Wasser-Reich

Der Nord-Westen

Sambia ist ein wasserreiches Land. Am wasserreichsten ist die westliche Region des Nordens. Ausgedehnte Sümpfe speisen viele Bäche und Flüsse und über Fallstufen hinunter bilden sich Wasserfälle. Insbesondere zwei dieser Wasserfälle wollen wir sehen, da sie zu den imposantesten des Landes gehören. Die Region gilt auch als wenig erschlossen, was teilweise auch heute noch zutrifft und das sollen wir persönlich zu spüren bekommen.

Also brechen wir an einem wunderschönen und ruhigen Sonntag von Kasama auf. Die erste Etappe nach Mporokoso im Westen besteht aus meist guter Teerstrasse. In Mporokoso sind gerade Wahlveranstaltungen. Unterschlupf gewährt uns eine hochkarätiger Politiker auf dem Parkplatz seiner noch im Bau befindlichen Lodge ohne Namen am Eingang des Ortes.

Anderntags nehmen wir die 100 Km als miserable Piste bekannte D19 von Mporokoso zu den Wasserfällen unter die Räder. Es stimmt, die Piste erlaubt oft nur Geschwindigkeiten von vielleicht 10 Km/h – aber es gibt auch einige bessere Abschnitte, die vielleicht 20 oder 30 Km/h erlauben.

Lumangwe und Kabwelume Falls

Rechtzeitig vor Sonnenuntergang erreichen wir den Eingang zum Naturschutzgebiet. Zwei freundliche Mitarbeiter kassieren den Eintritt und weisen uns ein. Wir verbringen drei Nächte direkt an den Lumangwe Falls und sind einfach nur begeistert. Kaum Touristen, keine fliegenden Händler, nichts mindert das Naturerlebnis, da die Wasserfälle weit abseits touristischer Routen liegen. Einfach nur wunderschön. Tag und Nacht lauschen wir dem Tosen der Wasserfälle.

Auch die Kabwelume Falls sind nicht minder Eindrucksvoll. Sie ergiessen sich über drei Fälle in das tiefer liegende Flussbett. Die Gischt macht ein Fotografieren schier unmöglich, weshalb wir etwas oberhalb stehen bleiben und dieses Naturschauspiel mit Staunen und Ehrfurcht betrachten. Sie viel Wasser, Sekunde um Sekunde – und dies, obschon jetzt Trockenzeit ist.

Schlamm

Heute wollen wir unsere Reise fortsetzen. Vor der Abfahrt kommen zwei Arbeiter zu uns, „es sei da ein Problem“ aber „sie würden dafür sorgen, dass wir eine Umleitung fahren könnten“. Wir fahren etwa einen Kilometer zurück und da, wo wir auf dem Hinweg zu den Wasserfällen einen kleinen Bach durchquert haben, liegen jetzt zwei dicke Zementrohre, die den Bach eindolen sollen. Aber natürlich wurden die Rohre verlegt, ohne die dazugehörige Schotterlieferung, mit welcher die Überfahrung der Rohre möglich wäre. Was waren denn das für Helden, die so etwas zustande gebracht haben! Der Bauleiter hat sich nicht darum gekümmert, ob sich noch Besucher bei den Wasserfällen aufhalten.

Einige Bauarbeiter beginnen, mit Ästen eine Fahrbahn zu legen. Quer zur Fahrtrichtung. Wir schreiten das Gelände ab und denken, „geht schon“. Leider verfügen wir über keine Erfahrung. Die Fahrroute wird besprochen. So schnell es bei diesem unebenen Terrain geht, fahre ich los. Die querliegenden Äste bremsen die Hinterachse ab, wirken wir Keile und unser MAN sinkt bis zur Hinterachse ein. Na, schöne Geschichte.

