S U D A N

Rotes Meer

Block XY

Fotografie:

Khartum

Revolution

Verena Schulthess

Der Norden

Aufbruch

Nord-Ost

Rotes Meer

Suakin – Sudan

Über Nacht durchquert unsere Fähre „MV RAHAL“ der Namma Shipping Lines das Rote Meer Richtung Sudan. Wieder haben wir eine Gewitterfront erwischt, sitzen in unserer Kabine aber am Trockenen. Die MV RAHAL wurde 1972 in Deutschland gebaut und war dann im Dienst von Finnlines. Mit 47 Jahren versieht sie also noch den Passagier- und Ro-Ro Dienst von Jeddah nach Suakin. Mit einer Länge von etwa 100m und einer Breite von 17 Metern ist sie nur etwa halb so gross, wie die grossen Fähren von Italien nach Griechenland. Überall sitzen und liegen die Sudanesen. Die wenigsten können sich eine der elend schmalen Kabinen leisten. Bei uns ist das WC defekt und stinkt, Dusche ist keine mehr vorhanden. Nichts desto trotz haben wir eine gute Nacht hinter uns. Bis wir in Suakin ankommen, dauerts aber noch. Wir haben etliche Stunden Verspätung, das sehen wir auf Grund der Position auf unserem Navigationsgerät. Man sei langsam gefahren wegen der Passagiere, ist die Erklärung – wir glauben eher wegen der Ladung, denn die Fahrzeuge sind nicht vertäut.

Die Einreise ist eigentlich ganz einfach und dauert maximal 2 Stunden. UNsere Pässe wurden uns auf dem Schiff abgenommen und nicht wieder rückerstattet. Die seien jetzt bei der Immigration. „Ich gehe aber nicht ohne meinen Pass zur Immigration – ich weiss nicht mal, werd den Pass überhaupt hat“. Nachdem wir irgend eine „Gebühr“ bezahlen müssen (es war die Bill of unloading) begleitet uns ein Schiffsoffizier zur Immigration und hilft bei der Suche nach unseren Pässen. Ah, da sind sie ja, liegen in einem Kabäuschen mit vielem Papier herum.

Die Immigration Abfertigung geht schnell vor sich. Bald schon ist der Stempel im Pass. Das kostet aber – aber wir hatten ja noch keine Gelegenheit, Geld in Sudanesische Pfund zu wechseln. Ich gebe dem Zöllner eine Saudische Ryal Note – er geht sie für uns wechseln und rechnet mit uns danach detailliert ab. Die Fahrzeugabfertigung ist eine andere Geschichte. Wir müssen zu einem eingezäunten Gelände vorfahren, dürfen da aber nicht hinein. Hier nimmt uns ein weiss Gewandeter unser Carnet ab und da für uns die Menschen hier alle gleich aussehen, verlieren wir irgendwie die Kontrolle. Irgendwann werden wir dann aber doch in den Zollhof eingewiesen. Ein Beamter schaut sich das Fahrzeug interessenhalber innen an und ist zufrieden. Nun wenden und wieder hinausfahren. Wieder warten. Endlich sind die nötigen Stempel gemacht und wir müssen an einer Bretterbude die Hafentaxe begleichen. Der Agent in Weiss verlangt 100 US$ für seine Dienste. Ich protestiere und sage ihm, das sei viel zu viel für das Preisniveau hier. Anstatt der verlangten 370 saudischen Ryal gebe ich ihm 275 Ryal. Schliesslich meint er, Geld sei ja nicht alles, steigt in seinen Mercedes „G“ und fährt davon. Und auch wir fahren aus dem Hafen raus und nach dreimal Umfallen rechts bis zum Wasser. Hier, neben einer Kantine gibt es einen sandigen Platz direkt am Wasser, der sehr ruhig ist.

Port Sudan

Obschon Port Sudan der einzige grosse Hafen des Sudan ist und eine Millionenstadt sein soll – die grösste, nach Khartum – spüren wir nichts davon. Port Sudan wirkt eher wie eine Provinzstadt. Wahrscheinlich wohnen die Millionen Einwohner in den dürftigen Wohnorten am Rande der Stadt. Diese Region ist die Stammesregion der Beja-Nomaden. Einen Monat zuvor haben die Beja in der Stadt Angehörige anderer Stämme massakriert, ganz Schlimme Sachen, die ich hier nicht schreiben möchte. Dabei sind 22 Menschen gestorben und viele verletzt worden. Da aber die Stadt militärisch gesichert ist, fühlen wir uns sicher in dieser Stadt.

Wir sind in einer ganz anderen Welt angekommen. Wahrhaftig Afrika! In Port Sudan kaufen wir eine SIM-Karte von MTN, wechseln Geld (1 US$ = 80 Pfund) und kaufen Lebensmittel ein. Das braucht seine Zeit durch den dichten Verkehr. Doch schaffen wir es am Abend noch rechtzeitig bis zum Sudan Red Sea Resort, 30 Km ausserhalb der Stadt.

Sudan Red Sea Resort

Gibt’s den Resort überhaupt noch? Alls was wir von Weitem sehen wirkt heruntergekommen. Doch, wahrhaftig, wir werden durch einen jungen Typen freundlich begrüsst. Wir dürfen hier Campen. In der Nacht sind wir mit einigen erbärmlich heulenden Hunden und Katzen, alleine. Tagsüber kommen teilweise wenige Besucher hierher zum Pick Nick. Wir wollen hier eigentlich unsere Webseite nachführen, haben aber leider mit MTN hier keinen Empfang. Deshalb werden Bilder bearbeitet und Wäsche gewaschen. Wasser dürfen wir direkt von der Zisterne auffüllen. Glücklicherweise haben wir ein Reservesystem zum Füllen in solchen Situationen dabei, da kein Wasserhahn über den nötigen Druck verfügt. Und glücklicherweise haben wir ein Wasserreinigungssystem an Bord. Zum Schreiben einiger Emails bietet und der Platzwart einen Hotspot über sein Telefon.

