S A M B I A

Lake Tanganjika

Nakonde

Nakonde ist der quirlige und gleichzeitig chaotische Grenzort auf Sambischer Seite. Die Grenzüberquerung von Tansania nach Sambia ist eigentlich einfach und gut strukturiert. Man kann sich hier durchaus auch ohne Hilfe zurechtfinden, da man von den Behörden jeweilen an den nächsten Posten weiter verwiesen wird. Dennoch engagieren wir „Robert“, einen geübten und aufrichtigen Helfer, der uns einiges an Arbeit abnimmt. Mit ihm zusammen können wir, obschon noch nicht offiziell eingereist, auf Sambischer Seite Geld vom Automaten zu holen, ohne welches wir gewisse Zollgebühren nicht bezahlen könnten. Seinen Beziehungen helfen auch, nicht hinter den duzenden von LKW-Fahrern anstehen zu müssen. Die Investition von US$ 20 für Robert hat sich aus unserer Sicht gelohnt – nach drei Stunden am Zoll reisen wir entspannt in Sambia ein.

Unsere erste Nacht verbringen wir auf dem schiefen Parkplatz der einfachen „Wannabees Lodge“. Bei „Crazy Naomi“ (links im Bild), ihrer Schwester und Mutter sind wir gut aufgehoben. „Crazy Naomi“ deshalb, weil Naomi eine dermassen kräftige Stimme hat, dass man sie wohl Kilometer weit hört. Das sei hier Tradition, damit niemand denke, man würde etwas geheimes sprechen. Deshalb also die Lautstärke.

Obschon auf den ersten Blick in Sambia alles eine Stufe weniger entwickelt scheint, staunen wir immer wieder darüber, wie gut das Land organisiert ist. Heute kaufen wir in Nakonde eine Sambische SIM-Karte bei MTN, was in 20 Minuten erledigt ist, laden einen ansehnlichen Betrag hoch, damit wir inskünftig Internet-Daten online selber nachladen können. Sambia ist das erste Land, in welchem wir Internt-Daten mit einer Gültigkeit von 60 Tagen kaufen können. Alles funktioniert auf Anhieb und bis über die Namibische Grenze hinweg vorzüglich.

Um den Polizei Organen unterwegs den Wind aus den Segeln zu nehmen, montieren wir die vorgeschriebenen Leuchtstreifen am Fahrzeug.

Westwärts

Die „Great North Road„, die von Nakonde aus nach Lusaka führt, befindet sich im nördlichen Teil in Auflösung. Mehr Schlaglöcher als Teer. Die vielen Fernfahrer tun einem wirklich leid. Glücklicherweise müssen wir dieser Strasse nur für wenige Kilometer folgen, da wir vorerst in westlicher Richtung, zum Tanganjika See wollen. Die D1 wurde vor einigen Jahren neu geteert und ist gut zu befahren. Leider kommen auch auf dieser Strasse schon zahlreiche Schlagloch-Nester zum Vorschein, die allerdings meistens mit Beton aufgefüllt worden sind. Glücklich fahren wir die 160 Km bis zum nächsten Zwischenziel durch ländliche Umgebung. Nebst der guten Strasse freuen wir uns an den äusserst sauber und nett wirkenden Behausungen der hier heimischen Bevölkerung. Die Menschen sind sehr freundlich, jedoch auch mit einer angenehmen Zurückhaltung. Wir lieben Sambia vom ersten Tag an!

Flower & Fern Campsite

Jackie & Kevin sind Teilhaber einer 18’000 Hektar grossen Farm. Beide sind sie in „Rhodesien“ geboren und wurden dann von Mugabe vertrieben. Jackie betreibt einen einsam und ruhig gelegenen Campingplatz mit einfachen, aber vorzüglichen Einrichtungen, ganz umgeben von afrikanischem Busch.

Der Internetempfang ist hier, so abgeschieden, natürlich nicht der Beste. Wir suchen deshalb einen etwas erhöhten Ort, legen unser „Hot-Spot-Smartphone“ in ein Säckchen und hängen es an einer alten Holzlatte auf. Noch ist der Empfang nicht der Beste, aber doch viel besser.

Hier können wir wieder einmal sorglos Hühnereier direkt von glücklichen Hühnern kaufen – und wir geniessen es ausgiebig. Noch mehr, immer wieder einmal bringt uns die lebensfrohe und gastfreundliche Jackie Gemüse, Kräuter und Zitronen aus ihrem eigenen Garten. Hier auf der Farm können wir sorglos und unbehelligt regelmässige Spaziergänge durch den herrlichen afrikanischen Busch unternehmen. Eine Freiheit, die man nicht überall in Afrika hat.