Heute haben wir grössten Respekt vor diesen einfachen Arbeitern. Unermüdlich graben sie unser Fahrzeug aus, kriechen unter das Fahrzeug und schaufeln und schaufeln – und sie sind sehr lieb zu uns und sie trösten uns. Für uns waren das „Engel“ in Menschengestalt. Noch heute denken wir oft an diese Arbeiter, die draussen im Busch wohnen, kaum etwas ihr Eigen nennen und sich uns und unserer Situation so angenommen haben.

Beim nächsten Versuch geht es wieder 50cm weiter, dann einen Meter, etc. Und schon denke ich, dass wir es bis zum Strässlein schaffen, da bleiben wir wieder stecken, versuchen es erneut, graben uns aber nur noch mehr ein, so dass sich unser MAN beachtlich zur Seite neigt. Ein Arbeiter versucht mit einem Motorrad Hilfe zu holen. Ein „Chinese“ soll einen Traktor haben – der ist aber nicht bereit zu kommen und zu helfen. Die nächste Ortschaft mit Infrastruktur liegt 70 Km entfernt. Niemand verfügt hier über ein Fahrzeug, ausser einem mit einem Moped. Also schwierig, motorisierte Hilfe zu erhalten. Zudem haben wir hier keinen Empfang, können also auch niemanden anrufen.
Da es gleich dunkel wird müssen wir uns entschliessen, in diesem schiefen MAN zu schlafen. Die Mannschaft verabschiedet sich – ob sie morgen wohl wieder auftauchen? 

Punkt 06:00 Uhr stehen die ersten Arbeiter wieder neben unserem Fahrzeug und folgerichtig beginnen sie sogleich, das vordere linke Rad zu untergraben, um das Fahrzeug zu stabilisieren. Die Fahrspuren sind gegraben. Ich lege die beiden Abschleppseile aus, damit die Arbeiter nun vorne ziehen könnten…. Genau in dem Moment erscheint eine Südafrikanische Reisegruppe mit 6 Toyotas – kurzentschlossen wird unser MAN von zwei Toyotas parallel an den Hacken genommen – und wir stehen auf der Strasse. Präzisere Hilfe hätten wir bei entsprechender Planung nicht bekommen können. Gott sei Dank! Alle atmen auf – auch die Arbeiter. Für sie ist jetzt „Zahltag“, den sie sich redlich verdient haben. Und so schnell wie die Südafrikanische Reisegruppe gekommen ist, ist sie auch wieder weg.

Luapula Tal

Auf einer neuen Brücke überqueren wir den Kalungwishi-Fluss, dessen Wasser die Lumangwe und Kabwelume Falls speisen. Überall, wo man anhält, finden sich Menschen ein. Die Neugier (und auch die Hoffnung, etwas zu erhalten) treibt sie an. Aber auch ohne „Geschenke“ bleiben sie stets freundlich und liebenswürdig. Das macht Sambia so angenehm!
Unser heutiges Ziel erreichen wir zumeist auf  gute Schotterpiste: die Ntumbacushi Wasserfälle.
Lustig ist, dass diese im Vergleich zu den vorangegangenen „bescheidenen“ Wasserfälle gleich viel kosten wie die beiden Grossen zusammen, nämlich USD 15 pro Person und USD 20 Camping pro Nacht.

Der Luapula-Fluss entspringt in den Bangweulu-Sümpfen, deren Besuch noch bevorsteht. Er bildet auf vielen Kilometern die Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Sambia. Schliesslich mündet der Luapula in den riesigen Kongo-Strom.
Das Tal ist entlang der Strasse sehr dicht besiedelt. Dennoch macht das Reisen hier Freude, weil die Menschen fröhlich zuwinken – wir natürlich zurück – und ihr Lachen die weissen Zähne aufblitzen lässt. Eine angenehme Zurückhaltung prägt ebenfalls die Begegnungen mit diesen Menschen und einige mögen noch gar nie einen „Weissen“ gesehen haben. Einfachstes Leben – und dennoch fröhlich. Wir sind beschämt. Wie manches „Luxus-Problem“ lässt uns schon „den Kopf senken“?

