Meder und Perser

Hamadan

Auf dem Weg nach Hamadan durchfahren wir riesige Korn-Anbaugebiete. Die Strasse steigt stetig, bis wir unser nächstes Ziel, Hamadan, erreichen, das auf einer Höhe um 1800m liegt. Dementsprechend kalt ist es und der bedeckte Himmel lässt befürchten, dass es jederzeit schneien könnte.

An einer Tankstelle am Rande der Stadt erhalten wir endlich 160 Liter des ersehnten Diesels. Hier können wir kostenlos auch noch unsere Wassertanks nachfüllen. Vor vier Jahren wurden wir hier schon gut und freundlich bedient. Der Tankwart erinnert sich noch an unser Fahrzeug von damals und die gegenseitige Freude ist gross.

Zur Übernachtung stellen wir uns wie letztes Mal an einen Pick-Nick-Park. Damals waren wir völlig unbehelligt. Doch dieses Mal kommt eine Gruppe von 4 oder 5 Teenagern, um uns aufs ärgste zu belästigen. Sie klettern am Fahrzeug hoch, schreien uns an und verführen einen riesen Lärm. Ich steige aus dem Fahrzeug, versuche sie zu besänftigen, rede mit ihnen, doch alles hilft nichts. So fahren wir bei einbrechender Dunkelheit zum nächstgelegenen Hotel und dürfen auf dem dortigen, bewachten Parkplatz stehen. Am nächsten Morgen müssen wir zu allem noch feststellen, dass sie unsere Luftdruck-Sensoren abgeschraubt und geklaut haben. Zum Glück haben wir Ersatz-Ventildeckel dabei, die uns allerdings in Kaschan auch wieder von Teenagern geklaut wurden…. So etwas haben wir bei unserem ersten Besuch vor vier Jahren nicht erlebt.

Ekbatana – Meder und Perser

Unweit des Zentrums von Hamadan liegt mit etwa 300 000 m2 der grösste Ruinen-Hügel des Iran. Rechnet man den noch überbauten Teil mit dazu, wären es etwa 400 000 m2. Zu Babylonischer Zeit trug Ekbatana den Namen „Hegmataneh“, was „Versammlungsort“ bedeutet.

Ekbatana war die Hauptstadt und machtzentrum des Meder-Reichts. Die wichtige Handelsstrasse von Persepolis nach Sardes (Türkei) führte durch Ekbatana.  Etwa 600 vor Christus wurde Ekbatana vom Persischen König Kyros II erobert, der fortan in Personalunion auch König der Meder war.

Auffällig in Ekbatana sind die durchgehenden, konsequenten rechteckigen und sich wiederholenden Strukturen von Gebäuden und Wegen. Erbaut wurde die Stadt in Ziegel- und Lehmziegel-Technik. Zum Schutz der ausgegrabenen und im Freuen liegenden Lehmmauern, wurden diese verschalt und Verputzt. Diejenigen in der überdachten Halle wurden jedoch original belassen.

Ausgrabungsgelände

Im Museum sind einige Zeugnisse der Ausgrabungen ausgestellt, die wichtigsten aber stehen in Berlin, in London, in New York, im Museum von Teheran oder befinden sich sogar in Privatbesitz. Komische Welt. Offenbar konnte sich da früher jeder Bedienen.

Für uns ein wichtiger Artefakt ist das Skelett eines Kriegers, der eine Körper-Grösse von gegen 3 m hatte. Unvorstellbar für uns heute. Jedenfalls möchte ich einem solchen nicht unbedingt gegenüberstehen müssen.

Museum von Ekbatana

Ausnahmsweise lassen wir uns von einer Führerin führen. Sie steht einsam und verlassen bei nebligem, kaltem Wetter beim Eingang und wir denken, dass wir ihren Tag mit einem Auftrag erhellen können. Und es lohnt sich, wir erleben eine tolle Führung mit ihr.

Gegen Ende der Tour kommt uns eine Mädchen-Schulklasse entgegen. Wie immer: frisch und fröhlich. Sie erkennen sofort, dass wir Ausländer sind und wollen uns fotogafieren. Das wollen wir dann natürlich auch.

Auf dem Ekbatana Gelände stehen im ehemaligen armenischen Viertel zwei armenische Kirchen. Die „Stephan Gregor Kirche“ wurden unter anderem erbaut von im ersten Weltkrieg aus West-Armenien Geflüchteten. Die Kirche wurde, ohne Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten, gemäss der armenischen Tradition erbaut mit Eingangstüre gegen Osten und grossen Fenstern.
Mit dem Gebrauch der Kirche wurde dann jedoch bald sichtbar, dass der Eingang zum Osten hin wegen des starken winterlichen Ostwindes und die grossen Fenster wegen der Kälte im Winter ungünstig waren.
Deswegen bauten die Armenier direkt daneben ein zweite Kirche nach Vorbild der örtlichen Moscheen, mit geschütztem Eingang Richtung Norden und kleineren Fenstern nur gegen Westen.

Armenische Kirchen

Durch den Bazaar ins Zentrum

Durch den ausgedehnten Bazaar spazieren wir zum Zentrum von Hamadan und weiter zum Grab von Esther und Mordechai.

Grab von Esther und Mordechai

Bekannt sind die Beiden aus dem „Buch Esther“ des Alten Testaments der Bibel. Mordechai war ein Hofbeamter des persischen Königs zur Zeit des Darius des Grossen und Esther die jüdische Gemahlin seines Sohnes Xerxes.
Ekbatana war die Sommerresidenz der Persischen Könige. Viele In den Fels der umliegenden Berge eingehauenen Inschriften und Bildreliefs bestätigen dies.
Mordechai machte sich am Königshof verdient, weil er den König vor einem Komplott warnte, Esther verhinderte ein Massaker an den vielen aus Israel vertriebenen Juden, die damals im Persischen Reich lebten.

Die Grabstätte ist ruhig, es herrscht eine würdige, besinnliche Atmosphäre. Betreten werden kann das Grab nur in gebückter Haltung

Hamadan

Noch Vieles gäbe es in Hamadan zu besichten. Doch auf Grund der Kälte und dem trüben Himmel verzichten wir darauf. Schliesslich haben wir Hamadan vor vier Jahren schon einmal besucht. Wens interessiert:

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