Die Ruhe und die ungekünstelte und herzliche Gastfreundschaft dieser bodenständigen Menschen, Jackie und Kevin, hat uns tief beeindruckt. Wir fühlen uns so wohl, dass wir insgesamt 14 Tage hier verbringen. Der Sternenhimmel ist seit langem wieder einmal klar und rein, so dass wir die Gelegenheit nutzen müssen. Ja und das Weggehen hier ist nicht ganz einfach, haben wir doch die beiden Lieben in unser Herz geschlossen.

Am Tanganjika See

Über eine Woche verbringen wir am faszinierenden Tanganjika See. Ganz im Süden besitzt Sambia nur einen kleinen Anteil am See. Mit seiner Länge von 670 Km reicht der See von Sambia bis Burundi. Er ist sehr fischreich, der zweittiefste See der Erde und der zweitgrösste See von Afrika. A pro pos Tiefe: der See liegt auf gut 700m.ü.M. und mit seiner Tiefe von bis zu 1470m reicht er etwa 700m unter den Meeresspiegel.

Drei Tage verbringen wir auf dem Camping bei der Nkupi Lodge in Mpulungu. Hier ist es zwar extrem laut, weil von der Bar nebenan lautstark Musik und heisse Rythmen wummern. Doch ab 21 Uhr wird der Betrieb eingestellt und man hört nur noch die Musik anderer Bars im Ort sowie Hunde, Hähne etc.. Zu Fuss können wir von hier aus in wenigen Minuten zum Markt und zum geschäftigen Treiben unten am See gehen, was wir gerne nutzen. Allerdings lassen sich die Sambier nicht gerne fotografieren und freundliche Absagen sind häufig. Dennoch sind uns einige Eindrücke gelungen.

Vom Beobachten der Menschen und des Treibens können wir gar nicht genug bekommen. Wir fühlen uns wohl unter diesen Menschen, werden da und dort auch angesprochen. Früher, auf der Landkarte, war der Tanganjika See für uns ein unerreichbares, exotisches Ziel. Jetzt sind wir persönlich da und können es kaum glauben.

Unweit der Nkupi Lodge stehen auch die Ruinen der Niamkolo Kirche. Durch die Schriften des berühmten Arztes, Afrikaforschers und Missionars David Livingstone kamen um 1880 die ersten Missionare der „Londoner Missions Gesellschaft“ in die Region um Mpulungu. 1895 bauten die Missionare eine grössere Kirche, deren Überreste noch heute zu besichtigen sind. Da damals in Mpulungu und Umgebung die Tsetse Fliege und damit die Schlafkrankheit weit verbreitet war, musste die Kirche nach zahlreichen Todesfällen von Missionaren schliesslich aufgegeben und ins Landesinnere verlegt werden.

Einen ruhigen und romantischen Platz finden wir schliesslich etwas ausserhalb von Mpulungu, beim „Tanganjika Resort“. Die Leiterin des Resorts, „Napanji“, und ihre Mitarbeiterin „Blessing“ freuen sich, dass während den ruhigen Corona Monaten jemand ihre Dienste nutzt. Wir unsererseits geniessen die Gastfreundschaft und die romantischen Abende direkt am See.

An einem der Tage besucht uns eine kleine Gruppe von Kindern – natürlich mit einem der weit verbreiteten Ruderboote. Später feiert hier ein Töchterchen ihren 7-jährigen Geburtstag und natürlich wollen sie uns auch sehen. Wir sie natürlich auch. Die Begegnungen mit den Menschen hier sind etwas ganz Besonderes. Fahren sie mit ihren Booten am Abend oder am frühen Morgen vorbei, grüssen und winken alle fröhlich. Da können wir uns noch gut „eine Portion abschneiden“.

Der Tanganjika Resort liegt auf einer Kiesbank. Durch den um 3m gestiegenen Wasserspiegel hat das Resort etwa 30m Land zum See hin verloren. Landeinwärts ist Sumpf, dahinter die einfachen Häuschen, die die Moslems am Ort gebaut haben und die kostenlos an Christen abgegeben werden, wenn sie zum Islam konvertieren.