Reifen-Schock

Unterwegs halte ich an und kontrolliere das Fahrzeug rundherum, auch die Reifen. Was ich da sehe, ist ein kleiner Schock für mich. Einer der Reifen zeigt eine lange Schnittverletzung. Ich untersuche diese, kann aber nur schlecht abschätzen, wie tief der Schnitt geht. Vorsichtig fahren wir nach Mansa, kaufen dort ein und dürfen auf dem Gelände der Katholischen Diözese kostenlos für eine Nacht stehen. Danke!

Bangweulu See

Wir stehen an dem Ort, den uns Reisefreund Thomas genannt hat: die „AJC Beachfront“ am Bangweulu-See.
Der See ist riesig, 4500 Km2 während der Trockenzeit und bis zu 10’000 km2 während der Regenzeit. Allerdings beträgt seine Tiefe lediglich etwa 4m. Der See ist sehr fischreich. Hier wird noch traditionell mit „Einbaum“ gefischt (aber nicht nur). Fotografisch lässt sich der See nicht wirklich in Szene setzen.
Die AJC-Beachfront ist sehr gepflegt und lädt zum Verweilen ein. Offenbar ist es in Sambia Tradition, dass der 7. Geburtstag eines Mädchens gebührend gefeiert wird. Während kurzer Zeit haben wir deshalb Familienanschluss und kriegen auch ein Stück Kuchen.

Bangweulu Sümpfe

Von unserer 210 Km Tagesetappe fahren wir etwa 100 Km entlang und durch die südlichen Ausläufer der Bangweulu-Sümpfe. „Bangweulu“ bedeutet „wo der Himmel das Wasser berührt“. Von Norden her münden etwa 25 Gewässer in die Sümpfe, im Besonderen speist der Chambeshy-Fluss Sümpfe und See. Allerdings verdunsten etwa 90% des Wassers und die restlichen 10% fliessen durch den Luapula ab und damit in den Kongo und weiter in den Atlantik. Die 1200mm Regen, die während der Regenzeit fallen, lassen den Wasserspiegel um einen bis zwei Meter ansteigen.

Die Sümpfe dehnen sich etwa 180 x 250 Km aus und erweitern sich während der Regenzeit bis etwa 45 Km. Kaum zu glauben, aber in den Sümpfen leben Menschen und zwar vom Fischfang und in der Trockenzeit auch vom Ackerbau, da die Erde sehr ertragreich ist. Viele versuchen am Rand der einzigen Strasse ihre getrockneten oder frisch gefangenen Fische zu verkaufen – zu viele bieten das Gleiche an, wie auf vielen Afrikanischen Märkten. Da ist die Konkurrenz natürlich mächtig gross.

Die Brücke, die niemand bauen wollte. Als Sambia die westlichen Länder für den Bau einer Brücke durch die Sümpfe anfragte, meinten die westlichen Länder: „unmöglich“.  Aber die Chinesen bauten die Brücke – sie führt etwa 3 Km lang durch das Zentrum der Sümpfe und überquert den Luapula.

Weiterreise nach Lusaka

Nach einer ruhigen Nacht im Kasanka Community Trust Campsite gelangen wir bald an die „Great North Road“, die nun zügig zu befahren ist. An der Strecke nach Lusaka kehren wir seit Langem wieder einmal ein.  Im „Fig Tree Caffe“ geniessen wir einen wunderbaren Cappuccino und Heidelbeer Muffins. Köstlich.
Weiter südlich hat uns „Jackie“ vom Flower & Fern Campsite die Metzgerei „Trotters“ empfohlen, wo wir gerne Fleisch einkaufen, bevor wir in Lusaka unseren „Privat-Campingplatz“ beziehen.

Vorheriger Beitrag
Lake Tanganjika
Nächster Beitrag
Luangwa Nationalpark

Related Posts

Es wurden keine Ergebnisse gefunden, die deinen Suchkriterien entsprechen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren.