wir uns von Marsabit entfernen, je schöner wird das Wetter. Wir tauchen ein, in grandiose Landschaften, die wir leider zu wenig fotografiert haben.

Für die Strecke von Marsabit bis Nairobi benötigen wir knapp zwei Tage. Waren das Verkehrsaufkommen und die Ortsdurchfahrten bis Isiolo moderat und angenehm, nimmt der Verkehr bis Nairobi ständig zu und unzählige riskante Überholmanöver von Kenianern erfordern unsere stärkste Konzentration.

Ein solcher Landsmann versucht bewusst, uns seitlich anzurempeln. Da wir mit einigen leichten Kratzern davon kommen und realisieren, dass er wahrscheinlich sein schon tüchtig verbeultes Fahrzeug zu unseren Ungunsten sanieren will, fahren wir einfach weiter, denn nicht wir haben ihn gestreift – wir fuhren korrekt hinter einem langsamen LKW her – sondern er hat uns gestreift.

Jungle Junction Nairobi

Die „Jungle Junction“ von Nairobi ist ein bei Overlandern bekannter Anlaufpunkt. Hier können Fahrzeuge auch für längere Zeit geparkt werden. Der Inhaber „Chris“ ist Deutscher und kam ebenfalls durch ein Hilfswerk nach Kenia und ist hier „hängen“ geblieben. Er hat uns schon im Voraus über die Reiseroute beraten und jetzt lernen wir uns erst mal persönlich kennen.
Am Dschungel-Knotenpunkt von Nairobi ist gegenwärtig wegen Corona wenig los. Da wo sonst eifriges Reiseleben herrscht, ist es jetzt ruhig. Zudem ist die Regenzeit immer noch nicht vorüber.

Wir kriegen verstärkte Federn…

Bereits in Addis Abeba mussten wir feststellen, dass eine unserer Blattfedern an der Hinterachse weggebrochen ist. Wir zeigen Chris den Schaden und bald wird klar, dass nicht nur das gebrochene Federblatt ersetzt werden muss, sondern dass unsere Blattfedern an der Hinterachse verstärkt werden müssen.

Am nächsten Tag werden die beiden Federpakete der Hinterachse ausgebaut und am Abend an die heimische (indische) Firma Chui – Federn in Nairobi geliefert. Eine top moderne Firma mit guter Einrichtung, die auf Blattfedern spezialisiert ist.

Nach nur eineinhalb Tagen erhalten wir die neu gerichteten, reparierten und ergänzten Federn zurück. Wir haben uns entschlossen, das Federpaket durch zwei zusätzliche Federblätter zu ersetzen, in der Hoffnung, dass uns diese dann bis Südafrika und darüber hinaus durchtragen, denn das original MAN Federpaket, das angeblich pro Seite 8 bis 10 Tonnen tragen sollte, hat sich als definitiv ungenügend erwiesen bei einem konstanten Gewicht von etwa 8 Tonnen an der Hinterachse.
Der Einbau nimmt gut zwei Tage in Anspruch, da die verschiedenen Schrauben noch sorgfältig mit einem Drehmomentschlüssel nachgezogen werden müssen.
Das Fahrzeug liegt hinten nun etwa 5 bis 6 cm höher, weshalb auch der lastabhängige Bremskraftregler an der Hinterachse nachgestellt werden musste.

Vereint in Kenia

Am 15. Dezember – ein Tag vor dem neuerlichen Lockdown in Deutschland – fliegen wir gemeinsam von Zürich nach Nairobi. Ende November hatte ich mich kurzerhand entschlossen, meine Geliebte in der Schweiz abzuholen, so dass wir gemeinsam in Kenia wieder starten können. Inzwischen wurde sie vorzeitig ärztlich entlassen, weil der Heilungsprozess ihrer Schulter so zügig voran ging und die Physiotherapeuting zeichnete ihr mittels Video Übungen auf, die sie auch auf der Reise weiter führen kann.
Den benötigten Covid-Test hatten wir in der Tasche, auch die eVisa für Kenia – und natürlich wieder Übergepäck.