Kasama

Etwa 180 Km südlich liegt die Regionalhauptstadt Kasama. Nebst dem Lebensmitteleinkauf für die Weiterreise, benötigen wir Diesel und meine herausgefallene Zahnkrone muss geflickt werden. An drei Tagen drehen wir eine Runde von Tankstelle zu Tankstelle – aber es ist kein Diesel erhältlich. Ein Streik sambischer LKW-Fahrer – so behauptet die Politik – sei an dere Dieselknappheit schuld. Endlich, am dritten Tag sind wir zur rechten Zeit am richtigen Ort und können es kaum glauben, dass unser Tank gefüllt wird.

Und jetzt, ab zum Zahnarzt. Wir nehmen mit der „Telefonnummer“, die man uns gegeben hat, Kontakt auf und landen bei der Zahnarztpraxis „Snowy Hub“ – „Schneeweiss Zentrum“. Die Ausstattung ist aus dem letzten Jahrhundert, die Bohrmaschine jedenfalls fühlt sich im Mund klobig an. Zuerst aber besteht der „Zahnarzt“ darauf, meinen Mund mit vielen Injektionen unempfindlich zu machen, was ihm allerdings nicht ganz gelingt. Ich sage aber nichts, damit er nicht noch mehr zusticht. Nach einer sorgfältiger Prozedur und nachdem er den Zahn mit so etwas wie dem Klebstoff Araldit gefüllt hatte, das unsäglich stank, zog er eine provisorische Krone über. Danach vereinbarten wir, dass ich für das Einsetzen der Porzellankrone in ein paar Tagen, nach der Besichtigung „der Wasserfälle“, wieder vorbei kommen solle. Der zweite Termin fand aber nie statt. Ich hatte nach dem Besuch beim Zahnarzt den Mund voller Aphten und konnte eine Weile lang nicht mehr gut essen zudem überlegte ich mir, wie hygienisch die Einrichtungen wohl alle seien. Also, das Provisorium ist sehr gut, das hält vielleicht sogar bis wir wieder in der Schweiz zum eigenen Zahnarzt gehen können.

Wasser-Reich

Sambia ist ein Wasserreiches Land. Am Wasserreichsten ist die westliche Region des Nordens. Ausgedehnte Sümpfe speisen viele Bäche und Flüsse und über Fallstufen hinunter bilden sich Wasserfälle. Insbesondere zwei dieser Wasserfälle wollen wir sehen, da sie zu den imposantesten des Landes gehören. Die Region gilt auch als wenig erschlossen, was teilweise auch heute noch zutrifft und das sollen wir persönlich zu spüren bekommen.

Also brechen wir an einem wunderschönen und ruhigen Sonntag von Kasama auf. Die erste Etappe nach Mporokoso im Westen besteht aus meist guter Teerstrasse. In Mporokoso sind gerade Wahlveranstaltungen. Unterschlupf gewährt uns eine hochkarätiger Politiker auf dem Parkplatz seiner noch im Bau befindlichen Lodge ohne Namen am Eingang des Ortes.

Anderntags nehmen wir die 100 Km als miserable Piste bekannte D19 von Mporokoso zu den Wasserfällen unter die Räder. Es stimmt, die Piste erlaubt oft nur Geschwindigkeiten von vielleicht 10 Km/h – aber es gibt auch einige bessere Abschnitte, die vielleicht 20 oder 30 Km/h erlauben.

Lumangwe und Kabwelume Falls

Rechtzeitig vor Sonnenuntergang erreichen wir den Eingang zum Naturschutzgebiet. Zwei freundliche Mitarbeiter kassieren den Eintritt und weisen uns ein. Wir verbringen drei Nächte direkt an den Lumangwe Falls und sind einfach nur begeistert. Kaum Touristen, keine fliegenden Händler, nichts mindert das Naturerlebnis, da die Wasserfälle weit abseits touristischer Routen liegen. Einfach nur wunderschön. Tag und Nacht lauschen wir dem Tosen der Wasserfälle.

Auch die Kabwelume Falls sind nicht minder Eindrucksvoll. Sie ergiessen sich über drei Fälle in das tiefer liegende Flussbett. Die Gischt macht ein Fotografieren schier unmöglich, weshalb wir etwas oberhalb stehen bleiben und dieses Naturschauspiel mit Staunen und Ehrfurcht betrachten. Sie viel Wasser, Sekunde um Sekunde – und dies, obschon jetzt Trockenzeit ist.