Fahrt nach Khartum

Auf Grund des mangelnden Internetempfangs beschliessen wir, uns auf den Weg nach Khartum zu machen. Die über 750 Km schaffen wir trotz streckenweise schlechter Strasse in zwei Tagen. Sind danach allerdings ordentlich erschöpft. Vor Atbara, mitten in der Wüste, viele hundert Fässer von Diesel – hier ist der Diesel Schwarzmarkt zu Hause.
Nach Atbara folgt eine Polizeikontrolle nach der anderen. Mehrfach erleben wir es, dass uns einer der Polizisten durchwinkt, ein anderer uns aber aufhält und zur Seite fahren lassen will. Ich weigere mich aber zur Seite zu fahren und bin auch nicht bereit, irgend einen Betrag zu bezahlen. Steht man mal an der Seite, kann das dann ordentlich dauern und man  ist ausgeliefert. Nur bei der Militärkontrolle folge ich den Anweisungen. Die verhalten sich aber auch sehr korrekt und lassen uns sofort weiter fahren. Etwa 40 Km vor Khartum beginnt Khartum. Der Verkehr wird anspruchsvoller und dichter. Viele Menschen auf der Strasse und die Fahrzeuge dicht an dicht. Ein Wunder, dass wir ohne Kratzer bis zum Blue Nile Sayling Club, wo wir stehen werden, durchkommen. Doch zuvor ist die Brücke über den Nil geschlossen. Als wir auf die nächste Brücke abbiegen wollen, dirigiert ein Polizist alle LKW’s in eine andere Richtung. Da wir nicht ortskundig sind bestehe ich aber darauf, über diese Brücke fahren zu können. Nach 5 Minuten dürfen wir und erreichen den Sailing Club kurz nach Sonnenuntergang. Doch davor gilt es noch unter einer Brücke hindurch zu fahren, deren Durchfahrt bestimmt nur 3 cm höher ist als unser MAN. Sind wir froh, da unten durch gekommen zu sein…von den vielen Bäumen, deren Äste wir streifen ganz zu schweigen….

Khartum

Khartum liegt am Zusammenfluss des aus dem Viktoriasee kommenden weissen Nil und dem aus Äthiopien strömenden blauen Nil. Die Hauptstadt ist Heimat einer Bevölkerung von etwa 2,7 Mio Menschen. Die gesamte Agglomeration mit den Städten Ombdurman und Bahri (Nord Khartum) wird von über 8 Mio Menschen bewohnt.

Der Blaue Nil im goldenen Abendlicht. Zusammenfluss der beiden Nil, links weisser Nil, rechts blauer Nil.

Strassenverkehr

Fährt man von Atbara herkommend in die Stadt hinein, beginnen die ersten Vororte schon etwa 40 Km vor dem Stadtzentrum. Zwar ist die Zufahrt in jede Richtung zweispurig, da die rechte Spur jedoch oft zum Parkieren und Anhalten genutzt wird steht letztendlich nur mehr oder weniger eine Spur zur Verfügung. Im Bereich von Märkten und Drehkreuzen, die man durchfährt wird der Wirrwar aus Fahrzeugen Tuk-Tuks und Fussgängern komplett. Oft sind es seitlich nur wenige Zentimeter von unserer Stossstange zur nächsten Karosserie – auf beiden Seiten. Selbst kleine PKW versuchen, uns LKW abzudrängen um schneller vorwärts zu kommen und die Sprichwörtliche Freundlichkeit der Sudanesen kann sich im Strassenverkehr schon mal in ein zorniges Hupen oder Rufen verwandeln. Im Besonderen am Nachmittag, wenn alles wieder nach Hause will, stehen die Fahrzeuge kreuz und quer und das Vorankommen bemisst sich zeitweise in (etwas übertrieben) Zentimetern.

Nicht genug der Anstrengung im Stadtverkehr. Polizisten können einem aus für uns unerfindlichen Gründen plötzlich von unserer geplanten Rute umleiten (wir setzen uns dann aber zur Wehr). Ich bin auch zwei, drei mal einem Polizisten davon gefahren, da eine Signalisation fehlt und deren Kommandos für uns oft unergründlich sind – ja und als Fremder kennt man sich in der Stadt ja nicht aus.

Tief hängende Äste von Bäumen sind besonders am Nil ein Problem, wie auch einige Brücken, bei welchen man schon die Durchfahrtshöhe messen muss, um sicher zu gehen, dass man nicht hängen bleibt.
Das schlimmste aber sind offene, tiefe Schächte und Kanäle, manchmal auch mitten in der Strasse oder hart am  Strassenrand. Deshalb auch als Fussgänger jederzeit ein Auge offen behalten.
Diesel ist nicht einfach zu bekommen. Auch wir mussten suchen und haben eine uns „wohlgesonnene“ Tankstelle gefunden, die uns einmal 100 Liter und ein zweiter Mal 150 Liter verkauft hat. Aktuell hoffen wir, dort 200 Liter für die Weiterreise nach Äthiopien zu erhalten.

Nachdem wir nun mehrfach mit unserem MAN durch die Stadt gefahren sind zum Diesel Tanken und Einkaufen, ist es uns verleidet und wir haben einen jungen, seriösen Taxifahrer gefunden, der uns herrlich chauffiert und seine Preise fair ansetzt. Moueyd ist sein Name und er gehört zu den wunderbaren Menschen hier im Land.