Die Gesundheitskontrolle und die Zollabfertigung in Kenia war perfekt organisiert. Unsere Covid-Tests wurden auf Anhieb akzeptiert und nach etwa 45 Minuten standen wir auf dem Parkplatz vor dem Flughafen, wo unser Taxi wartete. Wenn wir da an das Chaos vor dem Abflug in Frankfurt denken, das eine ganze Stunde Verspätung zur Folge hatte, können wir die Kenianer nur loben. Sie haben ihre Aufgaben gemacht.

Unseren MAN treffen wir auf dem Camping von Jungle Junction in bester Verfassung an. Inzwischen ist die Regenzeit  schwächer geworden und Chris hat unsere Carnet de Passage, deren Gültigkeit am 1. Januar 2021 abgelaufen wäre, beim kenianischen Autoclub aus- und einstempeln lassen. Jetzt nur noch die COMESA Haftpflichtversicherung, die am 13. Januar 2021 ausläuft neu abschliessen, Gepäck einladen, Fahrzeug zur Weiterreise bereit machen, Einkaufen und Reiseroute planen, denn Weihnachten möchten wir gerne zusammen mit Giraffen und Elefanten verbringen.

Am Montag, 21. Dezember machen wir uns auf den Weg Richtung Norden. Unser erstes Ziel ist das SAMBURU National Reserve. Zuerst fahren wir noch bei MAN Nairobi vorbei, um einen Ölwechsel machen zu lassen. Aber weit gefehlt, die Herren sind bereits in den Weihnachtsferien. Dieser Umstand erklärt vielleicht auch, weshalb wir mehrere Stunden benötigen, um aus der Stadt heraus zu kommen. Wir übernachten beim Havila Resort, das am Mathioya Fluss liegt und dessen Camping direkt am Wildwasser auch für grössere Fahrzeuge erreichbar ist.

Bei Nanyuki überqueren wir den Äquator. Die A2 führt hier an der Westflanke des Mounta Kenia bis auf 2500m hinauf und fällt danach innerhalb von etwa 50 Km um etwa 1700m ab. Damit ändern sich auch die Temperaturen und bei gut 30° erreichen wir das Samburu Reservat, wo wir für diese Nacht kostenlos auf dem Parkplatz stehen dürfen.

Samburu National Reserve

Das Samburu National Reserve liegt in einem Trockengebiet, auf dem Land des Samburu Stammes und ist etwa 165 Km2 gross, ist jedoch verbunden mit dem etwa gleich grossen Buffalo Springs Reserve auf der anderen Seite des Ewaso Ngiro Flusses, der ganzjährig Wasser führt.

Die Park-Ranger am Gate sind sehr freundlich, ja sogar herzlich, und lassen mit sich den Preis verhandeln. Wir kriegen einen Preiserlass, doch ist der Eintritt dennoch überteuert. Wir buchen drei Tage und Nächte  auf dem öffentlichen Campingplatz des Parks, direkt am Fluss. Auf dem Bild unten: die nette, 25-jährige Park-Rangerin mit dem Namen Eunice.

Weihnachten unter Elefanten …

Bereits am ersten Tag „geraten wir“ mitten in eine Elefantenherde. Um uns Elefanten, die friedlich und ohne jegliche Aggression Futter zu sich nehmen. Zwischen 100 und 300 Kg Pflanzenmasse von Gräsern, Sträuchern und Bäumen benötigen Elefanten täglich. Sie sind deshalb bis zu 17 Stunden täglich mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Kein Wunder, dass sie uns links liegen lassen und kaum Notiz von uns nehmen. Die Elefanten strahlen eine grosse Ruhe aus – auch wir werden ruhig und können die Zeit mit der Herde einfach nur geniessen.

… und Netz-Giraffen

Im Samburu Reserve lebt eine stattliche Population von Netz-Giraffen. Die Musterung ihres Fells wirkt wie ein Netz – daher der Name. Giraffen sind grundsätzlich scheu – diese hier im Samburu Reserve scheinen uns noch scheuer zu sein. Kaum nähern wir uns, wechseln sie dir Richtung – von uns weg. Sie sind eine Unter-Art der „Nord-Giraffe“ und gehören in die Familie der „Giraffenartigen“ – wen wunderts! Sie werden bis zu 560 cm hoch mit einem Gewicht bis etwa 900 Kg. Mit ihren langen Beinen stolzieren sie gemächlich durch die Savanne – und kommen dabei dank ihrer langen Beine recht zügig voran. Sie zu beobachten macht viel Spass. Entdeckt man eine, kommen plötzlich immer mehr Giraffen zum Vorschein, die vorher unsichtbar hinter einem Baum die Äste mit ihrer bis zu 40cm langen Zunge abgeerntet haben.

Naturerlebnis

Wir stehen auf unserem Campingplatz am Ufer des Flusses. Ein Knacken und rascheln! Tatsächlich hat sich ein Elefantenbulle direkt hinter uns einen Ast voller kostbaren Grüns mit Gewaltanwendung herunter geholt und dreht und wendet diesen, um an das kostbare Grün heranzukommen – nur wenige Meter von unserem MAN entfernt. Ein starkes Erlebnis.

Nebst flussquerenden Elefanten, Spiessböcken, Impala-Gazellen, Rundohren-Zebras, Kolonien von Seiden-Perlhühnern und einem afrikanischen Schreiseeadler, entdecken wir auch die ulkige Giraffen-Gazelle. Ja, und damit hat’s sich, denn Löwen, Geparden oder Leoparden konnten wir leider nicht entdecken – vielleicht deshalb, weil täglich mehr einheimische Besucher ins Nationalreserve strömten, um hier Weihnachten zu verbringen.

Samburu Reserve bis Marsabit Video Impressionen

Marsabit

Rund 220 Km nördlich liegt der letzte Vorposten – das grosse Dorf „Marsabit“ mit etwa 20’000 Einwohnern. Da fahren wir am 27. Dezember hin, zum Camp Henry, einem kleinen Campingplatz, des Baslers „Henry“, der hier seit Jahrzehnten wohnt und mit einer Kenianerin verheiratet ist.

Sofort nehmen wir uns notwendigen Arbeiten am Fahrzeug an – zum Beispiel brennt unser Abblend- und Fernlicht nicht mehr. Deshalb werden alle Fehlerquellen systematisch untersucht ….
Ob das gut kommt, wenn sich ein Büro-Heini wie ich sich an die Elektrik heranmacht? Jedenfalls traue ich mich, die Instrumententafel auseinander zu nehmen, um zu kontrollieren, ob der Lichtschalter eventuell defekt ist.
Nachdem nun alle Sicherungen, die Schalter und Verbindungen im Armaturenbrett, kontrolliert sind – und das Hauptlicht immer noch nicht brennt bleibt nur ein Schluss: das Relais muss kaputt sein. Wir gehen es „afrikanisch an“ und lassen es bleiben, denn die Nebellampen, Rücklicht und Positionslichter funktionieren ja noch.

Wasser-Reinigungs-Anlage

Seit dem Sudan ist unsere so geschätzte Wasserreinigungsanlage defekt! Wohl durch das schlammige Wasser im Sudan verursacht, würde unser Wasserreinigungs-Reaktor MR 45/60 eine Reinigung benötigen, weshalb er sich nicht mehr einschalten lässt.
Dabei müssen wir feststellen, dass unser Sedimentfilter von „Lilie“ die Sedimente nicht zuverlässig zurück hält, denn gröbere  Schwebstoffe treffen wir auch im nachgeschalteten Aktivkohlefilter an.
Das grösste Problem aber ist, dass der regelmässig zu reinigende (etwa jährlich) Wasserreinigungs-Reaktor so verbaut worden ist, dass ich die ganze Anlage abbauen muss, um an dieses Gerät heran zu kommen.

Noch in Äthiopien baue ich die ganze Wasserreinigungsanlage ab und plane grob den Umbau der Anlage. Soweit wir Internet haben, suche ich auch nach neuen und natürlich besseren Wasserfiltern und bestelle schon mal, was wir benötigen.
Den Wasserreinigungs-Reaktor nehmen wir mit in die Schweiz und der edle Erfinder desselben – I-B-H Technologie in Bayern – nimmt sich dem Gerät persönlich und kostenlos an, wartet es und gibt uns zudem ein neues Steuergerät mit. Grosszügig und freundlich – Herzlichen Dank!

Alle zum Umbau notwendigen Komponenten nehmen wir per Handgepäck im Flug nach Addis Abeba mit, inkl. die benötigten Brettchen….

Die neue Anordnung entspricht derjenigen, die ich einst dem Ausbauer unserer Kabine vorgeschlagen hatte. Da der Platz sehr beschränkt ist, muss ich tagelang tüfteln und montiere alles ausserhalb des Fahrzeugs vor, um danach keine unangenehmen Überraschungen zu erleben. Eingebaut wird auch eine neue Wasserpumpe, die kein Expansionsgefäss mehr benötigt – diese soll leiser sein, als die zuvor eingebaute Industriepumpe. Natürlich haben wir auch die Wassertanks entkalkt und desinfiziert.
Inzwischen sind wir zwei Wochen mit der neuen Wasser-Reinigungs-Anlage unterwegs und viele Km davon auf üblem Wellblech und über Bachbettartige Pisten – und die neue Wasser-Reinigungs-Anlage funktioniert tadellos, wir sind sehr glücklich darüber. 

Camp Henry & Rosanna

Das „Camp Henry“ ist bei Overlandern bekannt. Der Basler Henry ist vor über 40 Jahren als Entwicklungshelfer nach Marsabit gekommen – schliesslich gründete er eine Familie und heiratete seine Rosanna.
Rosanna führt das Camp, das nicht nur Overlandern zum Aufenthalt dient, sondern auch für geschäftliche „Meetings“ und für Familienfeiern zur Verfügung steht.
Henry selbst ist Inhaber einer kleinen Baufirma mit 10 bis 12 Angestellten, die im Grossraum Marsabit in der Regel eingeschossige Häuser baut. Dabei wird nicht nur das Haus aufgebaut, sondern die Dachträger geschweisst, die Betonplatten gegossen, ja in der eigenen Schreinerei sogar Stühle und Betten hergestellt.

Insgesamt verbringen wir viereinhalb Wochen in Marsabit und gehören am Schluss schon beinahe zur Familie. Jedenfalls sind uns Henry und Rosanna ans Herz gewachsen und wir verlassen deshalb Marsabit auch mit einem weinenden Auge. Danke euch beiden für eure Gastfreundschaft!

Lake Turkana

Marsabit – Kalacha

Die von uns gewählte Piste an den Turkana-See führt 300 Km durch die Wüste. Die erste 140 Km lange Etappe bis Kalacha ist teilweise sehr rauh und ausgewaschen, führt über groben Schotter und Steine, so dass die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 15 Km pro Stunde sinkt. Im mittleren Drittel durchqueren wir jedoch eine grobsandige / feinkiesige Ebene und auch danach gibt es Abschnitte, die ein etwas höheres Tempo erlauben, weshalb wir Kalacha doch noch am selben Tag erreichen.

Kalacha

Gestern sind wir Henry auf seinem Weg von der Baustelle in Kalacha nach Hause nochmals begegnet. Dort baut er und sein Team für eine ältere Lady, die sich in der Gemeinde verdient gemacht hat, ein Häuschen im Landhausstil. Henry hat das  Häuschen sehr clever selber geplant. Wir dürfen die Baustelle besichtigen und sind von der Bauqualität beeindruckt.

Im Gebiet von Marsabit bis Kalacha und darüber hinaus siedelt der Stamm der Gabbra, ein friedliches und freundliches Volk von Kamel-Nomaden, die in einfachen Rundhütten leben, die sie in kürzester Zeit abbrechen und auf ihre Kamele laden können.

Die Kalacha-Oase liegt etwas südlich vom Dorf. Dort sprudelt Wasser bis an die Oberfläche, das aus unterirdischen Strömen aus den umliegenden Vulkanfeldern kommt.

Kalacha – North Horr

Die etwa 70 Km von Kalacha nach North Horr sind eine Zumutung. Starkes, tiefes Wellblech vom Schlimmsten fordern unsere Nerven und unser Fahrzeug. Im Rückspiegel sehe ich, wie der Batteriedeckel wegfliegt – zum Glück ist er unversehrt und wir können ihn mit einer Gurte zusätzlich sichern.

North Horr – Lake Turkana

Etwa 90 Km sind bis zum Lake Turkana noch zu bewältigen. Nach North Horr gilt es den wenig Wasser führenden Bach der örtlichen Oase zu durchqueren. In der Regenzeit wohl ein etwas gewagteres Unterfangen. Viele Querungen von Trockenflüssen folgen, in deren „Bachbett“ oft eindrückliche Kameldorn-Bäume stehen. Die Durchfahrten sind entweder einspurig betoniert oder führen durch festgefahrenen Sand oder Kies. Obschon die Piste oft nur noch eine Spur ist und oft nicht mehr als einem Feldweg entspricht, ist diese Strecke deutlich angenehmer zu befahren. Hier gefällt uns auch die Landschaft wieder besser. Die erste Hälfte führt durch endlose feinkiesige Ebenen, danach langsam hinein in ein vulkanisches Tälchen und zum Schluss über eine kleine Passtrasse hinüber zum Turkanasee.

Loiyangalani

Loiyangalani liegt im südlichen Viertel des Turkana-Sees, wegen seiner blaugrünen Farbe auch Jade-Meer genannt. Der See ist gut 250 Km lang und bis zu 50 Km breit und leicht salzhaltig. Von gescheiten Klimaspezialisten wurde die Austrocknung des Sees vorausgesagt, doch das Gegenteil ist der Fall. Henry verfolgt nun seit über 40 Jahren die jahreszeitlichen Zyklen und meint, es gäbe eben auch 10-jahres, 20-jahres und weitere Zyklen, während welches es normal sei, dass der Seespiegel sinkt oder auch wieder ansteigt.

Am nächsten Tag stossen Esther & Thomas mit ihrem MAN „Muck“ zu uns. Die beiden sind seit 2014 unterwegs, zuerst mehrere Jahre in Fern-Ost. Gemeinsam „hängen“ wir bei bester See Sicht und etwa 38° am Schatten. Ein oft heftiger Wind macht die Temperaturen tags- und nachts erträglich.
Entlang des Sees lebt der Stamm der El Molo, die vom Fischfang leben. Es ist der kleinste Stamm in Kenia, der sich mehr und mehr mit anderen Stämmen vermischt. Die El Molo an „unserem“ Strandabschnitt wollen sich nicht fotografiert haben. Das trifft auch auf andere Stämme zu. Also besser fragen und dann notfalls aufs Fotografieren verzichten.

Nach vier Tagen verschieben wir uns zur Palm-Shade-Lodge und dürfen dort im herrlichen Garten stehen, umgeben von sich im Wind wiegenden Palmen. Hier können wir auch unbeschränkt unsere Wassertanks auffüllen und am Abend ein kühles Bier bestellen.

Turkana

Am südöstlichen Ufer des Turkana-See leben Samburu, El Molo und Turkana. Heute haben wir Gelegenheit eine Sippe der Turkana zu besuchen und etwas Einblick in ihr Alltagsleben zu erhalten.

Die Turkana leben noch weitgehend traditionell als Nomaden und halten Kamele, Zebu Rinder, Schafe und Ziegen, die ihnen Milch, Blut und Fleisch als Nahrung liefern. In ihrer mündlichen Überlieferung bezeichnen sie sich selber als „das Volk des grauen Bullen“, nach dem Zebu, dessen Domestizierung eine große Rolle in ihrer Geschichte spielte. Vieh dient auch als eine Form von Währung zum Verhandeln eines Brautpreises und als Aussteuer. Damit sind sie direkte Konkurrenten zu den Samburu, mit welchen es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen um Weidegebiete kommt.

Die Männer sind bei den Turkana zuständig für die Gemeinschaft und die Tiere – die Frauen für den Haushalt, für Wasser und Holz – und für den Hausbau.
Sie demonstrieren uns, wie sie eine Rundhütte aufbauen. Zuerst werden Seitenwand-Elemente aus Palmblättern und Stecken geflochten, diese danach mit Fasern von Zweigen im Kreis in einer kleinen Vertiefung zusammengebunden und zu guter Letzt mit Fellen und Tüchern bedeckt und beplankt.

Sind die Damen und Herren zuerst eher schüchtern und abweisend, „tauen“ sie nach und nach auf und wir können ihnen ein Lächeln entlocken.
Lustig wird’s aber am Schluss. Während den End Arbeiten an der Rundhütte beginnt die eine oder andere ein Lied zu singen. Wir reagieren mit Applaus zur fertig gestellten Hütte und revanchieren uns ebenfalls mit zwei Liedern. Sofort beginnen sich die Turkana-Frauen zum Rhythmus unserer Nationalhymne und zu „Äs Buure Büebli mahni nit…“ zu wiegen und versuchen mitzusingen. Freude und Gelächter – nächstes Mal liefern wir unsere Show am Anfang, um das „Eis“ aufzutauen…

Loiyangalani – Maralal

Die beiden heissen Nächte mit nur wenig Wind machen uns den Abschied von Loiyangalani einfacher. Die Piste C77 in ordentlichem Zustand zieht sich dem See entlang hin. Dann geht’s auf einer Betonrampe den Berg hoch auf eine Hochebene um 900m. Wir fahren hoch zur grössten Wind-Farm von Kenia. Immer wieder Schwaden von Wanderheuschrecken.
South Horr liegt in einem wasserreichen Tal zwischen steilen Bergflanken. Die Strasse quert nun viele kleinere und grössere Wasserläufe ist sandig und später wieder eher steinig. Auf einer Höhe um etwa 1300m und mit grandiosem Bergpanorama dürfen wir bei einem Polizei-Checkpoint übernachten.
Der Checkpoint wurde erbaut, um die streitenden Samburu und Turkana auseinander zu halten. „Kenia sei ein Land der Freiheit“ sagt einer der Polizisten. „Hier kann man siedeln wo man will“.

Thomas und Esther sind uns einen Tag voraus. Sie berichten uns von Schiessereien zwischen Baragoi und Maralal. Wir fahren deshalb die etwa 120 Km von unserem Übernachtungsplatz ohne weitere Übernachtung an einem Tag durch.
Bis zur Abzweigung der C79 ist die Piste ganz ordentlich. Zwar können wir nur langsam fahren, da die Strasse dauernd über Felsplatten führt, aber die Rüttelei hält sich in Grenzen.
Ab besagter Kreuzung und bis zum höchsten Punkt, etwa 23 Km vor Maralal ist die Piste eine einzige Plackerei. Oft ist sie so ausgewaschen, dass nur Fahren im Schritttempo oder noch langsamer (mit Geländeuntersetzung) in Frage kommt (Leider keine Fotos). Schlussendlich setzt Nieselregen ein und teilweise wird die Piste, die auf der Anhöhe zur Nebenstrasse mutiert, auch glitschig. Dankbar erreichen wir das Maralal Safari Camp und sind froh, hier heil angekommen zu sein.

Lake Turkana Video Impressionen

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15 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Liebe Vreni und Ernst, es war schoen und interessant euch bei uns auf dem Camp zu haben fuer einen Monat lang. Vielen Dank. – Es war auch gut fuer mich mein “ Liestler Schwizer Duetsch “ reden zu koennen.
    Gute Reise und alles Gute, Henry und Rosanna und Fam. Camp Henry und Rosanna, Marsabit, Kenya

    Antworten
  • Horst Rossmanith
    24. Januar 2021 18:34

    Hallo Vreni, Hallo Erni

    wir freuen uns, daß Ihr Beide wieder gut gelandet und weit genug weg von unseren langsam
    belastend werdenden Coronaeinschränkungen seid und eine herrliche Landschaft genießen könnt.
    Vielen Dank für den Reisebericht. Wir sind dabei.
    Wir wünschen Euch eine weitere erfolgreiche Reise, vor allem bleibt gesund.
    Herzliche Grüße aus Heidelberg, Horst & Sabine.