Schlamm

Heute wollen wir unsere Reise fortsetzen. Vor der Abfahrt kommen zwei Arbeiter zu uns, „es sei da ein Problem“ aber „sie würden dafür sorgen, dass wir eine Umleitung fahren könnten“. Wir fahren etwa einen Kilometer zurück und da, wo wir auf dem Hinweg zu den Wasserfällen einen kleinen Bach durchquert haben, liegen jetzt zwei dicke Zementrohre, die den Bach eindolen sollen. Aber natürlich wurden die Rohre verlegt, ohne die dazugehörige Schotterlieferung, mit welcher die Überfahrung der Rohre möglich wäre. Was waren denn das für Helden, die so etwas zustande gebracht haben! Der Bauleiter hat sich nicht darum gekümmert, ob sich noch Besucher bei den Wasserfällen aufhalten.

Einige Bauarbeiter beginnen, mit Ästen eine Fahrbahn zu legen. Quer zur Fahrtrichtung. Wir schreiten das Gelände ab und denken, „geht schon“. Leider verfügen wir über keine Erfahrung. Die Fahrroute wird besprochen. So schnell es bei diesem unebenen Terrain geht, fahre ich los. Die querliegenden Äste bremsen die Hinterachse ab, wirken wir Keile und unser MAN sinkt bis zur Hinterachse ein. Na, schöne Geschichte.

Heute haben wir grössten Respekt vor diesen einfachen Arbeitern. Unermüdlich graben sie unser Fahrzeug aus, kriechen unter das Fahrzeug und schaufeln und schaufeln – und sie sind sehr lieb zu uns und sie trösten uns. Für uns waren das „Engel“ in Menschengestalt. Noch heute denken wir oft an diese Arbeiter, die draussen im Busch wohnen, kaum etwas ihr Eigen nennen und sich uns und unserer Situation so angenommen haben.

Beim nächsten Versuch geht es wieder 50cm weiter, dann einen Meter, etc. Und schon denke ich, dass wir es bis zum Strässlein schaffen, da bleiben wir wieder stecken, versuchen es erneut, graben uns aber nur noch mehr ein, so dass sich unser MAN beachtlich zur Seite neigt. Ein Arbeiter versucht mit einem Motorrad Hilfe zu holen. Ein „Chinese“ soll einen Traktor haben – der ist aber nicht bereit zu kommen und zu helfen. Die nächste Ortschaft mit Infrastruktur liegt 70 Km entfernt. Niemand verfügt hier über ein Fahrzeug, ausser einem mit einem Moped. Also schwierig, motorisierte Hilfe zu erhalten. Zudem haben wir hier keinen Empfang, können also auch niemanden anrufen.
Da es gleich dunkel wird müssen wir uns entschliessen, in diesem schiefen MAN zu schlafen. Die Mannschaft verabschiedet sich – ob sie morgen wohl wieder auftauchen? 

Punkt 06:00 Uhr stehen die ersten Arbeiter wieder neben unserem Fahrzeug und folgerichtig beginnen sie sogleich, das vordere linke Rad zu untergraben, um das Fahrzeug zu stabilisieren. Die Fahrspuren sind gegraben. Ich lege die beiden Abschleppseile aus, damit die Arbeiter nun vorne ziehen könnten…. Genau in dem Moment erscheint eine Südafrikanische Reisegruppe mit 6 Toyotas – kurzentschlossen wird unser MAN von zwei Toyotas parallel an den Hacken genommen – und wir stehen auf der Strasse. Präzisere Hilfe hätten wir bei entsprechender Planung nicht bekommen können. Gott sei Dank! Alle atmen auf – auch die Arbeiter. Für sie ist jetzt „Zahltag“, den sie sich redlich verdient haben. Und so schnell wie die Südafrikanische Reisegruppe gekommen ist, ist sie auch wieder weg.

Luapula Tal

Auf einer neuen Brücke überqueren wir den Kalungwishi-Fluss, dessen Wasser die Lumangwe und Kabwelume Falls speisen. Überall, wo man anhält, finden sich Menschen ein. Die Neugier (und auch die Hoffnung, etwas zu erhalten) treibt sie an. Aber auch ohne „Geschenke“ bleiben sie stets freundlich und liebenswürdig. Das macht Sambia so angenehm!
Unser heutiges Ziel erreichen wir zumeist auf  gute Schotterpiste: die Ntumbacushi Wasserfälle.
Lustig ist, dass diese im Vergleich zu den vorangegangenen „bescheidenen“ Wasserfälle gleich viel kosten wie die beiden Grossen zusammen, nämlich USD 15 pro Person und USD 20 Camping pro Nacht.

Der Luapula-Fluss entspringt in den Bangweulu-Sümpfen, deren Besuch noch bevorsteht. Er bildet auf vielen Kilometern die Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Sambia. Schliesslich mündet der Luapula in den riesigen Kongo-Strom.
Das Tal ist entlang der Strasse sehr dicht besiedelt. Dennoch macht das Reisen hier Freude, weil die Menschen fröhlich zuwinken – wir natürlich zurück – und ihr Lachen die weissen Zähne aufblitzen lässt. Eine angenehme Zurückhaltung prägt ebenfalls die Begegnungen mit diesen Menschen und einige mögen noch gar nie einen „Weissen“ gesehen haben. Einfachstes Leben – und dennoch fröhlich. Wir sind beschämt. Wie manches „Luxus-Problem“ lässt uns schon „den Kopf senken“?

Reifen-Schock

Unterwegs halte ich an und kontrolliere das Fahrzeug rundherum, auch die Reifen. Was ich da sehe, ist ein kleiner Schock für mich. Einer der Reifen zeigt eine lange Schnittverletzung. Ich untersuche diese, kann aber nur schlecht abschätzen, wie tief der Schnitt geht. Vorsichtig fahren wir nach Mansa, kaufen dort ein und dürfen auf dem Gelände der Katholischen Diözese kostenlos für eine Nacht stehen. Danke!

Bangweulu See

Wir stehen an dem Ort, den uns Reisefreund Thomas genannt hat: die „AJC Beachfront“ am Bangweulu-See.
Der See ist riesig, 4500 Km2 während der Trockenzeit und bis zu 10’000 km2 während der Regenzeit. Allerdings beträgt seine Tiefe lediglich etwa 4m. Der See ist sehr fischreich. Hier wird noch traditionell mit „Einbaum“ gefischt (aber nicht nur). Fotografisch lässt sich der See nicht wirklich in Szene setzen.
Die AJC-Beachfront ist sehr gepflegt und lädt zum Verweilen ein. Offenbar ist es in Sambia Tradition, dass der 7. Geburtstag eines Mädchens gebührend gefeiert wird. Während kurzer Zeit haben wir deshalb Familienanschluss und kriegen auch ein Stück Kuchen.

Bangweulu Sümpfe

Von unserer 210 Km Tagesetappe fahren wir etwa 100 Km entlang und durch die südlichen Ausläufer der Bangweulu-Sümpfe. „Bangweulu“ bedeutet „wo der Himmel das Wasser berührt“. Von Norden her münden etwa 25 Gewässer in die Sümpfe, im Besonderen speist der Chambeshy-Fluss Sümpfe und See. Allerdings verdunsten etwa 90% des Wassers und die restlichen 10% fliessen durch den Luapula ab und damit in den Kongo und weiter in den Atlantik. Die 1200mm Regen, die während der Regenzeit fallen, lassen den Wasserspiegel um einen bis zwei Meter ansteigen.

Die Sümpfe dehnen sich etwa 180 x 250 Km aus und erweitern sich während der Regenzeit bis etwa 45 Km. Kaum zu glauben, aber in den Sümpfen leben Menschen und zwar vom Fischfang und in der Trockenzeit auch vom Ackerbau, da die Erde sehr ertragreich ist. Viele versuchen am Rand der einzigen Strasse ihre getrockneten oder frisch gefangenen Fische zu verkaufen – zu viele bieten das Gleiche an, wie auf vielen Afrikanischen Märkten. Da ist die Konkurrenz natürlich mächtig gross.

Die Brücke, die niemand bauen wollte. Als Sambia die westlichen Länder für den Bau einer Brücke durch die Sümpfe anfragte, meinten die westlichen Länder: „unmöglich“.  Aber die Chinesen bauten die Brücke – sie führt etwa 3 Km lang durch das Zentrum der Sümpfe und überquert den Luapula.

Weiterreise nach Lusaka

Nach einer ruhigen Nacht im Kasanka Community Trust Campsite gelangen wir bald an die „Great North Road“, die nun zügig zu befahren ist. An der Strecke nach Lusaka kehren wir seit Langem wieder einmal ein.  Im „Fig Tree Caffe“ geniessen wir einen wunderbaren Cappuccino und Heidelbeer Muffins. Köstlich.
Weiter südlich hat uns „Jackie“ vom Flower & Fern Campsite die Metzgerei „Trotters“ empfohlen, wo wir gerne Fleisch einkaufen, bevor wir in Lusaka unseren „Privat-Campingplatz“ beziehen.

Süd Luangwa

Lusaka

Jackie vom Flower & Fern Campsite im Norden von Sambia hat uns zu ihren Freunden nach Lusaka geschickt. Angus und Caroline bieten auf ihrem riesigen „Afrika-Busch“ Grundstück ein Cottage und einen Platz zum Campen an.
Da gegenwärtig die Corona-Fallzahlen sehr hoch sind, vor allem natürlich in der Sambischen Hauptstadt, sind wir dankbar, etwas ausserhalb stehen zu können. Hier in der Umgebung sind selbst junge Menschen nach kürzester Zeit der Corona-Infektion erlegen. Deshalb heisst es für uns Ungeimpfte, vorsichtig zu sein.

KN-Cottage & Campsite liegt im Nord-Osten von Lusaka, etwa 20 Fahrminuten von angenehmen Shopping-Malls entfernt. Ideal für uns. Aus der anfänglichen Kundenbeziehung wird im Verlaufe der Tage so etwas wie eine Freundschaft. Wir haben es wieder einmal sehr gut getroffen. Ich kann mir endlich die Zeit nehmen, mein „Autofenster-Stativ“ zusammen zu bauen.
Angus und Caroline unterstützen uns, wo sie nur können, zuerst haben wir aus der Schweiz fotografische Utensilien mit DHL nach Lusaka schicken lassen – Angus und Caroline kümmern sich darum und wir erhalten das Paket ohne jegliche Zollzahlung. Dann hilft uns Angus bei der Reparatur des Reserverad-Krans am Heck des Fahrzeugs, während Caroline für uns eine Reifenwerkstatt ausfindig macht.

Und wenn wir morgens früh wegfahren, wird uns heisser Kaffee serviert!

KAL Tyres

Ist ein internationaler Reifen- und Felgen Anbieter für Minen- und Offroad Fahrzeuge. Wir fahren zu der von Caroline genannten Adresse und finden zu KAL Tyres. Hier lassen wir die beschädigten Reifen gegen unsere noch guten Ersatzreifen tauschen und lassen die vorderen Reifen auf der Felge drehen, damit sie sich gleichmässiger abgenutzen. Die Mitarbeitenden sind nicht nur sehr freundlich, sondern arbeiten effizient, sauber und sehr fachmännisch. Zum Beispiel pumpen sie die Reifen mit den gefährlichen Sprengringfelgen in einem Käfig auf, unterstellen das Fahrzeug sauber etc. Jedenfalls fahren wir sehr zufrieden vom Hof.

MAN Lusaka

Etwas weniger kompetent geht es bei der offiziellen MAN-Vertretung in Lusaka zu und her. Es stehen viele LKW’s herum, die auf Ersatzteile warten. Wir lassen hier unser Fahrzeug abschmieren und einen Ölwechsel durchführen. „Vertrauensvoll“ lässt der Mechaniker schon mal das alte Motoröl aus der Wanne ablaufen, obschon gar kein neues vorhanden ist und zuerst noch beschafft werden muss. Am Ende klappt dann doch alles.
Einer unserer Kollegen hat hier die Achswellendichtungen auswechseln lassen – und war dadurch ein halbes Jahr blockiert, weil weder die Ersatzteile, noch die benötigten Werkzeuge, noch die Fachkenntnisse vorhanden sind.

South Luangwa

Schon seit Langem freuen wir uns auf den für seinen Tier-Reichtum bekannten Süd Luangwa Nationalpark. Deshalb nehmen wir die gut 700 Km in nord-östlicher Richtung unter die Räder. Kurz hinter Lusaka wird die schöne Teerstrasse wieder schlecht und ist durchsetzt mit vielen und grossen Schlaglöchern, die nur ein langsames Vorwärtskommen erlauben. Nach dem ersten Drittel, ab der Brücke über den Luangwa-Fluss, wird die Strasse plötzlich zum angenehm befahrbaren Highway.
Übernachtungsmöglichkeiten unterwegs gibt es nicht viele. Da wir gut 300 Km an einem Tag schaffen, bietet sich uns der Parkplatz einer einfachen Lodge in Nyimba an.
In Chipata lassen wir unser Visum zum zweiten Mal verlängern. Die Immigration Offizierin lädt uns freundlich ein, nochmals 3 Monate im Land zu bleiben.
Doch unser heutiges Tagesziel ist nun endlich der Süd Luangwa Nationalpark, wo wir auf dem „Wildlife Camp“ stehen.

Wildlife Camp

Das Wildlife Camp liegt direkt am Luangwa Fluss, der hier die Grenze zum Nationalpark bildet. Da es hier keinen Zaun gibt, kommen die Tiere auch auf den Camping Platz. Deshalb ist das Wildlife Camp auch so beliebt. Wir stehen auf Platz 8, direkt am Fluss und erleben jeden Abend einen unterschiedlichen Sonnenuntergang. Da wir nur drei naturverbundene Camper sind, ist die Atmosphäre sehr ruhig und entspannt.