Emotionale Momente

Wir stehen auf dem Parkplatz des „Blue Nile Sailing Club“ – am blauen Nil, am Rande des Stadtzentrums. Hier und in der Stadt erleben wir erstaunliche emotionale Momente.

Revolutions-Tag

Am 19. Dezember 2019 jährte sich der Beginn der Revolution zum ersten Mal. Da am darauffolgenden Tag eine Gegendemo angesagt wurde, verlegen wir unsere Basis zu einer der Kirchen in der Stadt. Das Verkehrsaufkommen ist indessen bereits gewaltig und das Militär leitet uns immer wieder um. So sind wir über zwei Stunden für eine Strecke von 14 Km unterwegs – inmitten von laut jubelnden und singenden Menschen. Die ganze Stadt wiederhallt die Jubelrufe. Wir werden mit fortgerissen, zeigen unsere Begeisterung durch Hupen und Winken. An uns zieht ein mit Jugendlichen beladener LKW langsam vorüber deren Jubelrufe uns betreffen. Sie Jubeln laut in die Nacht hinein: „Danke Abdalla Hamdok (neuer Premierminister), dank dir kommen jetzt solche Ausländer zu uns„!

Weihnachten

Wir dachten nicht mal an Weihnachten, geschweige denn an eine feierliche Weihnachten. Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest beschloss die Sudanesische Regierung den 25. Dezember als offiziellen Weihnachtsfeiertag. Soweit so gut. Am Heiligen Abend des 24. Dezember erschallt plötzlich laut und deutlich orchestrale Weihnachtsmusik aus Lautsprechern von der gegenüber liegenden Katholischen Kirche durch den Verkehr zu uns herüber. Den ganzen Abend, bis tief in die Nacht hinein verströmt diese Musik eine feierliche Stimmung um uns herum. Am frühen Morgen des 25. Dezember ertönt diese Musik nochmals. Der Höhepunkt war dann das mächtige Glockengeläut, das den Weihnachtstag einläutete. Bei dieser Gelegenheit wurde der Raclettekäse aus dem Tiefkühler geholt und natürlich auf dem Zweipersonen-Kerzen-öfeli zubereitet. So hatten wir dann doch noch ungeplant etwas Weihnachten und Weihnachtsstimmung.

Maschinengewehr und Bomben

Es ist der 14. Januar. Die MAN Werkstätte in Khartum ist der Hammer. Sehr freundlich und wir haben den Eindruck, dass auch professionell gearbeitet wird. Aber bevor die Arbeit beginnt, gibt es 9 Uhr Pause. Nach langem Warten erscheint unser Mechaniker wieder, aber erst mal mit zwei grossen Hühnchen-Sandwiches und Getränken für uns. Die darauffolgenden Arbeiten überwachen wir gewohnheitsgemäss. Soweit so gut.

Warum sind alle die Strassen so verstopft? Wir biegen schliesslich in die Nilstrasse ein und wundern uns über massives Polizeiaufkommen. Was ist denn hier los?. Wir parken beim Sailing Club an unserem Standplatz ein und hören laut und deutlich Maschinengewehr Geratter. Denken zuerst, dass da wieder ein Feuerwerk oder eine Hochzeit sei, bis wir die ersten Bomben detonieren hören.

Tatsächlich, am gegenüberliegenden NIL-Ufer wird gekämpft, nicht im Fernsehen, sondern real. Vom späten Nachmittag bis tief in die Nacht hinein Maschinengewehre und gewaltige Bomben Detonationen. Wir erkundigen uns bei einem Bekannten, versuchen auch unsere Sicherheit zu checken, aber die Verantwortlichen des Sailing Club sind abwesend. Die Geheimdienst Organisation des ehemaligen Präsidenten Bashir verübte einen bewaffneten Aufstand, der glücklicherweise von der Armee in dieser Nacht niedergeschlagen werden konnte.
An drei verschiedenen Orten wurde gekämpft, am gegenüberliegenden Nil-Ufer sowie um den Flughafen. Alles nur wenige Km von unserem Standort entfernt.

The Polyclinic

In einer der verwinkelten und unscheinbaren Gassen befindet sich hinter hohen Mauern eine kleine aber feine Polyclinic, die heute unter dem Dach der Episkopal Kirche betrieben wird. Viele der täglich etwa 150 bis 200 Patienten sind Inlandvertriebene und Opfer der Bürgerkriege von Darfur und im Südsudan. Sie leben weit weg am Stadtrand in meist ärmlichen Verhältnissen. 2/3 der Patienten sind Kinder und Frauen.
Die Klinik wurde zur Zeit der englischen Besatzung gegründet und nach dem Abzug der Engländer von Schweizern weiter geführt. Im Jahr 2013 verfügte das damalige Regime die Ausweisung der Schweizer innerhalb weniger Tage. Dass die Polyklinik heute noch besteht ist unter anderem dem Umstand zu verdanken, dass gerade zu dieser eine kompetente einheimische Leitung ihre Arbeit aufnehmen konnte.

Wir durften die Klinik ausführlich besuchen. Ein weiterer Höhepunkt auf unserer Reise durch den Sudan.
Weitere Informationen stellen wir baldmöglichst auf einer separaten Seite zur Verfügung.

AbuRof Klinik Video Impressionen

Der Norden

Eine starke Erkältung hält uns in Khartum fest. Am 3. Januar haben wir aber die Nase voll davon und machen uns auf den Weg in Richtung Norden. Wir wollen mehr vom Sudan sehen. Unser erstes Ziel ist Old Dongola. Dazu müssen wir zuerst die Wüste bei wüstem Wetter durchqueren. Ein starker und kalter Nordwind weht. Er bläst ständig Sand und Staub über die Landschaft und die Strasse und trocknet die Luft noch mehr aus, als sie schon ist.

Vor Old Dongola überqueren wir erstmals den mächtigen NIL, der durch die Sandwüste fliesst. Oft auf beiden Seiten mit einem mehr oder weniger breiten fruchtbaren Gürtel begleitet, der den Menschen hier einen bescheidenen Wohlstand beschert.

Old Dongola

Old Dongola wurde um 500 n.Chr. als Festung gegründet und entwickelte sich schon bald zu einer Wehrhaften Stadt mit strategische guter Lage am Nil. Bis zum Einmarsch der Araber im 13. Jahrhundert, die den Islam ins Land brachten, war Old Dongola Hauptstadt des bis Atbara reichenden christlichen Königreichs Makuria.  Das Christentum war somit schon etwa 800 Jahre vor dem Islam im Land.

Das Ruinenfeld ist weitläufig mit nur wenigen Zeugnissen zudem durchsetzt von Ruinen einer späteren islamischen Siedlung und einem islamischen  Friedhof mit seinen Kuppelgräbern. Und natürlich geschieht es gleich hier, wir sanden ein, können uns aber in zwei Anläufen mit den Sandblechen wieder befreien.

Das auffallendste Gebäude ist der „Thronsaal“, ein massives Gebäude auf einem Felsvorsprung, das die Jahrhunderte überdauert hat. Von hier oben geniesst man eine schöne Sicht auf den Nil und die angrenzenden Palmgärten.

Ausgegraben wurden in Old Dongola auch erste Kirchen, die für die christliche Ära stehen. Die „Granit-Säulen-Kirche“ wurde im 7. Jahrhundert über einer Vorgängerkirche aus Lehm mit massivem Granit gebaut. Auf dem Gelände befinden sich Fragmente weiterer Kirchen und von mehrstöckigen Villen.

El Kurru

Versteinerter Wald

Biegt man bei El Kurru, etwa 8 Km vor Karima, auf eine Piste in Richtung Wüste ab, gelangt man nach etwa 3 Km zu einem versteinerten Wald, der durch Erosion langsam freigelegt wird. Wir sind überrascht, einen so „dichten“ versteinerten Wald im Sudan zu finden. Die Überbleibsel dieses „Waldes“ faszinieren uns, auch der (noch) einsamen Lage wegen. Hoffen wir, dass das noch lange so bleibt. Beim Licht der goldenen Abendsonne streifen wir durch das Gelände und sehen ganze Stämme aus dem umgebenden Kies / Sand herausschauen. Da und dort scheint es, wie wenn jemand Holzscheite für den Winter zubereitet hätte. Die Absolute Ruhe und das leise Säuseln des Windes verstärken die Stimmung. Wir sind in unserem Element und wir rätseln, wie es hier ausgesehen haben muss, als die Umgebung noch richtig bewaldet war.

Gräber

Bei El Kurru liegen einige Gräber früherer Herrscher der nubischen Stadt Napata. Die ältesten Gräber werden auf etwa 860 vor Christus datiert. Damals war der Bau von Pyramiden noch nicht the State of the Art.
Eines der Gräber dürfen wir besichtigen. Durch eine kleine Öffnung an der Frontseite eines tonnenförmigen Gewölbes geht es hinein und eine steile Treppe führt mehrere Meter hinunter in den Fels, wo die Grabkammer liegt. Leider funktioniert die Beleuchtung nicht und wir sehen das Grab nur im Licht einer Taschenlampe. Es ist eindrücklich bemalt und mit Hieroglyphen beschriftet.
Die weiteren Gräber sind für Touristen geschlossen, das UNESCO Kulturerbe zeigt sich etwas spärlich.

Karima

Berg Barkal und die Pyramiden

Der *heilige* Berg Barkal ist von weitem Sichtbar. an seinem Fuss liegt eine Tempelanlage, die dem antiken Gott Amun geweiht war. Ebenfalls am Fuss des Berges liegt eine Pyramidenanlage, wie sie für das Land „Kusch“ typisch ist. Die hiesigen Herrscher – die „Schwarzen Pharaonen“ dehnten ihren Einfluss bis nach Oberägypten aus.
Die Pyramiden lösen eine natürliche Faszination aus. Hier treffen wir auch auf eine Gruppe junger Sudanesen, die uns später per Whatsapp spontan auf den nächsten Morgen zum „Frühstück“ einladen.

Zu Besuch bei der Tante

Anderntags besuchen wir die Sudanesen, die wir bei den Pyramiden getroffen haben, zum Frühstück um 11 Uhr. Unser MAN kann schön zeigen, dass er auch in die schmalen Gassen einer Sudanesischen Ortschaft passt. Das „Frühstück“, das die Tante zubereitet hat, gleicht schon eher einem Mittagessen. Das Fladenbrot wird mit drei Fingern der Rechten Hand in die Bohnensauce getaucht, auch die anderen Gemüse, etc. werden so aufgenommen und in den Mund gesteckt. Es schmeckt ausgezeichnet. Immer wieder werden wir spontan zum Essen eingeladen, so gastfreundlich sind die Menschen im Sudan. Einfach unglaublich, diese spontane Gastfreundschaft.

Später werden wir zu einem Bummel durch die Palmengärten bis zum Nil begleitet. Wir dürfen die „Stallungen“ innerhalb einer Lehmmauer ansehen. Eine Kuh mit ihrem Kalb, einige Hühner, zwei Esel und einige Ziegen sind der Bestand des Hofes.
Eine äusserst friedliche Atmosphäre umgibt uns und das viele Grün tut unseren Augen gut, nach soviel Wüste, Sand und Staub.

Atbara

Von Karima nach Atbara durchfahren wir auf einer Strecke von 300 Km die nubische Wüste. Glücklicherweise ist es nicht mehr so staubig und sandig wie zu Beginn der Reise. Aber die Luft ist sehr trocken und reizt die Schleimhäute.
Etwa 70 Km vor Atbara biegen wir bei zwei Ruinen ab und fahren hinab in eine trockenes Flussbett, um hier geschützt vor Blicken zu nächtigen. Ein einsamer Hirte – mit eindrücklichem Messer bewaffnet – kommt zu uns hinüber, einfach um uns zu begrüssen. Die Nacht ist danach sehr ruhig.

Atbara ist das Eisenbahnzentrum des Landes mit einer riesigen Bahnhofanlage. Hier soll es ein Eisenbahnmuseum geben. Tatsächlich können wir das kleine Museum im ehemaligen Britischen Quartier finden. Der Eintritt ist kostenlos. Kostbarstes Ausstellungsstück ist die Dampflokomotive, die im Englisch-Sudanesischen Krieg den Engländern den Nachschub von Ägypten her sicherte. Die Bahnstrecke von Wadi Halfa an der ägyptischen Grenze durch die nubische Wüste existiert immer noch, auch die Strecke von Port Sudan und nach Khartum bis an die Äthiopische Grenze. Leider finden wir niemanden, der uns Auskunft geben kann, ob wir die Bahnanlagen fotografieren dürfen, weshalb wir es beim Museum bewenden lassen.

Meroe

Wir erreichen das Pyramidenfeld von Meroe gegen Abend. Doch an Fotografieren und Filmen ist nur bedingt zu denken. Gruppen von Studenten bevölkern das Gelände und jeder will mit uns zusammen ein Selfie machen. Was solls – diese Begegnungen machen ja gerade den Reiz einer Sudanreise aus. Schliesslich strömen noch Schulklassen einer Mädchenschule zu den Pyramiden. Wie immer wenn sie in Gruppen sind, sind die Mädchen ausgelassen und sprühen von Leben. Wir beenden unseren Besuch, freuen uns aber an der Fröhlichkeit dieser jungen Menschen.

Bei Sonnenaufgang sind wir wieder bei den Pyramiden und sehen diese beim goldenen Sonnenlicht. Bis auf die Kamelreiter ist es jetzt ruhig und wir haben Musse für die Besichtigung.

Die sudanesischen Pyramiden sind kleiner und steiler als die Ägyptischen, dafür zahlenmässig denen von Ägypten weit überlegen. Alleine in der Umgebung von Meroe zählt man etwa 900 Pyramiden. Sie dienten den Königen, Königinnen und hohen Hofbeamten des Kuschitischen Reichs als Grabstätte. Die Grabkammern befinden sich unter der Pyramide und sind nicht mehr zugänglich. Bei einigen Pyramiden existiert ein kleiner Totentempel vor der Pyramide mit der Typischen H-Front. Sie sind zwischen 10 und 30 Meter hoch und verlaufen in einem Winkel um 72°. Ihre Bauzeit wird um 300 vor bis 300 nach Christus datiert.

Naqa

Heute fahren wir zu den beiden Tempeln von Naqa. Eine geteerte Strasse führt hinein in die Wüste um da irgendwo plötzlich zu enden. Wir finden mit Hilfe eines sudanesischen Führers die richtige Piste und weiter gehts etwa 20 Km über meist harten oder dann gut gespurten weichen Sand.

Wer hätte das vermutet, dass im Sudan von etwa 300 vor bis 350 nach Christus eine Hochkultur wie in Ägypten existierte. Die hiesigen Herrscher machten den ägyptischen Pharaonen immer wieder ziemlich Druck. Sie beherrschten auch zeitweise Oberägypten und sind unter dem Namen „Schwarze Pharaonen“ bekannt.
Die Tempelanlagen sind Zeugen dieses Meroitischen Königreichs, die Tempelbauten zeigen eine eigene Handschrift, sind somit nicht einfach denjenigen von Ägypten nachgebaut.
Wir sind begeistert vom guten Zustand der Tempel und von der abgeschiedenen Lage. So können wir uns den damaligen Kult einigermassen vorstellen.

Als einzige Besucher „gehören die Bauten uns alleine“. Und es bewährt sich wieder, dass wir über Nacht bleiben, denn der Amun-Tempel (oben) wird am Abend von der Sonne schön beleuchtet, der Apedemak Löwentempel (unten) hingegen am frühen morgen. Einige der Figuren am Apedemak Tempel tragen Löwenköpfe, von daher die Bezeichnung „Löwentempel“. Die Stille in der Nacht geniessen wir, auch das Alleine-sein in dieser Wüstenlandschaft tut gut.

6. NIL Katarakt

Etwa 90 Km nordöstlich von Khartum fliesst der Nil – vom Mittelmeer her gerechnet – durch den 6. Nil-Katarakt. Eine Stelle, wo er über einige Felsen fliesst. Der erste und zweite Katarakt sind im Nasserstausee in Ägypten überflutet worden, der vierte Katarakt im Stausee von Karima. Der dritte, fünfte (Atbara) und sechste Katarakt bestehen noch. Wir also besuchen den sechsten und letzten Katarakt. In unserer Vorstellung malen wir uns ein ruhiges Naturschauspiel aus. Doch ist dieser Katarakt ein Ausflugsziel der Einheimischen mit entsprechender Infrastruktur.