    Antworten
  • flurin und barbara (flubahome.ch)
    3. Januar 2021 21:31

    liebe vreni und ernie, schön wieder von euch zu hören. v.a. euch wieder vereint zu wissen. das leben zu zweit ist doch ungleich schöner – die sorgen weg – oder andere!? geniale fotos – man lebt mit. wir sind mit unserem neuen arvi viel unterwegs – so zwischen der arbeit übers weekend!? – leider nur in der CH – aber auch hier gibt es sehr schönes zu entdecken. wenn es corona zulässt möchten wir im sommer für ca. 2mt an die meckelnburgische seenplatte. euch beiden auf jeden fall alles gute, bleibt gesund und en druck. fluba

    Antworten
  • Bei unserem Planungsstand kommen diese wunderschönen Foto gerade richtig 🙂 … macht gluschtig!

    Antworten
  • Hallo zäme
    Schön, dass ihr wieder zusammen unterwegs sein könnt!
    Ich wünsche euch ein erlebnisreiches 2021
    Herzlich Lilo

    Antworten
  • Es ist schön, euch wieder gemeinsam und vor allem gesund auf der Reise zu sehen.
    Ich wünsche euch einen guten Start im neuen Jahr und weitere tolle Erlebnisse!

    Antworten
  • Inge & Peter
    1. Januar 2021 12:09

    Hallo Vreni, hallo Ernie,
    wir wüschen Euch ein glückliches 2021 und bleibt schön gesund.
    Das sind ja rundum good news, endlich wieder vereint und dann gleich unter wilden Tieren…. besser kann es einen in diesen verrückten Coronazeiten doch gar nicht gehen.
    mit den besten Wünschen
    Inge & Peter

    Antworten
  • Erich Krebs
    1. Januar 2021 3:26

    Hallo Ihr Lieben
    Grandiose Bilder! Danke, dass wir so „nahe dran“ sein dürfen und wir sind natürlich happy, dass Ihr wieder vereint, gesund und munter und frisch gefedert unterwegs sein könnt! Ab wann bekommt Ihr eigentlich das Lastwagenmechaniker-Diplom?😉

    Antworten
  • Hermann Bösch
    31. Dezember 2020 20:46

    Super Fotos
    vielen Dank für die interessante Reisebeschreibung.
    Es guets Nois
    LG Hermann Bösch

    Antworten
  • Als Fahrzeugelektriker machst du dich auch nicht schlecht. Darf ich dich konsultieren, wenn ich ein Problem habe?
    Ganz liebe Grüsse nach Kenia und einen glücklichen Rutsch ins neue, coronafreie Jahr.

    Antworten
  • George Mbugua
    21. November 2020 13:17

    Hey,
    I just saw you guys drive by… Cool MAN Camper. Let me know if you happen to stop by again on your next globetrot…+254723804512

    All the best and great adventures to you…

    Antworten
  • Bin froh, dass ihr gut angekommen seid. Bravo! Und dann grad noch schicke neue Blattfedern, das ist ja geradezu Luxus. Weiterhin gute Fahrt, hoffentlich bald auch wieder mit Vreni. Alles Liebe Gabi&Peter

    Antworten
  • Wie fährt es sich mit den neuen Blattfedern? Spürst du den Unterschied? Schwankt die Kiste nicht mehr? Toller Bericht, den letzten nicht benutzten Textblock solltest du noch löschen 😉

    Antworten
    • Ernst Schulthess
      16. November 2020 14:32

      Aus dem Tsavo West Nationalpark: Blattfedern sind echt Spitze. Bin sehr zufrieden! Schwanken stark vermindert!

      Antworten

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