Game Drive

Zu Deutsch: Pirsch-Fahrt. Diesmal buchen wir insgesamt drei Pirschfahrten mit einem eigenen Führer, weil wir uns davon mehr versprechen, wie wenn wir – im Gebiet unbekannt – selber fahren würden. Zwei Pirschfahrten am Morgen und eine am Nachmittag / Abend. Als wir in den Park einfahren, haben wir den Eindruck, dass der Luangwa Nationalpark „leer“ ist. Jedenfalls erleben wir nicht die beeindruckende Tierfülle, wie diese in der Werbung versprochen wird. Und das bleibt auch mit der dritten Pirschfahrt so. Im Besonderen sehen wir vergleichsweise sehr wenige Elefanten, nur Einzelpaare und diese sind klein gewachsen, nicht wie die stattlichen Elefanten z.B. im südlichen Afrika oder in Kenia. „Der Park sei während der letzten Regenzeit so überflutet gewesen, dass viele Tiere ausgewandert seien“ sagt man uns „die Tiere würden bis zum Herbst wieder zurück kommen“. Aber selbst ein erfahrener Wild-Fotograf äusserte dazu seine Zweifel.

Trotzt allem können wir drei junge Löwen beobachten, einen davon sogar beim Knabbern an der Fluss-Pferd-Beute. Während der Abendfahrt erleben wir einen Leoparden beim Jagen. Doch wird er durch ein anderes Fahrzeug gestört und das Erlebnis für den Leoparden und uns bleibt aus.

Nachdem eine Südafrikanische Gruppe das Wildlife Camp „überschwemmt“ ist es mit der Wildnis-Stimmung ganz vorbei und wir verlassen den Süd Luangwa Nationalpark früher als geplant und fahren die gut 700 km wieder zurück nach Lusaka.

Victoria Falls

Die Victoria Wasserfällen an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia gehören wohl zu den spektakulärsten Wasserfällen der Erde. Der im Westen von Sambia entspringende Sambesi Fluss fällt hier auf einer Breite von insgesamt 1700 Metern über 100m in die Tiefe.
Je nach Jahreszeit fliessen die Wassermassen durch die Fälle. In der Trockenzeit trockener Jahre trocknen die Fälle auf der sambischen Seite aus, während der Regenzeit ist die Gischt so stark, dass man die Fälle kaum sehen und fotografieren kann.

Frühmorgens sind wir auf sambischer Seite an den Fällen. Sie sind in der Tat sehr beeindruckend . Doch an das Naturerlebnis der Lumangwe- und Kabwelume Falls im Nordwesten Sambias kommen sie bei Weitem nicht heran. Einerseits werden die Fälle zu stark touristisch vermarktet, andererseits hindern die allgegenwärtigen Händler und Fremdenführer, derer man sich dauern erwehren muss, das Naturerlebnis.

Durch den Engländer Dr. David Livingstone, Arzt, Forscher und Missionar, wurden die Victoria Fälle ab 1855 berühmt. Aber schon 140 Jahre vorher zeichnete ein „Nicolas de Fer“ eine genaue Karte von den Victoria Fällen.

Waterfront Camp

Wir campieren für einige Tage auf dem bekannten „Waterfront Camp“, das direkt am Sambesi liegt, von hier aus bereiten wir uns für die Ausreise aus Sambia vor. Im Besonderen benötigen wir wieder einmal einen PCR-Test, um nach Namibia weiter reisen zu können. Am Ufer des Sambesi liegen mehrere Boote vor Anker, die vor der Corona-Zeit jeden Tag viele Touristen auf dem Sambesi befördert haben.

Durch den Engländer Dr. David Livingstone, Arzt, Forscher und Missionar, wurden die Victoria Fälle ab 1855 berühmt. Aber schon 140 Jahre vorher zeichnete ein „Nicolas de Fer“ eine genaue Karte von den Victoria Fällen.

Livingstone – Kazungula – Sesheke

Nach 48 Stunden erhalten wir den negativen PCR-Test von einem Labor in Livingstone. Die ersten einhundert Kilometer von Livingstone bis Kazungula ist gute Teerstrasse. In Kazungula bleiben wir beim Hotel „Treffpunkt“ noch einmal über Nacht. Ein Einheimischer verbrachte einmal einige Jahre in Deutschland, weshalb er auf die Idee kam, sein Hotel Treffpunkt zu nennen, was ihm in der Tat viele westliche Touristen zuträgt.