Wir dürfen hier kostenlos über Nacht stehen. Natürlich wird erwartet, dass wir einen Fisch vom Nil konsumieren. Was wir tun, aber heute nicht mehr tun würden. Erst später realisieren wir, dass die Kühltruhe, aus der der Fisch entnommen wurde, ja gar nicht über Strom verfügte. Zudem wurde der Fisch zerhackt und in Öl mit einer Panade frittiert …. wir nehmen die Mahlzeit zu uns ins Fahrzeug und essen dort, damit die Sudanesen nicht sehen, was wir alles nicht essen, um unsere Mägen nicht zu überstrapazieren. Dankbar stellen wir fest, dass wir die Mahlzeit ohne Nebenwirkungen überstanden haben.

In der Nacht war es ruhig und auch heute morgen beginnt das Leben in seiner ursprünglichen Form. Wir haben den Nil und die umliegenden Felder beinahe alleine für uns und können beobachten wie hier nach wie vor mit einfachen Mitteln (Zwiebel) Felder bewässert werden mit Wasser aus dem Nil. In die Dämmchen zwischen den Feldern werden noch Kichererbsen eingedrückt. Eine ländliche Atmosphäre liegt nun über der Landschaft am Nil.

Unsere Reise geht von hier aus zurück nach Khartum, wo wir nochmals einige Tage zu verbringen gedenken und danach weiter nach Äthiopien.

Block XY

Nach dem 6. Nil-Katarakt fahren wir zurück nach Khartum, denn der kürzeste Weg nach Äthiopien geht über die Hauptstadt.

Khartum und Omdurman ufern immer mehr in die Wüste hinaus. Hier siedeln die Inland-Vertriebenen. Die Konflickte im Südsudan und in Darfour haben ihre Spuren hinterlassen. Viele Sudanesen sind auf Grund der Gräueltaten in die Region von Khartum geflüchtet in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Die Siedlungen der Inlandflüchtlinge tragen keine Namen mehr sondern werden mit Block und einer Ziffer bezeichnet. Wir besuchen den Block XY.

Die Häuser, stets von einer hohen Mauer umgeben, bestehen aus getrockneten Ziegelsteinen aus Sand und Erde. Die Unterkünfte sind einfachst und verfügen weder über Elektrizität, noch über Wasser etc. Das Wasser wird mit rege verkehrenden Eselkarren transportiert. Dass hier Krankheiten herrschen ergibt sich alleine aus der fehlenden Infrastruktur, die das Leben mühsam machen. Aus solchen und ähnlichen Siedlingen, 15 bis 25 Km und weiter vom Stadtzentrum entfernt kommen viele der Patienten der weiter oben vorgestellten Polyclinic. Eine zeitraubende Strecke mit fehlenden und ungenügenden Verkehrsmitteln für die gerne 3 Stunden ein Weg benötigt werden.

Kaum im Block XY angekommen, kaum die Kamera ausgepackt, sind wir schon umgeben von einer grossen Kinderschar. Liebenswürdige kleine Bengel, schmutzig, aber fröhlich und lebendig. Dennoch ist es schwierig sie mit der Kamera einzufangen, da sie entweder zu nahe stehen oder sich alle hinter uns stellen, um einen Blick auf den Kameramonitor zu ergattern. Wir lieben diese Kinder und die Menschen. Sie sind trotz ihrer Not so fröhlich und freundlich. Sie betteln nicht und halten sich zurück.

Spezieller Sudan

Wer hätte das gedacht, dass sich mitten im Block XY eine kleine christliche Kirche befindet. In welchem anderen muslimischen Land ist so etwas möglich (ausser Ägypten und die Emirate). Trotz der repressiven Haltung der früheren Regierung haben kleine christliche Zellen überlebt.

Krank in Khartum

Am Samstag machen wir uns bereit zur Abfahrt in Richtung Äthiopien. Doch statt durch die Stadt fahren wir mit einem Taxi zur Poliklinik, die wir kennen. Ein Arzt untersucht mich. Der Laborbericht zeigt, dass ich eine Magen-Darm-Infektion habe. Wenigstens keine Malaria. Übles Erbrechen mit Durchfall einhergehend hat mich am Morgen plötzlich in seine Zange genommen. Ich benötige eine Injektion, damit das Erbrechen aufhört. Diese ist jedoch erst einen Tag später erhältlich, wodurch kostbare Zeit verloren geht. Der viele Wasserverlust macht mich sehr schwach. Doch können wir das Krankenhaus wenigstens umgehen, denn im letzten Moment beginnen die Medikamente zu wirken und ich kann wieder genügend Flüssigkeit zu mir nehmen. Ganze 2 1/2 Wochen benötige ich, bis ich wieder einigermassen fahrtüchtig bin.

Während dieser Zeit versorgt uns unser junger Taxifahrer Moueyd mit dem Nötigsten. Er kauft für uns Trinkwasser ein, bringt Bananen und wechselt gelt. Ja, in der Tat, haben wir sehr viele Sudanesen als Ehrlich, offen und Hilfsbereit kennen gelernt. Haben wir uns in der Flut von Banknoten verzählt kamen die zuviel bezahlten Noten stets automatisch zurück. Ein Volk, das aus unserer Sicht den Frieden verdient hat! Und damit kommen wir auch zu unserem nächsten Thema: Die Sudanesische Revolution von 2018 bis 2019.

Sudanesische Revolution

Die sudanesischen Pyramiden und Tempelanlagen sind Zeugen einer vergangenen Zeit – die Sudanesische Revolution aber Zeugnis der heutigen Zeit.