Den nächsten Tag verbringen wir mit Herumkurbeln, schalten, bremsen, gas geben, etc., denn 90 der insgesamt 140 Km nach Sesheke sind in miserablem Zustand. Mehr Loch als Strasse.
Rechtzeitig am Abend erreichen wir Sesheke, wo wir eine letzte Nacht auf sambischem Boden bleiben, und zwar bei der Lodge von „Brendas Best Baobab“. Leider ist Brenda im vergangenen Jahr gestorben und es herrscht eine eher traurige Athmosphäre bei der Lodge.

Die Ausreise aus Sambia und die Einreise nach Namibia am 2. August 2021 gestaltet sich sehr einfach. Freundliche und kompetente Abfertigung auf beiden Seiten.

Fazit Sambia

Sambia reihen wir ein unter die für uns wunderbaren Länder, in welche wir jederzeit gerne wieder zurück kehren würden. Die Menschen sind aufgeschlossen, sehr freundlich und fröhlich, trotzt teilweise grosser Armut. Selbst wenn man einmal angebettelt wird, so sind sie keineswegs aufdringlich. In Sambia haben wir uns rund um wohl und sicher gefühlt. Auch die Polizei und die Behörden waren uns gegenüber stets korrekt. Wir können sagen, dass wir Sambia und die Sambier lieben gelernt haben.

Nun wünschen wir den Sambiern mit dem neuen Präsidenten, dass sich ihre zum Ausdruck gebrachte Sehnsucht nach Änderung auch erfüllt.

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8 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Freddy Schulthess
    27. Oktober 2021 15:06

    Hello Ihr beiden Lieben, Schon eine Weile nichts mehr gehört von Euch. Ich machte mir schon Sorgen. Aber nach den Bildern auf Instagram, kann ich mich wieder beruhigen. Ich freue mich über jeden kleinsten Bericht von Euch und hoffe doch, dass Ihr bald wieder einmal in der Schweiz auftauchen werdet……….Ganz liebe Grüsse und eine feschte Umarmung…..Freddolo

    Antworten
  • well done! Ausbuddeln mit Toyos, na ja 😉
    ganz liebe Grüsse und hoffentlich bis in Bälde.
    Gabi&Peter

    Antworten
  • Ganz vielen Dank, tönt wie ein Krimi, eure ausweglose überquerung einer kleine Pfütze.
    LG Hermann

    Antworten
  • Vreni&turi Bachmann
    13. August 2021 22:16

    Hallo Ernst, hallo Vreni,
    spannend Eure Berichte und Fotos. Nicht immer einfach die Grenzübertritte, aber ich denke mit jedem weiteren bekommt ihr mehr Übung und werdet auch immer raffinierter.
    Warum der Wasserspiegel des Tanganjikasees um 3m gestiegen ist verstehe ich nicht, haben sie dort doch keine schmelzenden Eisberge.
    Eine behütete und frohe Weiterfahrt wünschen Euch Vreni&turi

    Antworten
  • LIeber Ernie,
    wieder ein Super Bericht mit fatastiscshen Fotos,
    Alles sehr abenteuerlich und interessant.
    ganz vielen Dank und gute Weiterreise. Hermann

    Antworten
  • Freddy Schulthess
    11. August 2021 21:04

    Hallo Ihr beiden…….Wie toll Ihr hier alles beschreibt, man könnte beinahe meinen es sei das Paradies……ich meine…ist es auch…denn hier ist ja so viel los, sodass es ein Wohltat für mich ist Euch zu lesen und zugleich auch zu begleiten. Ich glaube, auch ich wäre glücklich mit Euch zu reisen, denn es sieht alles so ruhig aus und nichts ist hecktisch. Nun ich wünsche Euch nur das Beste auf der Weiterreise und grüsse Euch aus der Schweiz… Freddy aus Cortaillod

    Antworten
  • Araldit ist sehr gut für den Zahnstein! Gut dabei ist, dass er die Wurzel auch zerfrisst und du so nicht mehr leiden musst! 😉
    Wir freuen uns, dass es euch gut geht und dass alles klappt, hoffentlich auch in Namibia!
    lgPegasus-unterwegs-Team

    Antworten
  • Ulrich Faust
    10. August 2021 18:16

    Nur großartig eure Berichte. Danke! Möge die „Krone“ halten! Alles Gute weiterhin euch beiden!

    Antworten

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