Noch unter Omar Baschirs Gewaltherrschaft stiegen die Preise im Land um das Dreifache. Bargeld wurde knapp und die Korruption im Land immer grösser. Die Frauen waren endlos benachteiligt und besassen kaum Grundrechte. Sie konnten frei verhaftet werden und mussten dann oft Geldzahlungen leisten, um wieder frei zu kommen.

Auf diesem Hintergrund begannen am 19. Dezember 2018 in Atbara und Khartum und anderen sudanesischen Städten Demonstrationen, die auf Grund der gestiegenen Lebenshaltungskosten zuerst nach wirtschaftlichen Reformen, aber bald schon nach dem Rücktritt des Präsidenten, Omar al Baschir verlangten. Bis zu 70% der Demonstrierenden waren Frauen, die auch für ihre Grundrechte kämpften. Führend im Kampf war (und ist) der Gewerkschaftsverband Sudanese Professionals Association.

Die Regierung schlug die Proteste gewaltsam nieder. Am 22. Februar 2019 verhängte al-Bashir den Ausnahmezustand, löste die Regierungen auf und ersetzte diese durch Militärs und Geheimdienstbeamte.
Am Wochenende des 6.–7. Aprils 2019 kam es wieder zu Massenprotesten und am 11. April 2019 wurde al-Bashir von Militärs aus dem Amt gehoben.

Trotz des Putsches gingen die Proteste weiter mit der Forderung an die Militärs, einer zivilen Übergangsregierung Platz zu machen. Die Verhandlungen platzten, als am 3. Juni 2019 die Rapid Support Forces beim Khartum Massaker 118 Menschen töteten und zahlreiche weitere verletzten und vergewaltigten.

Als Antwort auf das Khartoum Massaker und die darauf folgenden Verhaftungen riefen die oppositionellen Gruppen zum Generalstreik vom 9. – 11. Juni auf. Sie riefen die Bevölkerung zum zivilen Ungehorsam und gewaltfreien Protest auf.
Am 5. Juli 2019 kam es zu einer Einigung zwischen der Opposition und dem Militärrat und beide Seiten unterzeichneten am 17. Juli 2019 ein entsprechendes Abkommen. Es sieht einen „Souveränen Rat“ aus Vertretern des Militärs und der Protestbewegung vor, in dem zunächst die Armee den Vorsitz übernimmt, später die Opposition.

Wir bitten Moueyd, unseren Taxifahrer, uns zu den Plätzen der Revolution zu bringen. Er führt uns zur Abfahrt von der „Blue Nile Bridge“ zur „Nile Street“ (15.612011, 32.544104). Hier sind viele der Menschen auf eine Wand gemalt, die während der Revolution ihr Leben lassen mussten.Insgesamt sollen es 228 Personen sein, davon starben alleine im Khartum Massaker vom 3. Juni 2019 118 Menschen. Viele der Leichen wurden einfach in den Nil geworfen und so würdelos „entsorgt“.

3 Millionen Sudanesen haben am 3. Juni 2019 in diesen Strassen friedlich demonstriert, als sie durch die Super Rapid Forces aus einem leerstehenden und sich noch im Bau befindlichen Gebäude herab beschossen wurden. Soldaten der regulären Armee hatten sich unter das Volk gemischt, um es zu beschützen.

Heute ist der“Kampf“ noch nicht vorbei. Das alte Regime bzw. was davon übrig geblieben ist, steuert mit kaltem Wind gegen die demokratischen Errungenschaften. Diesel wurde bewusst abgezogen und wird gehortet, die Busfahrer der neuen städtischen Busse werden dafür bezahlt, NICHT zu fahren, und Vieles mehr. Inzwischen wurde auch ein Attentat gegen den aktuellen Premier Minister versucht, zum Glück ohne Folgen, etc.

Wir wünschen es den Menschen mit dem freundlichen Lächeln und der unendlich grossen Gastfreundschaft, dass weitere Fortschritte erzielt und die demokratische Entwicklung beibehalten und gefestigt werden kann.

Aufbruch

Am 4. Februar 2020, mit etwa 3 Wochen „Verspätung“ brechen wir endlich auf nach Äthiopien. Zuerst fahren wir zu „unserer“ Tankstelle um Vollzutanken – und wir erhalten die gewünschten 200 Liter Diesel ohne Zögern. Sadek, der Verantwortliche, hatte uns zuvor seine Telefonnummer gegeben und so konnten wir per Whatsapp sicherstellen, dass auch Diesel da war.

Von Khartum zur Äthiopischen Grenze sind es etwa 600 Km. Wir veranschlagen für die Fahrt 3 Tage. Einerseits weil ich mich noch nicht 100% fühle, andererseits auch, weil wir vernommen haben, dass die letzten 80 Km in furchtbarem Zustand seien.

Die erste Nacht stehen wir am Nil, nahe einer Polizeikontrolle. Ja, und da haben wir den Fehler gemacht, dass wir vor der Polizeikontrolle auf einen Feldweg zum Nil abgefahren sind. Kaum an unserem idyllischen Platz angekommen, schauen auch schon zwei Polizisten vorbei und kontrollieren uns. Sie wollen noch ein Selfie mit uns und dem MAN und fahren dann ab. Einer aber kommt wider zurück. Sein Chef wolle uns sehen und wir müssten ins nächste Dorf fahren. Wir könnten dann da übernachten. Wir wehren ab und bedeuten ihm, dass wir heute nirgends mehr hinfahren würden, da die Sonne schon bald untergehe und wir in der Nacht nicht fahren wollen. Schliesslich händigen wir ihm auch eine Kopie von unseren Pässen und unseren Visa aus. Das stellt ihn zufrieden und den Rest der Nacht bleibt es ruhig. Ist noch zu sagen, dass es dem Polizisten gar nicht gefiel, was sein Chef von uns verlangte.

über die Weiterreise bis zur Äthiopischen Grenze gibt es eigentlich nicht viel zu berichten, ausser, dass es trockener wird, dass wir nur langsam an Höhe gewinnen, dass Baumwolle angebaut wird und wir vor El Qadarif am Rande eines Feldes ungestört Übernachten.

Die Strecke von El Qadarif bis zur Grenze ist in der Tat auf einer Länge von etwa 70 bis 80 Km beinahe unzumutbar. Doch der gesamte Grenzverkehr zu Äthiopien verläuft über diese Strasse. Mehr Schlagloch als Strasse und so wunderbar verteilt, dass man sie oft durchfahren muss. Das heisst also abbremsen, runterschalten und wieder hochschalten und das X-mal. Wenige Km vor der Grenze finden wir einen kleinen Steinbruch zur Übernachtung.

Früh am Morgen des 7. Februar 2020 fahren wir die letzten Kilometer zur Grenze bei Metemma. Die Ausreise aus dem Sudan ist, dank Koordinaten aus iOverlander, einfach. Die Grenzer sind sehr freundlich und unkompliziert.
Adieu Sudan, ziemlich genau zwei Monate verbrachten wir im Sudan. Für uns eines der Highlights auf unserer Reise nach Kapstadt.

Auf Äthiopischer Seite geht es korrekt und freundlich zurückhalten zu und her. Die Einreise ist schnell bewerkstelligt, nur die Registrierung des Fahrzeugs und die danach folgende etwas pingelige Kontrolle benötigen Zeit. So wird es Mittag, bis wir über die Grenze fahren können.

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11 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Rolf und Gabi
    31. März 2020 9:38

    Hallo Ihr Zwei!
    Wir freuen uns sehr für Euch, dass Ihr so beindruckende Erlebnisse zu berichten habt. 
    Wirklich ein toller Sudan-Bericht. Wir sind sehr begeistert! 👍👍

    Wir machen momentan “Stubetaining” nachdem wir wegen der Corona-Krise unsere 6-wöchige Balkan-Reise absagen mussten. 

    Alles Gueti, blibed Xund und liebi Grüss
    Gabi und Rolf 

    Antworten
  • Hallo Vreni und Ernie,
    es ist wahnsinnig spannend euch auf eurer Reise zu begleiten und an euren Erfahrungen teilzuhaben. Die Fotos sind traumhaft. Bleibt gesund und hoffentlich vom Coronavirus verschont!
    Liebe Grüße aus Bayern, wo Ausgangsbeschränkungen und Vernunft uns ins Homeoffice zwingen und soziale Kontakte auf Telefon und Internet beschränkt sind, Elke

    Antworten
  • Ihr Lieben, danke für den sehr informativen, interessanten und lehrreichen Bericht mit den wunderschönen Fotos untermalt. Ich weiss wieviel Arbeit und Herzblut hinter einem solchen Bericht steckt, einfach grossartig, danke vielmals!
    Liza

    Antworten
  • Was für ein farbenprächtiges Land!

    Antworten
  • Horst & Sabine
    26. März 2020 18:57

    Liebe Vreni, lieber Ernst
    herzlichen Dank für die spannenden Berichte und Bilder. Wir bewundern Euren Mut!!
    Der Virus hat nun auch Heidelberg erreicht mit den bekannten „Nebenwirkungen“ Wir hoffen,
    daß bis Mitte des Jahres das normale Leben wieder eingekehrt ist.
    Wir wünschen Euch eine stabile Gesundheit und viele spannende Erlebnisse.
    Herzliche Grüße Horst & Sabine

    Antworten
  • Hallo Vreni + Ernst
    Vielen lieben Dank für den schön geschriebenen Bericht und die tollen Bilder. Wünsche euch noch eine gute Weiterfahrt und weitere schöne Erlebnisse.
    Bleibt gesund
    LG vom Rhein
    Uwe

    Antworten
  • Hallo Vreni + Erns
    In unserer momentanen Isolation ist es schön mit tollen Geschichten und schönen Bildern abgelenkt zu werden. Unser WoMo steht seit Februar in Deutschland (Garantiearbeiten) und nun kommen wir nicht mehr ran! Also nix mit campen. Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute und Gesundheit.
    René + Lilo

    Antworten
  • Hallo Zusammen. Einmal mehr wunderschöne Bilder in tollem Licht und spannende Berichte. Ich bin froh, geht es euch soweit gut. So wie es aussieht, habt ihr im Moment etwas mehr Bewegungsfreiheit 😉 Geniesst es. Ich freue mich schon wieder auf neue schöne Bilder. Liebe Grüsse Joel

    Antworten
  • Ernst (Aschi) Haus
    26. März 2020 9:20

    Sali zäme
    Danke für die vielen tollen Bilder und die schriftlich festgehaltenen, bewegenden Eindrücke. Wünsche euch beiden beste Gesundheit und eine weiterhin sehr gute Zeit in Afrika
    Liebe Reisegrüsse Aschi

    Antworten
  • Hi guys, thank you for the amazing photos and information that you share. I look forward to your next post, that care and enjoy.
    Kind regards Kevin

    Antworten
  • Susanne & Roger (LKW Fahrschule Ott)
    8. Februar 2020 20:14

    Liebes Vreni, lieber Ernst
    Vielen Dank für eure schönen Reiseberichte, welche wir sehr gerne lesen.
    Weiterhin gute Reise und viele schöne Erlebnisse wünschen euch,
    Susanne & Roger

    Antworten

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